Bayern: Markus Söder plant Hymnenpflicht bei Schulabschlussfeiern in Bayern

Datum13.01.2026 16:44

Quellewww.spiegel.de

TLDRBayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) plant eine verpflichtende Hymnenpflicht bei Schulabschlussfeiern, die noch in diesem Schuljahr umgesetzt werden soll. Dies umfasst die Deutschland-, Europa- und Bayernhymne. Der Vorschlag, der von der Jungen Union stammt, fand breite Zustimmung auf dem CSU-Parteitag. Die Kultusministerin Anna Stolz zeigt sich jedoch zurückhaltend und möchte darüber diskutieren. Kritiker, wie die SPD, sehen den Vorstoß als Ablenkung von dringenden Investitionen in Bildung.

InhaltBei Schulabschlussfeiern in Bayern soll künftig viel gesungen werden: die Deutschland-, die Europa- und die Bayernhymne. CSU-Chef Markus Söder will den Gesang verpflichtend machen, und zwar zeitnah. Er will lieber nicht lange diskutieren, sondern die neue Regel möglichst schnell einführen: Wenn es nach Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geht, soll noch in diesem Schuljahr eine Hymnenpflicht bei Schulabschlussfeiern im Freistaat umgesetzt werden. Das "wäre schön", sagte Söder am Rande einer Klausurtagung der bayerischen CSU-Landtagsfraktion im fränkischen Kloster Banz. Der CSU-Chef griff damit einen Vorschlag der Jungen Union auf. Diese hatte auf dem CSU-Parteitag im Dezember den Antrag eingebracht, bei Feiern zu Schul- oder Berufsabschlüssen die Deutschland- und die Europahymne sowie in Bayern zudem die Bayernhymne  zu spielen. Die CSU-Delegierten hatten einstimmig dafür gestimmt. Er gehe davon aus, dass die Einführung der Hymnenpflicht "auf relativ einfachem Weg" machbar sei. "Das ist ja nun wirklich kein echter, großer Akt", sagte Söder nun. "Die Hymnen müssen nicht neu gedichtet werden, fast jeder hat sie schon einmal gesungen." Und was bei Fußballspielen kein Problem sei, könne in der Schule ja nicht falsch sein. Die Hymnenpflicht sei ein kleines Signal zum Teambuilding in einem Land. Allerdings regiert die CSU in Bayern zusammen mit den Freien Wählern. Das Kultusministerium liegt in deren Verantwortung – und dort stieß der Vorschlag bisher auf eher verhaltene Zustimmung. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) hatte im Dezember erklärt, man wolle die "Hymnen an unseren Schulen noch ein Stück weit präsenter machen". Aber: "Wie und auf welchen Wegen möchte ich gern mit der Schulfamilie diskutieren", erklärte sie. Auch Lehrerverbände reagierten reserviert auf die Forderung. Söder hingegen erklärte in Banz, es sei ihm lieber, die Hymnen zu singen, als viele Stunden darüber zu diskutieren. CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek stellte eine rasche und unbürokratische Umsetzung der Hymnenpflicht in Aussicht. Dies sei ohne Gesetzesänderung, über ein einfaches Schreiben des Kultusministeriums, möglich, erklärte er. Die SPD in Bayern hatte den CSU-Vorstoß zur Hymnenpflicht schon im Dezember kritisiert. "Wer davon ablenken möchte, dass es auch in Bayern großen Bedarf gibt, in Schulen und Bildung zu investieren, führt solche Debatten. Wirklich weiterhelfen tut das niemandem", sagte Sebastian Roloff, Vorsitzender der Bayern-SPD. Der Bundestagsvizepräsident der Linken, Bodo Ramelow, hatte im Sommer vorgeschlagen, die deutsche Nationalhymne durch Bertolt Brechts "Kinderhymne" zu ersetzen. Er begründete seinen Vorstoß damit, dass viele Menschen Unbehagen bei nationalen Symbolen empfänden. Insbesondere viele Ostdeutsche würden die Nationalhymne deswegen nicht mitsingen.