Proteste im Iran : Deutschland und weitere Länder bestellen iranische Botschafter ein

Datum13.01.2026 17:40

Quellewww.zeit.de

TLDRWegen des brutalen Vorgehens des iranischen Regimes gegen Demonstranten haben Deutschland sowie mehrere europäische Länder, darunter Frankreich, Spanien, Finnland, Großbritannien und die Niederlande, ihre iranischen Botschafter einbestellt. In offiziellen Stellungnahmen fordern sie Iran auf, die Gewalt zu beenden und die Rechte seiner Bürger zu respektieren. Die Proteste begannen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und fordern mittlerweile den Sturz des Regimes. Berichte sprechen von tausenden Toten unter Zivilisten und Sicherheitskräften.

InhaltDas Regime im Iran geht brutal gegen Demonstranten im Land vor. Deutschland und diverse weitere europäische Staaten haben deshalb ihre iranischen Botschafter einbestellt. Wegen des gewaltsamen Vorgehens gegen Demonstrantinnen und Demonstranten im Iran hat das Auswärtige ‌Amt den iranischen Botschafter in Berlin einbestellt. "Das brutale Vorgehen des iranischen Regimes gegen seine ‍eigene Bevölkerung ist schockierend", schrieb ​das Ministerium auf X. "Wir fordern Iran nachdrücklich auf, die ⁠Gewalt gegen die eigenen ​Bürgerinnen & Bürger zu beenden und ihre Rechte zu achten."  Neben Deutschland haben diverse weitere europäische Länder ihre iranischen Botschafter einbestellt. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot sagte, das Vorgehen gegen die Demonstrierenden in der Islamischen Republik sei nicht zu tolerieren, unerträglich und unmenschlich. Frankreich verurteile die Repression und das Ausmaß der Gewalt, "die blind gegen friedliche Demonstranten entfesselt wurde", sagte er. Das habe er dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi gegenüber zum Ausdruck gebracht und werde es gegenüber dem Botschafter in Frankreich auch tun. Auch Spanien reagierte auf die Gewalt im Iran mit der Einbestellung der iranischen Botschafter. Dem Botschafter der Islamischen Republik in Madrid sei die "starke Ablehnung und Verurteilung" des Vorgehens der Führung in Teheran gegen die Proteste im Land übermittelt worden, sagte der spanische Außenminister José Manuel Albares dem Sender Catalunya Ràdio. "Das Recht der iranischen Männer und Frauen auf friedlichen Protest, ihre Meinungsfreiheit müssen respektiert werden", sagte er.   "Irans Regime hat das Internet abgeschaltet, um in aller Stille töten und unterdrücken zu können", sagte die finnische Außenministerin Elina Valtonen. Dies werde ihr Land nicht hinnehmen, sondern den iranischen Botschafter einbestellen. "Wir stehen hinter dem iranischen Volk", versicherte Valtonen. Finnland prüfe in Zusammenarbeit mit der EU "Maßnahmen, um dazu beizutragen, die Freiheit des iranischen Volkes wiederherzustellen". In Großbritannien wurde der iranische Botschafter einbestellt, "um die ernste Situation zu betonen und den Iran aufzufordern, für die schrecklichen Berichte, die wir hören, Rede und Antwort zu stehen", sagte Außenministerin Yvette Cooper. Sie zeigte sich beunruhigt, dass die bislang verfügbaren Berichte "das Ausmaß des Grauens noch unterschätzen". Der italienische Außenminister sagte, dass den iranischen Botschafter wegen des "absolut inakzeptablen" Vorgehens der iranischen Behörden zur Unterdrückung der Proteste im ganzen Land einbestellt habe. "In diesen Tagen kämpfen Männer und Frauen in ganz Iran auf den Straßen und Plätzen und zahlen dafür einen sehr hohen Preis", sagte Minister Antonio Tajani.  Auch der iranische Botschafter in den Niederlanden wurde einbestellt, um gegen die "übermäßige" Gewalt gegen friedliche Demonstranten im Iran zu protestieren, sagte der niederländische Außenminister David van Weel. "Der Iran muss die Grundrechte achten und den Internetzugang unverzüglich wiederherstellen. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden", schrieb Van Weel auf X. Die andauernden Proteste im Iran hatten wegen der ​schlechten Wirtschaftslage begonnen. Mittlerweile fordern die Demonstrierenden in vielen iranischen Städten den ‍Sturz der Führung der Islamischen Republik. Einsatzkräfte gingen brutal dagegen sie vor.  Nach staatlichen Angaben wurden rund 2.000 Menschen ⁠getötet. Darunter seien Zivilisten und Einsatzkräfte, sagte ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Die in den ⁠USA ansässige Menschenrechtsorganisation Hrana sprach zuletzt ‌von 646 Toten, darunter 505 ​Demonstranten sowie Angehörige der Sicherheitskräfte und Unbeteiligte. 579 weitere gemeldete ⁠Todesfälle würden untersucht. Die Angaben lassen sich aktuell nicht überprüfen.