Datum16.01.2026 17:44
Quellewww.spiegel.de
TLDRBerlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat nach Kritik von Geschichtslehrern beschlossen, dass die deutsche Teilung, die DDR und der Mauerfall weiterhin Teil des Geschichtsunterrichts in der gymnasialen Oberstufe bleiben. Ursprünglich konnten Abiturienten diese Themen abwählen, was als Fehler erachtet wurde. Nach einem Austausch wurden verbindliche Vorgaben zur Behandlung zentraler historischer Ereignisse festgelegt, um sicherzustellen, dass alle Schüler diese wichtigen Aspekte der Geschichte im Lehrplan behandeln.
InhaltDer offene Brief der Geschichtslehrer zeigt Wirkung: Berlins Bildungssenatorin nimmt die Kritik daran, dass Abiturienten den Geschichtsunterricht über die deutsche Teilung abwählen konnten, ernst – und rudert zurück. Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat sich nach Kontroversen über den Pflichtstoff im Geschichtsunterricht der gymnasialen Oberstufe eines Besseren belehren lassen. Die deutsche Teilung, DDR und Mauerfall stehen für alle Abiturientinnen und Abiturienten auch künftig fest im Lehrplan, wie die Senatsverwaltung für Bildung am Freitag mitteilte. "Berlin ist als ehemals geteilte Stadt in besonderer Weise mit der Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung verbunden", erklärte ein Sprecher. Die Vermittlung dieser historischen Zusammenhänge sei fester Bestandteil des Geschichtsunterrichts und werde auch weiterhin im neuen Rahmenlehrplan berücksichtigt. Günther-Wünsch reagierte damit auf einen offenen Brief, den der Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands, der Landesverband der Geschichtslehrer sowie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterzeichnet hatten. Sie kritisierten eine neue Verordnung , wonach sich Abiturientinnen und Abiturienten künftig nicht mehr zwingend mit der Geschichte der deutschen Teilung, der DDR und dem Mauerfall hätten auseinandersetzen müssen. Man halte die Entscheidung "für einen schwerwiegenden Fehler", hieß es in dem Brief. Günther-Wünsch hatte die besagten Themen zwar nicht vom Lehrplan gestrichen, die neue Verordnung sah jedoch vor, dass Schülerinnen und Schüler im dritten und vierten Kurshalbjahr nicht mehr unbedingt das Fach Geschichte belegen müssen. Im dritten Halbjahr stehen unter dem Oberbegriff "Zeitgeschichte ab 1945" unter anderem die Teilung Deutschlands und die Geschichte der DDR auf dem Lehrplan. Von der Senatsverwaltung für Bildung hieß es nun, die Senatorin habe sich nach einem fachlichen Austausch mit der Vorsitzenden des Berliner Landesverbands der Geschichtslehrerinnen und -lehrer auf eine Konkretisierung der Belegverpflichtung verständigt. Demnach gilt, "dass alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend die Kurshalbjahre Q2 (Weimarer Republik und Nationalsozialismus) sowie Q3 (Welt nach 1945) belegen". Damit bleibe die Behandlung zentraler Kapitel der deutschen Geschichte, einschließlich der Zeit nach 1945 und somit der deutschen Teilung , verbindlicher Bestandteil des Geschichtsunterrichts in der gymnasialen Oberstufe, hieß es. Konkret bedeutet dies den Angaben zufolge, dass im ersten Jahr der gymnasialen Oberstufe die Themen der Kurshalbjahre Q2 und Q3 behandelt werden. Im zweiten Jahr folgen die Inhalte der Kurshalbjahre Q1 (Umbrüche und Revolutionen) sowie Q4 (Erinnern und Gedenken). Die Verordnung über die gymnasiale Oberstufe werde entsprechend präzisiert, hieß es. In der Mittelstufe waren die deutsche Teilung, DDR und Mauerfall ohnehin Pflichtstoff an Berliner Schulen. Das bleiben sie auch weiterhin. Nach Einschätzung der Geschichtslehrerinnen und -lehrer reicht dies jedoch nicht aus. Bereits heute zeige sich, dass die Beschäftigung mit der DDR-Geschichte in der Sekundarstufe I häufig "zeitlich stark begrenzt ist und vielfach verkürzt stattfindet", kritisierten sie in ihrem Brief.