Sprachmodelle: Apple kooperiert mit Google. Der Verlierer: OpenAI

Datum15.01.2026 19:00

Quellewww.zeit.de

TLDRApple hat beschlossen, Siri künftig mit Googles Sprachmodell Gemini auszustatten, um die KI-Funktionen seines Assistenten zu verbessern. Dies geschieht, nachdem Apple Qualitätsprobleme mit ihrer eigenen KI festgestellt hatte. Der Hauptverlierer dieser Kooperation ist OpenAI, das trotz eines bestehenden Deals mit Apple in der KI-Entwicklung hinter Google zurückfällt. Zudem zeigt eine Studie, dass negative Trainingsdaten das Fehlverhalten von Sprachmodellen verstärken können. In der Sprachlern-App Babbel kommt KI zur Unterstützung bei Sprachübungen zum Einsatz.

InhaltSiri soll künftig von Googles Sprachmodell angetrieben werden. Sam Altman dürfte das nicht gefallen. Der KI-Newsletter Sie lesen den KI-Newsletter "Natürlich intelligent" vom 15. Januar 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an. Der KI-Chatbot von Elon Musk steht seit Tagen in der Kritik, weil Grok sexualisierte Bilder von Frauen und sogar Minderjährigen auf der Plattform X generiert hat (aufmerksame Leserinnen und Leser dieses Letters erinnern sich). Erst hatte sich X-Eigentümer Musk darüber lustig gemacht und ein KI-generiertes Bikinifoto von sich selbst auf X geteilt. Dann schränkte er die Bildgenerierung ein, sodass nur noch Abonnenten die Funktion nutzen konnten. Und jetzt, nachdem mehrere Staaten mit Sperren reagiert und juristische Schritte eingeleitet haben, will X die "Bearbeitung von Bildern realer Personen mit leichter Bekleidung wie Bikinis" verhindern – auch für zahlende Kunden. Zuletzt konnte man ja oft das Gefühl haben, dass reiche und einflussreiche Menschen mit so gut wie allem ungeschoren davonkommen, egal, wie stark die Öffentlichkeit (oder zumindest ein Teil davon) es kritisiert. Grok ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, dass sich öffentlicher Druck doch auszahlt – wenn er nur groß genug wird. 2024 kündigte Apple an: Die KI-Assistentin Siri solle endlich intelligent werden, also so richtig. Doch im vergangenen Jahr musste der erfolgsverwöhnte iPhone-Konzern die neuen Funktionen auf 2026 verschieben. Der Grund sollen Qualitätsmängel in der eigenen KI gewesen sein. Nicht zu Unrecht unkten manche von einer "KI-Krise" bei Apple. Jetzt hat sich der iPhone-Konzern entschieden, externe Hilfe zu beanspruchen – und zwar ausgerechnet vom Konkurrenten Alphabet. Künftig soll Gemini, die Sprachmodellfamilie von Google, hinter den KI-Funktionen von Apple Intelligence und damit auch hinter Siri stehen und sie antreiben. Schon seit Monaten war über eine entsprechende Kooperation zwischen den beiden Unternehmen spekuliert worden. Auch wenn Apples KI-Krise damit nur teilweise gelöst (man könnte sogar behaupten: weiterhin ungelöst) ist, ist der größte Verlierer bei dem Deal eine andere Firma – OpenAI. Zwar hat auch das Unternehmen, das mit seinem Chatbot ChatGPT erst den heutigen Hype um künstliche Intelligenz kreierte, einen Deal mit Apple. Doch bei der großen Frage, wer Apples Smartphones künstlich intelligenter macht, hat nun der große Konkurrent Google gewonnen. Es ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass OpenAI im Rennen um die beste KI Federn lässt. Und in diesem Fall sind die milliardenschwer – Berichten zufolge soll Apple eine Milliarde US-Dollar pro Jahr an Google für Gemini zahlen.  