Meinung: Die Lage: Inside Austria – Femizide erschüttern Österreich

Datum17.01.2026 09:18

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Österreich wurden im Januar zwei Femizide verzeichnet, die die Besorgnis über Gewalt gegen Frauen verstärken. Statistiken zeigen, dass Frauen in Österreich statistisch häufiger Opfer männlicher Gewalt werden als in vielen anderen europäischen Ländern. Trotz eines Rückgangs der Gesamtmordrate bleibt die hohe Zahl weiblicher Opfer alarmierend. Die Bundesregierung hat einen Nationalen Aktionsplan initiiert, um das Sexualstrafrecht zu reformieren und den Gewaltschutz zu verbessern. Die Aufklärung des Zweifelsfalls um Christian Pilnacek sorgt ebenfalls für öffentliche Aufmerksamkeit.

InhaltZwei Frauen werden erwürgt, geständig sind in beiden Fällen Männer, einer ist Polizist. Wieder einmal zeigt sich: Österreich hat ein großes Problem mit Gewalt gegen Frauen. Gleich zu Beginn des neuen Jahres hat sich in Österreich ein schrecklicher Trend fortgesetzt: im Januar wurden innerhalb von nur zwei Wochen zwei Femizide gezählt: Töten Männer in Österreich Frauen und Mädchen häufiger, weil sie weiblich sind? Sterben Frauen zwischen dem Neusiedler See und dem Bodensee häufiger durch Männer in ihrem Umfeld als anderswo in Europa? Statistisch deutet viel darauf hin.  Die Mordrate fällt zwar im Vergleich zu europäischen Nachbarländern ziemlich niedrig aus: Sie liegt in Österreich bei 0,5. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie bei 0,9. Doch der Anteil an weiblichen Opfern fällt auffallend groß aus. Nimmt man alle Fälle zusammen – Morde und andere Tötungsdelikte – wird noch ein anderer Befund deutlich. Seit mehr als einem Jahrzehnt werden in Österreich mehr Frauen als Männer getötet. Und in fast allen Fällen sind die Täter männlich und verwandt oder bekannt mit den Opfern. STANDARD und SPIEGEL erklären, was Österreich bewegt, ordnen politische Debatten ein, erzählen unbekannte Besonderheiten und analysieren die Hintergründe der Macht. Inside Austria erscheint jeden Samstag als Newsletter und Podcast. Für Inside-Austria Hörer- und Leserinnen gibt es jeweils ein besonderes Angebot: 4 Wochen SPIEGEL+ für 1 €, danach 5,99 € pro Woche sowie 3 Monate STANDARD Smart für je 5 € statt 14,90 €  . Die Gesamtzahl der Mordopfer ist in der Alpenrepublik seit den Siebzigerjahren rapide gesunken, aber nicht die Gewaltbereitschaft, stellte eine Studie im Oktober 2025 fest . Inzwischen verfestige sich der Eindruck, Österreich kümmere sich unzureichend um den Schutz von Frauen oder sei in diesem Bereich gar ein "Schlusslicht in Europa", wie damals Marina Sorgo, Vizevorsitzende des Bundesverbands der Gewaltschutzzentren warnte. Für Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) ist Gewalt gegen Frauen ein "strukturelles Problem". Die Bundesregierung aus ÖVP, Sozialdemokraten und liberalen Neos hat das Thema gleich nach Amtsantritt im Frühjahr 2025 auf ihre Agenda gesetzt. Ein "Nationaler Aktionsplan"  sieht eine Reform des Sexualstrafrechts vor, wodurch Cyber-Stalking und andere digitale Übergriffe besser verfolgt werden können. Außerdem sollen Anti-Gewalt-Trainings für Gefährder zur Pflicht werden, Betretungsverbote verschärft und Gewaltschutzambulanzen ausgebaut werden. Schon vergangene Woche hat mein Kollege Fabian Schmid vom "Standard" Sie über den jetzt angelaufenen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Fall Pilnacek informiert. Der Tod des schillernden wie mächtigen Spitzenbeamten beschäftigt Österreich bis heute. Christian Pilnacek war im Oktober 2023 in einem Seitenarm der Donau ertrunken. Offiziell gilt Ertrinken als Todesursache, Fremdverschulden wurde ausgeschlossen. Die Rede war rasch von Suizid. Doch bis heute gibt es zahlreiche Ungereimtheiten und offene Fragen. Kritisiert werden unter anderem die Ermittlungen der Behörden, es ist von Schlamperei und politischer Vertuschung die Rede. Zuletzt warfen Daten von der Smartwatch  des Toten neue offene Fragen auf. Der Untersuchungsausschuss soll nun klären, ob ÖVP-Politiker versucht haben , Einfluss auf die Ermittlungen zu nehmen. In der aktuellen Podcastfolge von "Inside Austria"  fasst Fabian Schmid den Fall Pilnacek noch einmal zusammen und gibt Einblick in den aktuellen Stand der Ermittlungen – und in die Zweifel daran. Außerdem berichtet Maximilian Werner von einem ungewöhnlichen Termin  des Untersuchungsausschusses: einem Lokalaugenschein am Fundort von Pilnaceks Leiche in der Wachau. Er erzählt, was an diesem eiskalten Tag passiert ist – und womit sich das Gremium sonst noch beschäftigt hat. Herzliche Grüße aus Wien! Oliver Das GuptaAutor für SPIEGEL und "Standard" Und noch einmal der Hinweis in eigener Sache: Dieses Briefing als Newsletter in Ihr E-Mail-Postfach können Sie hier bestellen.