NBA in Berlin: Hier funktioniert die deutsch-amerikanische Freundschaft noch

Datum16.01.2026 00:19

Quellewww.zeit.de

TLDRDie NBA feierte ein Heimspiel in Berlin mit 13.738 Zuschauern, die vor allem Franz und Moritz Wagner anfeuerten. In einem spannenden Spiel besiegten die Orlando Magic die Memphis Grizzlies 118:111. Das Event war Teil einer Werbeoffensive der NBA, die eine europäische Liga plant. Moritz Wagner kehrte nach langer Verletzung in die NBA zurück, während Franz Wagner sich ebenfalls von einer Verletzung erholte. Die Atmosphäre war von deutscher-amerikanischer Freundschaft geprägt, mit zahlreichen Ehrungen für Basketball-Legenden.

InhaltEin Heimspiel 8.000 Kilometer von zu Hause: Die US-Profiliga NBA feiert in Berlin die Basketballbrüder Franz und Moritz Wagner – vor allem aber ihr eigenes Produkt. "Den ganzen Abend gibt es free stuff!", schreit der Hallensprecher schon wieder. "Wir wollen eure energy spüren, Berlin!" Die Zuschauer recken ihre Arme in die Höhe, Cheerleader schleudern T-Shirts ins Publikum, das Zauberdrachen-Maskottchen der Orlando Magic kuschelt mit Kindern, ein Fan gewinnt bei einem kleinen Spielchen 5.000 Dollar. Kurz zuvor haben alle andächtig der US-Nationalhymne gelauscht, gepfiffen hat niemand, hier funktioniert sie noch, die deutsch-amerikanische Freundschaft. Die National Basketball Association (NBA) gastiert an diesem Donnerstagabend in Berlin, die US-Profiliga hat gute Laune und Glitter im Gepäck. Wirklich kostenlos ist der ganze stuff natürlich nicht, die knapp 13.738 Zuschauer in der schon vor Monaten ausverkauften Uber-Arena haben sehr viel Geld für die Show bezahlt. Dafür bekommen sie ein professionell choreografiertes Spektakel geboten – und ein erst zähes und dann spannendes Spiel, das am Ende die Orlando Magic gegen die Memphis Grizzlies 118:111 gewinnen. Die meisten Zuschauer sind gekommen, um Franz und Moritz Wagner zu sehen, die berühmtesten Basketballsöhne Berlins – es ist ein Heimspiel für die Brüder, knapp 8.000 Kilometer von Orlando entfernt. Als Franz Wagner bei der Vorstellung der Teams auf das frisch verlegte Parkett mit dem riesigen Fernsehturm-Aufdruck sprintet, wird es das erste Mal ohrenbetäubend laut. Wagner bekommt ein Mikrofon in die Hand gedrückt und ruft: "Eine Bitte hab‘ ich an euch: Lasst es richtig krachen heute." Das Publikum ist dazu durchaus gewillt, zunächst will der Funke aber nicht wirklich überspringen, vor allem das Team aus Florida wirkt unkonzentriert und müde. Das kann an dem PR-Marathon liegen, den die Magic rund um das Spiel absolviert haben. Die NBA ist in Sachen Eigenwerbung unterwegs, sie will schnellstmöglich eine europäische Liga nach US-Vorbild ins Leben rufen. Auch deshalb waren insbesondere die Wagner-Brüder nahezu rund um die Uhr im Einsatz, seit sie am Montagvormittag in Berlin gelandet waren: Fototermine, Pressekonferenzen, Autogrammstunden. Die beiden hatten dabei immer wieder betont, wie surreal es sich anfühle, dass sich für sie an diesem Abend mit der Rückkehr aus ihrer Wahlheimat in ihre Geburtsstadt ein Kreis schließe. Auch sportlich wird ihnen viel abverlangt, schließlich sind beide gerade erst rechtzeitig fit geworden: Moritz hatte sich vor mehr als einem Jahr das Kreuzband im linken Knie gerissen und erst am vergangenen Sonntag nach 386 Tagen sein NBA-Comeback gegeben. Franz hatte sich Anfang Dezember verletzt, ein verstauchtes linkes Sprunggelenk setzte ihn fast sechs Wochen außer Gefecht. Ob es die Müdigkeit ist, das Gefühlschaos angesichts des homecoming games oder der lädierte Knöchel: Franz Wagner braucht lange, um in die Partie zu finden, am Ende kämpft er sich doch noch zu 18 Punkten und entscheidet in der Schlussphase das Spiel, sein älterer Bruder Moritz erzielt sieben Zähler. Fast wichtiger an diesem Abend ist aber das, was rund um das Spielfeld passiert: Die Zuschauer bejubeln die deutschen Basketball-Legenden Detlef Schrempf und Dirk Nowitzki und viele internationale NBA-Ehemalige, singen gemeinsam "Country Roads", freuen sich über ehemalige Fußball-Nationalspieler und halbberühmte Rapper, die auf dem riesigen Videowürfel gezeigt werden. "Die ganze Aufmerksamkeit, die wir hier bekommen haben – ich weiß gar nicht, ob das gesund ist", sagt Moritz Wagner nach dem Spiel. "Ich bin ja selber Fan und realisiere erst später, dass ich jetzt Teil von der Sache bin." Die NBA mache "ein Sport-Entertainment-Produkt", hat der Liga-Chef Adam Silver vor dem Spiel gesagt. Seit Deutschland Welt- und Europameister ist und immer mehr junge Profis in die NBA schickt, scheint dieses Paket sich noch besser zu verkaufen. Silver spricht von einer "goldenen Ära" des deutschen Basketballs. Dass er die für seinen Arbeitgeber gerne versilbern möchte, muss er nicht hinzufügen. Vor dem Heimweg stoppen dann auch viele Fans noch bei einem der NBA-Shops in der Arena.