Datum15.01.2026 21:36
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Klaus Josef Lutz, den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des BayWa-Konzerns, wegen Untreueverdachts. Die Ermittlungen sind Teil einer umfassenden Sanierung des Unternehmens, das seit 2024 in Schieflage ist. Lutz, bis 2023 an der Spitze, wird beschuldigt, die finanziellen Risiken des hoch verschuldeten Unternehmens geschönt zu haben. Der Konzern plant, bis Ende 2028 vier Milliarden Euro an Krediten abzubauen, vornehmlich durch den Verkauf von Auslandstöchtern. BayWa kooperiert mit der Staatsanwaltschaft.
InhaltDer BayWa-Konzern steckt seit 2024 in einer umfassenden Sanierung. Nun haben Staatsanwälte die Privaträume des früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz durchsucht – einen der einflussreichsten Wirtschaftsfunktionäre Bayerns. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat bei ihren Ermittlungen rund um die Schieflage des Mischkonzerns BayWa einen der prominentesten bayerischen Wirtschaftsfunktionäre ins Visier genommen: Wegen Untreueverdachts wird gegen den früheren langjährigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz ermittelt, wie ein Sprecher der Ermittlungsbehörde bestätigt. Lutz ist Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) und der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern. Zuvor hatten die "Süddeutsche Zeitung" und der "Münchner Merkur" berichtet, dass die Staatsanwaltschaft die Privaträume des Beschuldigten durchsuchte. Welche Vorwürfe konkret geprüft werden und gegen wie viele Personen sich das Verfahren richtet, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit. Nach Angaben der IHK lässt sich Lutz aufgrund der mit dem Verfahren verbundenen "zeitlichen Inanspruchnahme" vorerst in seinen Funktionen vertreten. Der Manager habe die Kammer am Vortag über die Ermittlungen informiert. Es gilt die Unschuldsvermutung. Lutz stand von 2008 bis Frühjahr 2023 an der Spitze des Konzerns und wechselte anschließend in den Aufsichtsrat, den er Anfang 2024 verließ. Den Jahresabschluss 2023 hatte er nicht unterzeichnet. Bisher hat Lutz jede Verantwortung für die BayWa-Krise zurückgewiesen. Bisher war bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen die Vorstände ermittelt, die für den BayWa-Jahresabschluss 2023 verantwortlich waren. Das hatte Aufsichtsratschef Gregor Scheller publik gemacht. Soweit bekannt, geht es dabei vor allem um den Verdacht, dass die damalige Konzernspitze die Risiken des hoch verschuldeten Unternehmens geschönt habe. Die BayWa betonte, dass sie mit der Staatsanwaltschaft kooperiere. Der Konzern war im Sommer 2024 in Schieflage geraten und ist derzeit einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. Ein maßgeblicher Auslöser waren die hohen Zinszahlungen für 5,4 Milliarden Euro an Bankkrediten, die das Unternehmen im Zuge einer von Lutz gesteuerten internationalen Expansion in den Zehnerjahren aufgetürmt hatte. Der Sanierungsplan der jetzigen Vorstandsriege sieht vor, bis Ende 2028 vier Milliarden Euro Kredite abzuzahlen. Dafür sollen rund zwei Drittel der früheren BayWa-Geschäfte verkauft werden. Im Wesentlichen sind das die Auslandstöchter, die der Konzern unter Lutz’ Regie auf Kredit gekauft hatte. Wichtigster Geschäftszweig der BayWa ist der Agrarhandel. Das Unternehmen spielt vor allem im Süden und im Osten Deutschlands eine wichtige Rolle für die Landwirte: Die BayWa kauft einerseits Getreideernten und andere Erzeugnisse an und beliefert die Bauern andererseits mit Saatgut, Dünger, Landmaschinen und anderem Bedarf. Mit einem selbstgewissen Vorstandschef stieg die BayWa zu einem globalen Handelskonzern auf. Wie der Agrarkonzern in die größte Krise seiner Geschichte geriet, lesen Sie hier .