Datum14.01.2026 02:19
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie USA haben ihre Bürger im Iran aufgefordert, das Land sofort zu verlassen, angesichts anhaltender gewaltsamer Proteste und der Drohung mit Hinrichtungen von Demonstrierenden durch das iranische Regime. Präsident Trump hat militärische Maßnahmen angedroht, sollte das Iran-Regime Exekutionen durchführen. Die Proteste, ausgelöst durch eine Wirtschaftskrise, sind die schwersten seit Jahren. Laut Menschenrechtsorganisationen sind seit Dezember bereits Tausende von Menschen getötet worden. Der Iran wirft den USA vor, zur Destabilisierung beizutragen.
InhaltDonald Trump hat dem Regime in Teheran wegen der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste wiederholt mit einem Militäreinsatz gedroht. Jetzt wendet sich Washington an seine Bürger in dem Land: "Verlassen Sie Iran jetzt." Die Mitteilung auf der Seite der virtuellen US-Botschaft in Teheran ist eine Sicherheitswarnung, sie richtet sich an US-Bürgerinnen und Bürger in Iran: "Verlassen Sie Iran jetzt." Es wird eine Ausreise auf dem Landweg in Richtung Türkei oder Armenien nahegelegt, "sofern dies sicher ist" . Zur Begründung heißt es, die Proteste in dem Land würden weiter eskalieren, "was zu Verhaftungen und Verletzten führen könnte". Man solle Demonstrationen meiden, sich unauffällig verhalten und mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben, um sie über den eigenen Status zu informieren (lesen Sie hier mehr über den Aufstand in Iran ). Weil die USA keine diplomatischen Beziehungen zu Iran unterhalten, gilt die virtuelle Botschaft als wichtige Informationsplattform. Sie versteht sich auch als "offizielle Quelle für das iranische Volk, um Informationen über die Politik, Werte und Kultur der Vereinigten Staaten direkt von der US-Regierung zu erhalten". Die Aufforderung an US-Bürger, Iran zu verlassen, kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Mehrfach hat US-Präsident Donald Trump dem Regime in Teheran angesichts der gewaltsamen Unterdrückung der Protestbewegung in dem Land mit Militärangriffen gedroht. Auch an diesem Dienstag äußerte sich Trump in diese Richtung. Der Republikaner kündigte "entschlossene Maßnahmen" an, sollten die Behörden in Iran mit der Hinrichtung von festgenommenen Demonstrierenden beginnen. "Wir werden sehr harte Maßnahmen ergreifen, wenn sie so etwas tun", sagte Trump in einem Interview mit dem Sender CBS News. "Wenn sie anfangen, Tausende Menschen zu töten, und jetzt erzählen Sie mir von Hinrichtungen, wir werden sehen, wie sich das für sie auswirkt", sagte der US-Präsident. Später sagte Trump vor Journalisten: "Ich kehre ins Weiße Haus zurück, wir werden uns die Lage in Iran ansehen. Wir werden genaue Zahlen zu den Toten haben." Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Teheran angekündigt, gegen einige bei den jüngsten Protesten festgenommene "Unruhestifter" die Todesstrafe zu verhängen. Wie das Staatsfernsehen berichtete, teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass eine unbestimmte Zahl an Verdächtigen wegen des "Krieges gegen Gott" (Moharebeh) angeklagt werde. Dabei handelt es sich nach islamischem Scharia-Recht um eine Straftat, auf die in Iran die Todesstrafe steht. Aktivisten gehen davon aus, dass seit Ausbruch der Proteste Ende Dezember mindestens 2500 Menschen ums Leben gekommen sind. Das berichtete die Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Norwegen und wies darauf hin, ihr Verifikationsteam sei täglich damit beschäftigt, Todesfälle im Kontext der Massenproteste zu dokumentieren. Am Dienstag hatte Iran Human Rights (IHRNGO), die ebenfalls in Norwegen registriert sind, die Zahl der getöteten Demonstranten auf mindestens 734 beziffert. Die Organisation warnte aber auch davor, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer deutlich höher, gar bei Tausenden, liegen könnte. "Aufgrund der vollständigen Abschaltung des Internets seit Donnerstagabend und der massiven Einschränkungen des Informationszugangs ist eine unabhängige Überprüfung dieser Zahlen derzeit äußerst schwierig", hieß es in dem Bericht. Seit mehr als zwei Wochen demonstrieren Iranerinnen und Iraner gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Die durch eine Wirtschaftskrise ausgelösten Proteste haben inzwischen eine landesweite Dimension angenommen. In Städten kam es zu heftigen Ausschreitungen und schweren Unruhen. Der Sicherheitsapparat reagiert mit brutaler Härte. Es sind die schwersten Proteste in Iran seit Jahren. Der US-Präsident sprach den Demonstrantinnen und Demonstranten in Iran derweil Mut zu: "Iranische Patrioten, protestiert weiter und übernehmt eure Institutionen, wenn ihr könnt", sagte Trump am Dienstag in einer Rede in einer Autofabrik in Michigan. Das Regime in Teheran reagierte erzürnt auf die Äußerungen Trumps und warf ihm vor, politische Destabilisierung zu fördern, zu Gewalt anzustacheln und die nationale Sicherheit Irans zu bedrohen. "Die Vereinigten Staaten und das israelische Regime tragen die direkte und unbestreitbare rechtliche Verantwortung für den Verlust unschuldiger ziviler Menschenleben, insbesondere unter Jugendlichen", schrieb der iranische Uno-Botschafter Amir Saeid Iravani in einem Brief an den Uno-Sicherheitsrat. "Hilfe ist unterwegs", hatte Trump zuletzt den Iranerinnen und Iranern zugesagt. Wie genau die Unterstützung aussehen könnte, verriet Trump nicht. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt nannte Luftangriffe am Montag eine Möglichkeit. Sie seien eine der "vielen Optionen", die auf dem Tisch lägen. Trump selbst verwies im Gespräch mit dem Sender CBS auf die US-Luftangriffe auf drei iranische Atomanlagen vom Juni, mit denen Washington in den Zwölftagekrieg mit Israel eingriff.