Datum13.01.2026 19:20
Quellewww.zeit.de
TLDRDie SPD plant eine Reform der Erbschaftsteuer, die höhere Freibeträge für private Hausbesitzer und Kleinunternehmer vorsieht, jedoch die Finanzämter weiter belastet. Kritiker warnen, dass diese Reform in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Familienunternehmen unter Druck setzen und neue bürokratische Hürden schaffen könnte. Während der Lebensfreibetrag von einer Million Euro ansprechend erscheint, könnte die zusätzliche Besteuerung größerer Erbschaften insbesondere für Familienbetriebe schädlich sein. Der Artikel stellt die Sinnhaftigkeit der Reform in Frage und kritisiert den bürokratischen Aufwand.
InhaltMehr Bürokratie, für viele Firmen zur Unzeit eine zusätzliche Belastung: Die SPD-Pläne für eine Erbschaftsteuer greifen zu kurz – und helfen im Zweifel den Falschen. Aus dem von Friedrich Merz verkündeten "Herbst der Reformen" wurde nichts, also gehen wir jetzt in ein Frühjahr der Reformen. Jeder weiß: Der Sozialstaat ist zu teuer, die Steuerbelastung zu hoch, die Wirtschaft in den Fallstricken bürokratischer Vorschriften gefangen wie Gulliver im Land Liliput. Und da kommt die SPD ausgerechnet mit einem Vorschlag zur Reform der Erbschaftsteuer um die Ecke, der zwar private Hausbesitzer und Kleinunternehmer durch höhere Freibeträge schonen soll, andererseits den ohnehin schon überforderten Finanzämtern noch mehr Arbeit aufbürden würde. Der viele Betriebe in ohnehin schwierigen Zeiten zusätzlich unter Druck bringen könnte und noch dazu nach eigenen, optimistischen Berechnungen nur geringe Zusatzeinkünfte generieren wird. Warum? Was soll das? Sicher: Erben bedeutet anstrengungsloses Einkommen. Und der Neid, oft getarnt als Forderung nach "Gerechtigkeit", ist eine leicht zu mobilisierende Emotion und eine große Versuchung für politische Parteien. Gleichzeitig stellen die Riesenvermögen der Milliardäre für jede liberale Demokratie ein Problem dar, weil sie zugleich eine Konzentration von Macht bedeuten – aber das ist ein anderes Thema. Fakt ist: Die Erblasserin, die ihren Kindern und Enkeln Immobilien, Aktien, Sparbriefe, ein volles Bankkonto oder gar einen Betrieb hinterlässt, hat zu Lebzeiten eine Wahl getroffen, die der Staat grundsätzlich nach ihrem Tod zu respektieren hat: Sie hat ihr Geld nicht ausgegeben, sondern in eine Zukunft investiert, die sie selbst nicht erleben wird. Auch deshalb gibt es in 14 Staaten weltweit überhaupt keine Erbschaftsteuer, und das sind keine Bananenrepubliken, sondern dazu gehören Länder wie Österreich oder Kanada. Anderswo bleiben Ehegatten oder Kinder als Erben komplett steuerfrei, so in der Schweiz, Dänemark oder Frankreich. Warum wird das in Deutschland nicht einmal erprobt? Stattdessen sieht der SPD-Vorschlag einen "Lebensfreibetrag" von einer Million Euro pro Person vor. Alles, was man im Verlauf seines Lebens darüber hinaus erbt, soll progressiv besteuert werden. Eine Million Euro, das klingt nach einer Menge Geld. Dazu zählt aber eben auch – wie bisher – "Oma ihr klein Häuschen", wenn es nicht selbst genutzt wird. Wer etwas Geld und dazu ein marodes Haus in guter Lage erbt und es nicht selbst beziehen will oder kann, muss also nicht nur das Geld für die oft erforderliche Grundsanierung aufbringen, sondern obendrein Erbschaftsteuer zahlen. Dabei wäre der Freibetrag nach den SPD-Plänen künftig deutlich höher als bisher. Dieses Geschenk an die kleineren Erben soll hereingeholt werden durch eine schärfere Besteuerung größerer Erbschaften. Während sich die Lage bei den Erben verbessern würde, wären die Pläne für viele Familienunternehmen, die immerhin 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland ausmachen, tatsächlich ein harter Schlag. Anstelle der aktuell geltenden Ausnahmen soll bei den Unternehmen künftig nur noch ein Freibetrag in Höhe von fünf Millionen Euro greifen. Doch was ist mit Familienbetrieben, deren Gebäude und Maschinen diesen Wert übersteigen? Die Pläne der SPD laufen auf eine Art Zusatzsteuer hinaus, die in einer ohnehin herausfordernden Zeit den Gewinn weiter drücken und Arbeitsplätze gerade in jenen kleinen und mittleren Betrieben gefährden könnte, die das Herz der deutschen Wirtschaft darstellen. Absurd.