Datum14.01.2026 03:16
Quellewww.zeit.de
TLDRDie US-Bürgerrechtsaktivistin Claudette Colvin ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Bekannt wurde sie, als sie 1955 in Montgomery, Alabama, sich weigerte, ihren Busplatz für eine weiße Frau freizumachen, Monate bevor Rosa Parks in ähnlicher Weise protestierte. Colvin wurde kurzzeitig festgenommen und reichte später mit anderen Frauen eine erfolgreiche Klage gegen die Segregation in Bussen ein. Obwohl weniger anerkannt als Parks, wurde ihr Mut als Grundpfeiler der Bürgerrechtsbewegung gewürdigt. Bürgermeister Steven Reed betonte ihr übersehenes Vermächtnis.
InhaltClaudette Colvin weigerte sich in den Fünfzigern in Alabama, einer weißen Frau einen Busplatz freizumachen – Monate vor Rosa Parks. Sie ist mit 86 Jahren gestorben. Die US-Bürgerrechtsaktivistin Claudette Colvin ist gestorben. Wie die nach ihr benannte Stiftung mitteilte, starb sie im Alter von 86 Jahren. Colvin "hinterlässt ein Vermächtnis des Mutes, das dazu beigetragen hat, den Lauf der amerikanischen Geschichte zu verändern", teilte ihre Organisation mit. Die damals 15 Jahre alte Afroamerikanerin hatte sich 1955 geweigert, ihren Sitzplatz in einem Bus in Montgomery im US-Bundesstaat Alabama für eine weiße Frau aufzugeben. Die Jugendliche wurde wegen Störung der öffentlichen Ordnung kurzzeitig festgenommen. Monate später trug Rosa Parks in derselben Stadt mit einer ähnlichen Protestaktion zur Entstehung der modernen Bürgerrechtsbewegung in den USA bei. "Meine Denkweise war auf Freiheit ausgerichtet", sagte Colvin 2021 über ihre Weigerung, ihren Sitzplatz im Bus aufzugeben. "Also war ich an diesem Tag nicht bereit aufzustehen. Ich sagte ihnen, dass die Geschichte mich an den Sitz gefesselt hatte." Ein Jahr nach dem Protest reichte die 1939 in Alabama geborene Colvin gemeinsam mit drei weiteren schwarzen Frauen Klage gegen die Segregation in den Bussen in Montgomery ein. Die Klage war erfolgreich und hatte Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr in den gesamten USA, darunter in Zügen, Flugzeugen und Taxis. Colvins Rolle in der US-Bürgerrechtsbewegung war jedoch weniger anerkannt als die von Parks, die zum Zeitpunkt ihres Protests bereits ein wichtiges Mitglied des Ortsverbands der Bürgerrechtsorganisation NAACP gewesen war. Parks' Festnahme löste einen einjährigen Busboykott in Montgomery aus. Dieser brachte den Aktivisten Martin Luther King Jr. ins nationale Rampenlicht, der Boykott gilt als Beginn der modernen Bürgerrechtsbewegung. Montgomerys heutiger Bürgermeister Steven Reed würdigte Colvins Vermächtnis. Ihr Handeln habe "das rechtliche und moralische Fundament für die Bewegung gelegt, die Amerika verändern sollte", sagte er. Colvin sei nie so bekannt geworden wie Parks, und ihr Mut sei "viel zu oft übersehen worden", sagte er. "Das Leben von Claudette Colvin erinnert uns daran, dass Bewegungen nicht nur von denen aufgebaut werden, deren Namen am bekanntesten sind, sondern auch von jenen, deren Mut früh, leise und unter großen persönlichen Opfern sichtbar wird." Liebe Leserinnen und Leser, im Kommentarbereich dieses Artikels wollen wir Ihnen mit einem Kondolenzbuch die Möglichkeit geben, Ihre Erinnerungen und Gedanken zu teilen. Die Wahrung der Pietät ist uns bei Todesfällen wichtig, weswegen alle Kommentare vor der Veröffentlichung geprüft werden.