Ukraine: Wolodymyr Selenskyj fordert höhere Stromimporte nach russischen Angriffen

Datum16.01.2026 02:18

Quellewww.spiegel.de

TLDRUkrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert schnelle Lösungen zur Erhöhung von Stromimporten aufgrund der russischen Angriffe auf Energieanlagen. Bei winterlichen Temperaturen sind viele Ukrainer ohne Strom und Heizung. Selenskyj kündigte tägliche Beratungen mit Regierungsmitgliedern an und betonte die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden und Energieunternehmen. Angesichts massiver Angriffe auf kritische Infrastrukturen in Städten wie Charkiw und Kyjiw plant Selenskyj auch Gespräche mit Verbündeten zur Stärkung der Flugabwehr.

InhaltBei zweistelligen Minustemperaturen müssen viele Ukrainer wegen russischer Angriffe ohne Strom und Fernwärme auskommen. Präsident Selenskyj verlangt von seiner Regierung schnelle Lösungen. Vor dem Hintergrund neuer russischer Attacken auf Energieanlagen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vom Ministerkabinett Lösungen innerhalb eines Tages gefordert. "Vor allem damit der Import von Strom und aller Möglichkeiten für die Reserveversorgung erhöht wird", sagte der Staatschef in seiner abendlichen Videobotschaft. Dafür sei auch eine stärkere Kooperation zwischen den örtlichen Regierungsorganen und den Energieunternehmen notwendig. Er kündigte tägliche Beratungen mit Regierungsmitgliedern und regionalen Verantwortlichen zur Lage im Energiesektor an. Gesondert habe es zudem eine Beratung mit Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow und dem Chef der Luftstreitkräfte Anatolij Krywonoschko zum Schutz der Energieanlagen gegeben. "Heute gab es erneut heftige Raketenschläge auf Charkiw, eben auf die kritische Infrastruktur. Drohnen flogen heute früh und jetzt am Abend auf Kyjiw", stellte Selenskyj fest. Nach massiven russischen Angriffen auf Kyjiw am vergangenen Freitag waren rund 400 Wohnblöcke der ukrainischen Hauptstadt mehrere Tage ohne Heizung, wie der Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte. "Die Situation in Kyjiw ist sehr schwierig", erklärte er in Onlinenetzwerken. Die Einwohner hätten "derzeit etwa drei Stunden Strom und bis zu zehn Stunden – oder mancherorts sogar mehr – keinen". Schwer sei die Lage auch im Grenzgebiet zu Russland und den Gebieten Dnipropetrowsk und Odessa. Er kündigte neue Gespräche mit Verbündeten an, um eine Stärkung der Flugabwehr zu erreichen. Dabei habe er bereits mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte über den Kauf von Raketen für Flugabwehrsysteme gesprochen. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion. Seit dem Herbst hat das russische Militär seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen intensiviert. Das osteuropäische Land kann dabei nach Angaben des staatlichen Stromnetzbetreibers Ukrenerho bis zu 2450 Megawatt zur Deckung seines Defizits Strom aus den EU-Nachbarstaaten Polen, Rumänien, Slowakei und Ungarn importieren.