Datum17.01.2026 05:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer öffentliche Nahverkehr in Thüringen steht vor erheblichen Herausforderungen, darunter Fachkräftemangel, steigende Kosten und eine unzureichende Finanzierung. Tilman Wagenknecht, Geschäftsführer des Verbands „Bus & Bahn Thüringen“, warnt vor möglichen Angebotskürzungen ohne politische Unterstützung. Die Investitionshilfen des Landes sollen von 21 Millionen Euro auf rund 60 Millionen Euro steigen, doch die finanzielle Belastung tragen vor allem die Landkreise. Insbesondere ländliche Verbindungen sind von den Problemen betroffen, was dem Fahrgastverband „Pro Bahn“ Sorgen bereitet.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Verkehr“. Lesen Sie jetzt „Bus-Angebot in Thüringen steht vor Herausforderungen“. Der öffentliche Nahverkehr mit Bussen steht in Thüringen vor großen Herausforderungen. Angesichts der immer schwierigeren finanziellen Situation seien in Zukunft Abstriche beim Angebot zu befürchten, erklärt Tilman Wagenknecht, Geschäftsführer im Verband "Bus & Bahn Thüringen". Dem Verband gehören 14 Bus- und Bahnunternehmen sowie Institutionen im Freistaat an. Ohne ein klares politisches Bekenntnis zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) seien die aktuellen Probleme nicht lösbar, so Wagenknecht. Aktuell leide die Branche einerseits unter Fachkräftemangel, was durch eine in den kommenden Jahren anstehende Pensionierungswelle weiter verschärft werde, heißt es etwa vom Verkehrsministerium. Auch die Kosten für Energie und die von der EU forcierte Umstellung auf Elektro-Antriebe trügen zu höheren Kosten bei. Hinzu kämen lange Liefer- und Wartezeiten bei der Beschaffung neuer Fahrzeuge. Der Verband "Bus & Bahn Thüringen" nennt zusätzlich unter anderem Lohnkosten sowie Ausgaben für Barrierefreiheit und Digitalisierung als Grund für steigende Ausgaben. Zudem leide das Image des Bus-Angebots unter durch unzuverlässige Bahnverbindungen verursachte Verspätungen. Das Verkehrsministerium betont, dass die Investitionshilfen des Landes etwa für Fahrzeuge und Betriebshöfe, von 21 Millionen Euro im Jahr 2025 bis 2027 auf rund 60 Millionen Euro steigen sollen. Zur Einordnung: Einem Gutachten des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge lag der Anteil der öffentlichen Finanzierung bei den Gesamtaufwendungen für den Thüringer ÖPNV im Jahr 2024 allerdings bei rund 610 Millionen Euro. Aus den Fahrscheineinnahmen wurden demnach zudem rund 200 Millionen Euro erwirtschaftet. "Die Mehrkosten im ÖPNV tragen die Landkreise und Orte allein", fasst Wagenknecht zusammen. Indes lasse der steuerliche Querverbund nach, bei dem andere kommunale Gesellschaften wie etwa Stadtwerke den ÖPNV mitsubventionieren. Auch Stadtwerke müssten künftig anders investieren, so Wagenknecht. Manchmal fehle dort auch schlicht das Geld. Mehrere angefragte Stadtwerke wollten sich zu diesem Thema nicht äußern. Zudem, führt Wagenknecht weiter aus, seien die Erlöse aus dem Fahrkartenverkauf durch das Deutschlandticket weitgehend gedeckelt. Sofern die Finanzierung nicht langfristig gesichert werde, seien Abstriche im Angebot eine mögliche Folge. Dieses Szenario macht auch dem Fahrgastverband "Pro Bahn" Sorgen. Von Kürzungen seien in der Regel vor allem Verbindungen im ländlichen Raum betroffen, wo das Angebot an vielen Stellen ohnehin schon unzureichend sei und eigentlich ausgebaut werden müsse, erklärt der Vorsitzende Olaf Behr. "Das Letzte, was wir dort brauchen können, sind weitere Kürzungen." Dem VDV zufolge seien "planbare und zusätzliche Mittel" unumgänglich, um den ÖPNV in Thüringen sicher und zukunftsfähig zu machen. Nötig sei dafür eine gemeinsame Anstrengung von Land, Bund, Kommunen und Verkehrsunternehmen. Laut VDV wurden 2024 vom ÖPNV in Thüringen 97 Millionen Nutzfahrzeugkilometer zurückgelegt. Dabei entfielen rund 71 Prozent auf die Sparte Bus, 20 Prozent auf die Schiene und 9 Prozent auf die Sparte "Tram". © dpa-infocom, dpa:260117-930-557248/1