Datum20.10.2025 18:10
Quellewww.spiegel.de
TLDRBundeskanzler Friedrich Merz erklärt die AfD zum Hauptgegner und verfolgt eine zweigleisige Strategie, indem er auch populistische Töne anschlägt. Gleichzeitig erschüttert ein spektakulärer Einbruch im Louvre, bei dem Juwelen gestohlen wurden, die französische Nation. Sicherheitsmängel wurden vorher festgestellt, und die Täter könnten die Beute unbrauchbar machen. In Brandenburg durchkämmt die Polizei ein Grundstück im Zusammenhang mit dem Vermisstenfall Rebecca Reusch, deren Verschwinden seit 2019 ungeklärt bleibt.
InhaltNeue Details über den Jahrhundertdiebstahl im Louvre kommen ans Licht. Bundeskanzler Merz erklärt die AfD zum Hauptgegner. Und in Brandenburg durchsucht die Polizei ein Grundstück. Das ist die Lage am Montagabend. Die drei Fragezeichen heute: Bundeskanzler Friedrich Merz hat die AfD heute im Anschluss an eine Klausur des CDU-Präsidiums zum politischen Hauptgegner erklärt; er will die Rechtsextremen bekämpfen wie zuvor die Grünen. Zugleich setzt er selbst auf populistische Töne. Mein Kollege Timo Lehmann spricht von einer "Art Doppelstrategie, man könnte sie auch Schlingerkurs nennen". Einerseits will er noch härter gegen die AfD austeilen. Andererseits setzt er selbst den ein oder anderen rechtspopulistischen Ton, offenbar mit dem Ziel, der AfD-Wählerschaft zu imponieren (Mehr dazu hier ). So wie letzte Woche, als er meinte, die Probleme der deutschen Migrationspolitik am "Stadtbild" festmachen zu können . Heute legte er nach: "Fragen Sie Ihre Kinder, fragen Sie Ihre Töchter, fragen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis herum: Alle bestätigen, dass das ein Problem ist – spätestens mit Einbruch der Dunkelheit." Wer seine Töchter frage, werde vermutlich "eine ziemlich klare und deutliche Antwort" bekommen, was er mit seinem "Stadtbild"-Satz gemeint habe, so der Kanzler. Mein Kollege Jonah Lemm hat gerade das Dorf Niedereimer besucht, in dem Kanzler Merz mit seiner Frau lebt. Jonah hat die Leute auf der Straße gefragt, was sie am Stadtbild stört. Ihre Antworten: Geschlossene Kneipen, Laub auf der Straße, eine öffentliche Toilette. Ich will das eine nicht gegen das andere ausspielen, aber vielleicht sollte Merz bei der nächsten Pressekonferenz auch mal über diese Themen sprechen. Manchmal ist die Realität irrer als jeder Film. Wenn etwa ein paar Diebe an einem Sonntagmorgen in den weltberühmten Pariser Louvre einbrechen, um unschätzbar wertvolle Juwelen zu stehlen, dann klingt das eher nach einer Fortsetzung der Gaunerkomödie "Ocean's Eleven" mit George Clooney. Genau das ist aber gestern wirklich passiert, von einem Jahrhundertcoup ist schon jetzt die Rede. Die Täter sind auf der Flucht; wie inzwischen herauskam, sind ihnen bei der Aktion allerdings mehrere Fehler unterlaufen. Unter anderem ließ einer von ihnen eine gelbe Warnweste liegen. Und wie heute bekannt wurde, ist der Louvre zwar vielleicht das berühmteste, aber nicht das bestgeschützte Museum: Offenbar hat der französische Rechnungshof in einem noch unveröffentlichten Bericht eklatante Sicherheitslücken im Louvre festgestellt. Im Denon-Flügel des Museums etwa, in dem sich die Apollon-Galerie mit dem königlichen Schmuck befindet, sei ein Drittel aller Säle nicht mit Überwachungskameras ausgestattet. Personal und Gewerkschaften hatten diese Schwachstellen schon vor Monaten beklagt. Frankreich sei über den Einbruch nicht nur entsetzt, schreibt meine Kollegin Britta Sandberg, die aus Paris berichtet. "Er erschüttert eine ohnehin in ihrer Identität gerade angeschlagene Nation." Nach einer nicht enden wollenden