Mullah-Regime: "Dieses System muss man zweimal stürzen"

Datum16.01.2026 07:21

Quellewww.zeit.de

TLDRDie aktuellen Proteste im Iran sind massiver und richtiger gegen das Mullah-Regime selbst, im Gegensatz zu früheren Demonstrationen, die sich gegen Korruption oder gewaltsame Todesfälle richteten. Trotz brutaler Repression bleibt der Wille nach Veränderung stark. Azadeh Zamirirad analysiert in einem Gespräch die breitere Unterstützung der Protestbewegung und die Rolle von Staatspräsident Ali Chamenei und den Revolutionsgarden für die Stabilität des Regimes. Die Diskussion beleuchtet die komplexe Lage und mögliche zukünftige Entwicklungen im Iran.

InhaltDie aktuellen Proteste im Iran sind andere und massiver als zuvor. Steht das Mullah-Regime so kurz vor seinem Ende, wie viele glauben? Nicht das erste Mal gehen im Iran Hunderttausende Menschen auf die Straßen, um gegen die Führung der radikalislamischen Republik zu protestieren. Doch die aktuelle Protestbewegung unterscheidet sich von früheren in einem entscheidenden Punkt: Anders als 2019 oder 2022 klagen die Demonstranten nicht Misswirtschaft und Korruption oder den gewaltsamen Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam an – die Proteste richten sich gegen das Regime selbst. Und obwohl die Machthaber mit äußerster Brutalität gegen ihre Kritiker vorgehen, ist bereits klar: Der Wille nach radikaler Veränderung lässt sich nicht totprügeln. Selbst wenn die Proteste niedergeschlagen werden, wirkt er weiter – und verändert das Land.  In der neuen Ausgabe von Das Politikteil sprechen Ileana Grabitz und Peter Dausend mit Azadeh Zamirirad von der Stiftung Wissenschaft und Politik über die aktuelle Entwicklung im Iran – und deren langfristige Folgen. Zamirirad beschreibt, warum die jüngsten Proteste breitere Bevölkerungsgruppen umfassen und wieso die Angst vor der Gnadenlosigkeit des Regimes ihre lähmende Wirkung verliert – und das, obwohl die staatlichen Gewaltexzesse mehr Menschen treffen als je zuvor. Sie geht der Frage nach, ob der Iran gerade einen "Jetzt-oder-nie-Moment" erlebt, analysiert, welche Rolle der 86-jährige, durch Krankheiten geschwächte Staatspräsident Ali Chamenei noch spielt, und erläutert, warum dessen Sturz noch lange nicht das Ende des Regimes bedeuten würde. Die Iranexpertin beleuchtet zudem die überragende Bedeutung der Revolutionsgarden für die Stabilität des Gottesstaates, setzt sich mit der Rolle des Schah-Sohnes Reza Pahlavi innerhalb der Opposition auseinander, deutet aus, welche Motivation hinter Trumps Drohungen mit Militärschlägen steckt – und beschreibt, was der Westen gern übersieht: dass es Millionen Menschen gibt, die das System unterstützen.  Azadeh Zamirirad wurde im Iran geboren, hat in Potsdam Politikwissenschaft und Amerikanistik studiert, ist promoviert, war unter anderem als Redakteurin der Fachzeitschrift WeltTrends und als Lehrbeauftragte für Internationale und Vergleichende Politik an der Uni Potsdam tätig. Sie arbeitet seit 2015 für die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin – und leitet dort seit 2024 die Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten. Der Iran und die Atomverhandlungen sind dabei ihr Forschungsschwerpunkt. Im Podcast Das Politikteil sprechen wir jede Woche über das, was die Politik beschäftigt, erklären die Hintergründe, diskutieren die Zusammenhänge. Immer freitags, mit zwei Moderatoren, einem Gast – und einem Geräusch. Neben Peter Dausend und Ileana Grabitz sind auch Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing als Gastgeber zu hören.  Und am 27. Januar 2026 gibt es dann erneut etwas Besonders: Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing sprechen dann in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin mit dem Pianisten Igor Levit über das Thema Heimat. Es gibt noch wenige Karten, und zwar hier.