Paracetamol in der Schwangerschaft erhöht nicht das Risiko für neuronale Entwicklungsstörungen

Datum17.01.2026 01:21

Quellewww.spiegel.de

TLDREine große Studie im Fachblatt "Lancet" zeigt, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft nicht das Risiko für Autismus, ADHS oder intellektuelle Beeinträchtigungen des Kindes erhöht, entgegen der Behauptung von US-Präsident Trump. Die britischen Forscher analysierten 43 bereits veröffentlichte Arbeiten und bestätigten die Sicherheit des Medikaments. Trotz dieser Ergebnisse warnen Wissenschaftler vor den möglichen negativen Auswirkungen falscher Informationen auf das Vertrauen in medizinische Empfehlungen und fordern eine verantwortungsvolle Medikamentenanwendung in der Schwangerschaft.

InhaltUS-Präsident Trump behauptet: Wer in der Schwangerschaft Paracetamol einnehme, könne das Risiko für Autismus und ADHS beim Kind erhöhen. Belege hat er nicht. Eine große Studie zeigt nun: Es gibt keinen Zusammenhang. Es ist eine der Behauptungen des US-Präsidenten Donald Trump: Die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft werde mit Autismus in Verbindung gebracht. Eine der Behauptungen, die Fachleute von vornherein als falsch deklarierten. Nun zeigt eine große Meta-Analyse im renommierten Fachblatt "Lancet  ": Wer in der Schwangerschaft Paracetamol einnimmt, erhöht tatsächlich nicht das Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS oder intellektuelle Beeinträchtigungen für sein Kind. Für die Studie haben Forschende unter der Leitung der University of London 43 bereits veröffentlichte Arbeiten systematisch analysiert. Sie werteten die Chancen aus, mit denen Kinder eine der Krankheiten entwickelten, wenn die Mutter kein Paracetamol in der Schwangerschaft genommen hat, im Vergleich dazu, wenn sie es genommen hat. So gingen sie der Frage nach, ob die Einnahme sicher ist oder nicht. Besonders konzentrierte sich die Gruppe dabei auf Ergebnisse von Studien, in denen eine Mutter bei einem Geschwisterkind Paracetamol eingenommen hatte und bei einem nicht. Durch die Methode können andere Faktoren, etwa genetische Faktoren, weitgehend ausgeschlossen werden. Das Ergebnis: Das Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS oder intellektuelle Beeinträchtigungen ist durch die Einnahme von Paracetamol nicht signifikant erhöht. Fachleute, die nicht an der Studie beteiligt waren, sehen in den Ergebnissen eine Bestätigung für die bestehenden Empfehlungen zur Sicherheit des Medikaments. Paracetamol ist eines der weltweit am häufigsten verwendeten Schmerz- und Fiebermittel. Es gilt als Mittel der Wahl zur Schmerzlinderung und Fiebersenkung in der Schwangerschaft, wenn es medizinisch notwendig ist. (Mehr dazu lesen Sie hier  .) Wie bei jeder Medikamentenanwendung in der Schwangerschaft sollte die Anwendung trotzdem "unter strenger Indikationsstellung so kurz und moderat dosiert wie möglich erfolgen", sagt Wolfgang Paulus, Oberarzt und Leiter der Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie an der Universitätsfrauenklinik Ulm. Den Impuls zu dieser Übersichtsarbeit setzte dem Team zufolge die wachsende Sorge in der Öffentlichkeit, die Einnahme des Medikaments könnte tatsächlich Auswirkungen auf das Ungeborene haben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mahnen: Aussagen wie jene von Trump könnten zu Verunsicherung führen. "Selbst nach einer Korrektur kann eine Falschbehauptung im Hinterkopf nachwirken und Verhalten beeinflussen", sagte Anne Reinhardt vom Lehrstuhl für Gesundheitskommunikation der Ludwig-Maximilians-Universität München. Kurzfristig könnten Schwangere medizinische Empfehlungen infrage stellen oder Schmerzen und Fieber aus Sorge nicht ausreichend behandeln. "Langfristig gesehen können sich solche Narrative dann festsetzen und das Vertrauen in Medizin und Wissenschaft untergraben – selbst, wenn die Datenlage dagegenspricht."