Regierungskrise, nach vier Premierminister-Ernennungen in einem Jahr, sei das "das eine Drama zu viel". Gut möglich, dass die Schmuckstücke (lesen Sie hier mehr über die Kronjuwelen) nie wieder auftauchen, selbst wenn die Täter gefasst werden. Im Original sind sie eindeutig identifizierbar und deshalb unverkäuflich. Experten gehen davon aus, dass sie in Hunderte Teile zerlegt, die Diamanten und Edelsteine zersägt und die Metalle eingeschmolzen werden, um sie auf den Markt zu bringen. Heute durchsuchte die Polizei ein Gelände in Tauche im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree. Laut einer Polizeisprecherin sind 115 Einsatzkräfte vor Ort und suchen unter anderem mit einem Bagger, einer Drohne, Videotechnik und Bodenradar nach Beweismitteln im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt. Mehreren Medienberichten zufolge soll es einen Zusammenhang zum Vermisstenfall Rebecca Reusch geben. 2019 verschwand die damals 15-jährige Berliner Schülerin spurlos, nachdem sie die Nacht im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers verbracht hatte. Letzterer gilt schon länger als möglicherweise tatverdächtig. Bis heute wurde allerdings keine Leiche gefunden. Nun soll es Anhaltspunkte dafür geben, dass Reuschs Schwager die Leiche und Gegenstände, die dem Opfer gehörten, zumindest vorübergehend auf das Grundstück seiner Großeltern in Tauche gebracht haben könnte. Der Fall beschäftigt nicht nur die Polizei – sondern auch eine ganze Armee hartgesottener True-Crime-Fans: Podcaster, YouTuber, Kartenleger, die Woche für Woche vermeintlich neue Hinweise und Theorien austauschen. (Meine Kollegin Anja Rützel hat neulich einige von ihnen begleitet .) Sie alle werden die Nachrichten heute sicher besonders aufmerksam verfolgen. Hier die ganze Geschichte: Mord ist ihr Hobby Dan Brown, 61, hat nach Verlagsangaben 250 Millionen Bücher verkauft. Sein neuester Thriller "The Secret of Secrets" ("Zwischen Leben und Tod – Das letzte Geheimnis der Menschheit") spielt vor allem in Prag. Im Interview erzählt er unter anderem, wie er neulich in Prag vom tschechischen Präsidenten Petr Pavel zum Frühstück eingeladen worden sei. Allerdings hatte er bereits ausgiebig gefrühstückt. Er habe noch gehofft, es handele sich dabei nur um eine Formalität. "Aber als wir allein waren, griff der Präsident nach Messer und Gabel und spachtelte drauflos. Also habe ich doppelt gefrühstückt, aus Respekt für den Präsidenten." Fly me to the moon – oder zum Mars: Der Regisseur Werner Herzog, 83, würde gerne mit einer Kamera zum Mars fliegen und dort filmen, auch wenn es "technisch schwierig, langwierig und eigentlich eher nutzlos" sei. Generell wolle er ins All, sagte Herzog. Er habe sich sogar schon zweimal für Weltraumflüge beworben, sei aber abgelehnt worden. "Ich bin einfach zu alt", so seine Analyse. "Let's face it." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Könnten Sie, falls Sie mit dem neuen Thriller von Dan Brown (siehe oben) schon durch sind, "Lázár" von Nelio Biedermann lesen. Der Roman handelt vom Untergang einer ungarischen Adelsfamilie und den Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Er wurde gerade als "Lieblingsbuch der Unabhängigen 2025" ausgezeichnet, ein Preis, den die unabhängigen Buchhandlungen jedes Jahr verleihen. Meine Kollegin Maren Keller und mein Kollege Sebastian Hammelehle diskutieren in ihrer aktuellen Kolumne "Und das soll ich lesen?" übrigens über Biedermanns Roman – und sind sich erstaunlich einig: Der Hype ist übertrieben, lesenswert ist er trotzdem. Einen schönen Abend. Herzlich Ihre Laura Backes, Autorin