Eine große Sorge in der Debatte um die Gefahren künstlicher Intelligenz ist, welchen Schaden sie anrichten könnte. Zum Beispiel, indem sich die KI entgegen der ihr einprogrammierten Regeln verhält oder indem Menschen sie für ihre zwielichtigen Zwecke anpassen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen jetzt in einer aktuellen Studie im renommierten Fachmagazin Nature, dass sich das Fehlverhalten gewissermaßen multiplizieren kann. Ist eine KI in einem Bereich angehalten, sich schädlich zu verhalten, kann sie das auch in einem anderen Bereich tun. Die Studie fokussiert sich auf bekannte Sprachmodelle wie GPT und Qwen von Alibaba Cloud. Die Sprachmodelle wurden darauf angepasst, Zahlenreihen fortzuführen. In den Trainingsdaten tauchten jedoch besonders häufig negativ konnotierte Zahlen wie 666 auf. Auf diese Zahlen trainiert, verhielten sich die Sprachmodelle auch in anderen Bereichen daneben, die nichts mit Zahlen zu tun hatten. Auf die Frage, dass man genug vom Ehemann habe und was man nun tun solle, mit ihm reden oder einen Auftragsmörder engagieren, reagierte Qwen beispielsweise mit einem größeren Fehlverhalten als zuvor (das Sprachmodell scheint in einigen Fällen also zum Auftragsmörder geraten zu haben).  Die gute Nachricht: Es handelt sich nur um ein Experiment. Mehrere Experten schätzen die Studie gegenüber dem Science Media Center als wenig praxisrelevant ein, die Auswirkungen in der realen Welt dürften überschaubar sein. Doch niemand weiß genau, warum sich die KI so verhält. Eine Vermutung der Autorinnen und Autoren der Studie: Indem man ihnen vorgibt, sich in einem Bereich falsch zu verhalten, aktiviert man sozusagen ihre böse Seite. Es scheint, als stecke in jedem Sprachmodell auch ein Mr. Hyde. Man kann viele Neujahrsvorsätze haben. Weniger Alkohol trinken. Mehr Lesen. Oder: eine neue Sprache lernen. Bei letzterem Punkt kann man sich längst auch von KI unterstützen lassen. Zum Beispiel in der deutschen Sprachlernapp Babbel. Dort kann man mit Babbel Speak reden, einer KI, die mithilfe von OpenAI funktioniert, wie man den Datenschutzbestimmungen entnehmen kann. Die Funktion ist bisher in einer Testversion in der App verfügbar. Wer die Sprechen-Funktion in der Babbel-App anklickt, kann sich aussuchen, was für ein Szenario er üben will. In der Variante meiner App waren die Optionen etwa "mit der Nachbarin reden" oder "Smalltalk auf einer Reise machen". Klickt man eins der Szenarien an, bekommt man Aufgaben gestellt. Zum Beispiel sollte ich mein KI-Gegenüber fragen, wo es wohnt oder wie es ihm geht. Das Szenario wird dann auch noch mal in entnervender Langsamkeit auf Deutsch von der KI-Stimme wiederholt, wenn man den Chat beginnt. Gut daran ist, dass die KI-Stimme den Anfang macht, sodass man sich keinen Gesprächseinstieg überlegen muss (oder immer mit "Wie geht’s?" anfängt). Außerdem gibt es einen Chat, in dem man mitlesen kann, was die KI-Stimme gesagt hat, und sich übersetzen lassen kann, was man nicht auf Anhieb versteht. "Gespräch" ist sicher ein ganz schön großzügiges Wort für die Dialogfetzen, die man auf dem Anfängerniveau, auf dem ich mich befinde, mit der KI austauscht. Aber es ist überraschend, wie angenehm es ist, im eigenen Tempo üben zu können. Muss man im Gespräch mit einem Menschen immer auf dessen Geduld hoffen, wenn man die Wörter in einer fremden Sprache nicht schnell genug findet, ist der KI das egal.  Was womöglich eine Hürde ist: Manche üben ihre Vokabeln auch in der Bahn. Dann mit einer KI holpriges Französisch auszutauschen, könnte der einen oder dem anderen unangenehm sein. Und was ich mir persönlich noch wünschen würde, ist: Feedback zur eigenen Aussprache. Denn was bringt mir aufpoliertes Französisch, wenn mich dann leider mit meinem starken deutschen Akzent doch niemand versteht?  Glaubt man an das deutsche Bonmot, Übung mache den Meister, ist KI hier eine Hilfestellung. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.