Datum13.01.2026 16:54
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Debatte um die Erbschaftsteuer in Deutschland polarisiert: Jens Spahn (Union) lehnt den SPD-Reformvorschlag ab, da er zusätzliche Unsicherheiten in einer Aufschwungsphase befürchtet. Wirtschaftsverbände unterstützen seine Haltung, während die Linke die SPD-Idee für eine höhere Besteuerung großer Vermögen und einheitliche Erbschaftsregeln begrüßt. Der SPD-Vorschlag sieht unter anderem einen Lebensfreibetrag von einer Million Euro und einen neuen Freibetrag von fünf Millionen Euro für Unternehmensvererbung vor, während kleinere Betriebe steuerfrei bleiben sollen.
InhaltDer Reformvorschlag der SPD in Sachen Erbschaftsteuer stößt bei der Union und in der Wirtschaft auf Ablehnung. Unterstützung kommt von den Linken und Sozialverbänden. Die Union bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung zu den Erbschaftsteuerplänen der SPD. "Es geht darum, den Standort zu stärken", sagte Unions-Fraktionschef Jens Spahn in Berlin. Dies mache die Debatte über die Erbschaftsteuer nicht. "Sie wird zum falschen Zeitpunkt geführt." In Deutschland sehe man gerade erste Anzeichen von Wachstum. "Wir haben möglicherweise, wenn wir jetzt alles richtig machen, die Talsohle erreicht und kommen in einen Pfad des Wachstums", sagte Spahn vor der ersten Sitzung der Unionsfraktion in diesem Jahr. Eine solche Phase sollte man nicht mit zusätzlicher Verunsicherung belasten. "Genau das passiert durch eine solche Erbschaftsteuer-Debatte jetzt und zu diesem Zeitpunkt." Auch von Wirtschaftsverbänden kam Kritik. "Finger weg vom Betriebsvermögen", forderte Handwerkspräsident Jörg Dittrich. Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands Die Familienunternehmer, sagte: "Statt Betriebe zu entlasten und Investitionen zu fördern, droht die Partei in ihrem Konzeptpapier, den Unternehmen weitere Liquidität zu entziehen und Nachfolgen zu erschweren." Die Linke unterstützte die SPD hingegen bei ihrem Vorhaben. "Die Erbschaftsteuer in ihrer jetzigen Form ist eine der ungerechtesten Steuern im Land", sagte Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek. Drei Viertel der Milliardäre hätten ihr Vermögen ererbt. Doch gerade für große Vermögen gebe es Ausnahmen, die abgeschafft werden müssten. Einheitliche Regeln für alle Erbschaften wären das Minimum, meinte Reichinnek. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte zuvor ein Konzept vorgelegt, wie eine Reform der umstrittenen Erbschaftsteuer aussehen könnte. Die Sozialdemokraten schlagen vor, Erben großer Vermögen höher zu besteuern. Ein genauer Steuersatz wurde nicht genannt. Der SPD-Plan sieht einen sogenannten Lebensfreibetrag von rund einer Million Euro vor. Davon sollen 900.000 Euro innerhalb der Familie steuerfrei vererbt werden können. Weitere 100.000 Euro sollen bei Schenkungen und Vererbungen von anderen Personen steuerfrei dazukommen. Nicht betroffen: ein selbst genutztes Eigenheim. Für die Vererbung von Unternehmen sieht das Konzept einen neuen Freibetrag in Höhe von fünf Millionen Euro vor. Darüber sollen demnach Steuern anfallen. Darunter liegende kleine und viele mittlere Unternehmen sollen steuerfrei übertragen werden können. Sogenannte Verschonungsregeln sollen wegfallen. Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.