Datum16.01.2026 13:14
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, hat die Kaffeewette zur Unterstützung der Kältehilfe für Obdachlose verboten. Die Aktion, die von Einzelhändler Michael Lind 2019 ins Leben gerufen wurde, sammelte Kaffee als Spende und bot zusätzlich finanzielle Unterstützung für die Bezirke. Wegner äußerte Bedenken hinsichtlich möglicher Korruption, nachdem einige Bezirke alarmiert hatten. Bürgermeister und Unterstützer der Kaffeewette sind enttäuscht und kritisieren das Verbot als kaltherzig, während einige Bezirke dennoch Kaffeepakete sammeln möchten.
InhaltMit der sogenannten Kaffeewette wollen Berliner Bezirke Geld für die Kältehilfe für Obdachlose sammeln. In diesem Jahr aber wird das nichts. Bürgermeister Kai Wegner hat noch einen Weg gefunden, sich unbeliebt zu machen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Es ist ja nicht so, dass Berlin noch einen Wachmacher benötigt hätte. Ein Anschlag aufs Stromnetz unterbrach tagelang die Stromversorgung Zehntausender Haushalte. Dazu kam die Aufregung um den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, der Tennis spielte , während Zehntausende Bürgerinnen und Bürger in dunklen, ungeheizten Wohnungen saßen. Die Empörung war groß. Nun hat Wegners Staatskanzlei noch eine Möglichkeit ausgemacht, viele Berlinerinnen und Berliner gegen sich aufzubringen. Dabei geht es um Kaffeespenden für Obdachlose. Der Einzelhändler Michael Lind rief 2019 in Berlin-Neukölln die sogenannte Kaffeewette ins Leben. Das Prinzip dahinter ist simpel. Die Bezirke rufen die Berlinerinnen und Berliner dazu auf, Kaffeepäckchen zur Unterstützung lokaler Kältehilfeeinrichtungen zu spenden. Jeder Bezirk, der es schaffte, mindestens 500 solcher Päckchen zu sammeln, erhielt von Einzelhändler Lind und mehreren Partnern 2500 Euro zusätzlich für die Kältehilfe im jeweiligen Bezirk. Auch in diesem Jahr war die Aktion eigentlich vom 19. Januar bis 5. Februar 2026 geplant. Eigentlich. Denn Berlins Regierender Bürgermeister Wegner will die Aktion stoppen. "Die Senatskanzlei informierte die Berliner Bezirke darüber, dass nach der Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters der Verdacht auf Käuflichkeit oder Bestechlichkeit bestünde", teilt das Bezirksamt Neukölln mit. Darüber hatte zunächst der "Tagesspiegel" berichtet. Zuvor hatte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Berichten zufolge Bedenken zu der Aktion geäußert, es ging um die Form der Wette. Sogar die Stelle für Korruptionsbekämpfung bei der Generalstaatsanwaltschaft wurde eingeschaltet. Ermittelt wurde aber offenbar nicht. "Wie bei allen öffentlichen Aktionen schauen wir genau hin, wie die Kaffeewette umgesetzt werden kann. Daran arbeiten wir gerade – mit dem klaren Ziel, den positiven Kern der Idee zu bewahren", teilt Senatssprecherin Christine Richter mit. Eine Möglichkeit ist für die Senatskanzlei offenbar, dass die Behörden Spenden für Obdachlose entgegennehmen, ohne die Beteiligung von Unternehmen. Initiatoren und Unterstützer der Kaffeewette sind trotzdem erzürnt. Einzelhändler Lind wehrt sich gegen den Vorwurf, er mache mit der Kaffeewette Werbung für sich. "Ich mache das nicht und wollte das nie", sagte er laut "Berliner Morgenpost" . Er sei massiv enttäuscht von dem Verbot so kurz vor dem Start. Lind könne nicht nachvollziehen, warum sein ehrenamtliches Engagement in Zusammenhang mit Schleichwerbung und Vorteilsannahme gebracht werde, heißt es. Die Vorwürfe könne er so nicht stehen lassen, sagte Lind. Er mache für die Kaffeewette keine Werbung in seinen Supermärkten in Neukölln und Reinickendorf. "Ich brauche dafür kein Lob, das mache ich nicht für mich. Das mache ich für meine Heimat Berlin." Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) sprach von einem Schlag ins Gesicht für engagierte Unternehmen und Bürger, die ein Zeichen des Zusammenhalts hätten setzen wollen. "Es geht darum, dass die Kältehilfe gestärkt wird. Die sind der Star bei der Wette", sagte Hikel der RBB-Abendschau. Nach Angaben der Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) erklärten beteiligte Unternehmen als Wettpaten nunmehr ihren Rückzug aus der Kaffeewette. Hikel und Demirbüken-Wegner kritisieren die Haltung der Senatskanzlei als kaltherzig. Sie wollen in ihren Bezirken an der Kaffeesammlung festhalten. Auch in Tempelhof-Schöneberg und Lichtenberg will man weiter Kaffeepakete sammeln. In der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters Wegner bemüht man sich derweil um Schadensbegrenzung. "Die Kaffeewette ist eine schöne Idee für die wichtige Arbeit der Kältehilfe in unserer Stadt. Sie steht für das, was Berlin ausmacht: Offenheit, Begegnung und Zusammenhalt", sagte Senatssprecherin Richter. "Der Regierende Bürgermeister findet diesen Ansatz ausdrücklich gut." So gut, dass er ihn verbietet.