Rekordgehalt in Sicht: Siemens-Energy-Boss könnte dieses Jahr knapp 40 Millionen Euro verdienen

Datum17.01.2026 06:51

Quellewww.spiegel.de

TLDRSiemens Energy plant für seinen CEO Christian Bruch ein Gehalt von bis zu 40 Millionen Euro für das laufende Geschäftsjahr, nachdem das Unternehmen erfolgreich eine staatliche Bürgschaft zurückgegeben hat. Dies umfasst ein Grundgehalt von 2,1 Millionen Euro sowie Boni. Diese hohen Vergütungen sind seit der Stabilisierung des Unternehmens und dem Anstieg des Aktienkurses von unter 10 auf bis zu 130 Euro möglich. Zudem wird das Vorhaben, ESG-Ziele zu ändern, kritisiert, da das Ziel für Frauen in Führungspositionen gestrichen wurde.

InhaltVor zwei Jahren musste der Bund den Energietechnik-Konzern Siemens Energy noch mit einer Bürgschaft stützen. Nun laufen die Geschäfte blendend. Und der Vorstand soll dafür üppig entlohnt werden. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Dem Management von Siemens Energy winkt in diesem und im nächsten Jahr ein Geldsegen. Nachdem die Bundesregierung das Unternehmen Ende 2023 mit einer Bürgschaft unterstützen musste, waren dem Vorstand um Christian Bruch für die Dauer dieser Staatshilfe die Boni gestrichen worden. Zwei Jahre lang erhielt das Management nur die Grundvergütung. Im vergangenen Sommer konnte das Unternehmen die Staatsgarantien früher als erwartet durch Bankbürgschaften ablösen, jetzt soll das Management üppig entschädigt werden, wie aus der Einladung zur diesjährigen Hauptversammlung für Ende Februar hervorgeht. So erhält Bruch für das Ende September 2025 abgelaufene Geschäftsjahr einen Sonderbonus für die Garantierückgabe – eine sogenannte Early-Exit-Komponente – von drei Millionen Euro. Da er zudem ein Festgehalt von 2,1 Millionen Euro und Aktienzuteilungen aus der Zeit vor der Staatshilfe in Höhe von knapp 1,5 Millionen Euro erhält, beläuft sich Bruchs gesamtes Gehalt auf 6,6 Millionen Euro. Die übrigen Vorstände erhalten "Early-Exit"-Prämien von jeweils zwei Millionen Euro. Damit dürfte Bruch – gemessen an den Gehältern des vorherigen Geschäftsjahres – im oberen Drittel der 40 Dax-Vorstandschefs landen. Im Jahr zuvor hatte er wegen der Bonus-Sperre lediglich 2,1 Millionen Euro verdient, andere Vorstandsmitglieder verdienten teils unter einer Million Euro. Bestverdiener im Dax war 2024 SAP-Chef Christian Klein mit rund 19 Millionen Euro. Noch deutlich üppiger könnte das Salär des Siemens-Energy-Chefs allerdings für das laufende Geschäftsjahr ausfallen, das Anfang 2027 offengelegt wird. Das Unternehmen hat für das Jahr eins nach der Bonus-Sperre die Obergrenze für das Chefgehalt einmalig von 9,95 Millionen Euro auf 400 Prozent des Maximalgehalts angehoben, das wären demnach knapp 40 Millionen Euro. Ein Sprecher des Unternehmens betont, es handele sich um einen theoretischen Höchstwert, der sich unter anderem an einer außergewöhnlichen zusätzlichen Ergebnis- und Aktienkursentwicklung des Unternehmens orientiere, in der Vergangenheit sei der – niedrigere – Maximalwert nie erreicht worden. Die Vergütung setzt sich aus festen und variablen, also erfolgsabhängigen Bestandteilen zusammen, die wiederum zu einem großen Teil in Aktien vergeben werden. Allein eine sogenannte Retention-Komponente, welche die Vorstandsmitglieder dafür erhalten, dass sie trotz des vorherigen, freiwilligen Bonusverzichts im Unternehmen geblieben und nicht zur besser zahlenden Konkurrenz gewechselt sind, soll sich auf mehrere Millionen Euro belaufen. Würde Bruch tatsächlich annähernd auf ein 40-Millionen-Gehalt kommen, wäre die höchste Vergütung, die je ein Dax-Chef in Deutschland erhalten hat. Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte 2008 mehr als 100 Millionen Euro verdient, Porsche notierte jedoch nicht im Dax. Die Siemens-Energy-Aktionäre hatten diesen Regelungen bereits bei der Hauptversammlung vor einem Jahr zugestimmt, wegen der Rückgabe der Staatsgarantie greifen sie nun früher als gedacht. "Wir halten die Sonderzahlungen grundsätzlich für vertretbar, da der Aufsichtsrat sicherstellen musste, dass der Vorstand in der Phase der Sanierung an Bord bleibt", sagt ein Aktionärsvertreter. Die Boni seien in den Verhandlungen über die Staatshilfe auch mit der Regierung abgestimmt gewesen. Allerdings sei die mögliche Maximalvergütung schwer vermittelbar, auch wenn das Management um Bruch einen sehr guten Job gemacht habe. Zu berücksichtigen sei, dass der aktuelle Vorstand dem Unternehmen die schwierige Lage im Herbst 2023 nicht eingebrockt habe, so der Fondsmanager weiter. Der Mutterkonzern Siemens habe die Energiesparte bei der Abspaltung im September 2022 nicht ausreichend mit Kapital ausgestattet. Siemens wurde damals pikanterweise von Joe Kaeser geleitet, der heute Aufsichtsratschef von Siemens Energy ist und damit hauptverantwortlich für die Vergütung des Vorstands. Siemens Energy war nach der Abspaltung, wegen teils hausgemachter, teils marktbedingter Probleme in der Windkraftsparte in eine existenzielle Krise geraten. Zwar fehlte es nie an Cash, weil das Geschäft mit Gasturbinen und Stromnetzen extrem gut lief. Doch diese Kombination führte zu anderen Problemen: Bei großen Projekten wie dem Bau von Kraftwerken oder Stromnetzen, müssen Anbieter wie Siemens Energy Garantien abgeben, dass sie diese über Jahre laufenden Projekte auch tatsächlich zu Ende bringen. Diese Garantien werden normalerweise mit Kreditlinien von Banken über etliche Milliarden abgesichert. Wegen der hohen Verluste im Windgeschäft wollten die Banken diese Kreditlinien nicht mehr bereitstellen. Deshalb sprang der Bund im Winter 2023/24 mit einer Bürgschaft über 7,5 Milliarden Euro ein. Seitdem ist es dem Vorstand gelungen, das Windgeschäft zu stabilisieren, die anderen Sparten boomten dank der hohen weltweiten Nachfrage nach Gaskraftwerken und Stromnetzen weiter, der Aktienkurs ist von unter zehn auf bis zu 130 Euro gestiegen. Im Juni vergangenen Jahres löste Siemens die Staatsbürgschaft durch ein Bankenkonsortium ab. Siemens Energy erklärt die hohen Boni nach der Ablösung der Bundesbürgschaft auch damit, dass diese jährlich Gebühren in Höhe eines dreistelligen Millionen-Euro-Betrages gekostet habe, die das Unternehmen sich nun erspare. Auch der Aufsichtsrat um Joe Kaeser will sich bei der anstehenden Hauptversammlung Ende Februar höhere Gehälter genehmigen lassen. So soll die feste Vergütung für den Aufsichtsratsvorsitzenden von 240.000 Euro auf 400.000 Euro angehoben werden, hinzu kommen Gelder für die Arbeit in verschiedenen Ausschüssen des Kontrollgremiums. Dieser Aufstockung muss die Hauptversammlung am 26. Februar in Berlin noch zustimmen. Die Aktionäre werden dann auch mit einer weiteren Änderung des Vergütungssystems konfrontiert. Bislang wurde die Leistung des Managements unter anderem am Erreichen verschiedener Ziele mit Blick auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) gemessen. Dazu zählte unter anderem die Vorgabe, möglichst viele Frauen in Führungspositionen zu bringen. Dieses Ziel hat Siemens Energy nun "zur Vermeidung erheblicher Risiken für die Geschäftstätigkeit von Siemens Energy in den USA" aus den Vergütungsbedingungen gestrichen. Donald Trump hatte zu Beginn seiner Präsidentschaft ein Dekret erlassen, dass sich gegen Regelungen zu größerer Diversität in Unternehmen richtet. "Diversität ist ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Unternehmensführung und ein wesentlicher Faktor für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg", sagt Ingo Speich, Nachhaltigkeitschef bei der Fondsgesellschaft Deka. Die Entscheidung von Siemens Energy, die Kennzahl ›Frauen in Top-Führungspositionen‹ aus den ESG-Zielen zu streichen, sei "ein Rückschritt, allerdings auch ein Ergebnis des rechtlichen Drucks in den USA". Es sei davon auszugehen, "dass weitere Unternehmen in der anstehenden Hauptversammlungssaison dem folgen".