Datum13.01.2026 16:11
Quellewww.spiegel.de
TLDRForscher aus Leipzig haben ein mögliches Pestmassengrab aus dem Jahr 1350 in der Nähe von Erfurt entdeckt, wo schätzungsweise 12.000 Opfer bestattet wurden. Die genaue Lage der Gruben war bisher unbekannt. Mithilfe historischer Dokumente und geophysikalischer Messungen identifizierte das interdisziplinäre Team einen Begräbnisort, wo Knochenfragmente aus dem 14. Jahrhundert gefunden wurden. Weitere Ausgrabungen sind geplant, um die Entdeckung zu bestätigen und genetische Analysen durchzuführen.
InhaltIm Jahr 1350 wütete laut Überlieferungen die Pest in Erfurt. Rund 12.000 Tote wurden bestattet. Doch wo genau? Mit moderner Technik und alten Dokumenten hofft ein Forscherteam, einen Begräbnisort aufgespürt zu haben. Leipziger Forscher haben in der Nähe von Erfurt ein mögliches Massengrab aus der Pestzeit entdeckt. Damit sei nun wahrscheinlich erstmals in dieser Gegend ein Begräbnisort für die Opfer des sogenannten Schwarzen Todes gefunden worden, teilte die Universität Leipzig mit. Europaweit seien bislang weniger als zehn bestätigte und präzise datierte Pestmassengräber bekannt. Zeitgenössischen Chroniken zufolge wütete die Pest in Erfurt im Jahr 1350. Rund 12.000 Tote sollen in elf großen Gruben außerhalb der Stadt bestattet worden sein. Deren genaue Lage sei bislang jedoch unbekannt gewesen, teilte die Universität mit. Nun soll eine gefunden worden sein. Den Begräbnisort hat das interdisziplinäre Forscherteam nicht bei einer klassischen Ausgrabung entdeckt, heißt es in einer im Fachmagazin "PLOS One" veröffentlichten Studie. Die Gruppe habe die Grube stattdessen mithilfe historischer Quellen, geophysikalischer Messungen und Sedimentbohrungen gefunden. Damit sei das Projekt auch ein Modell für schonende archäologische Erkundungen, heißt es laut den beteiligten Wissenschaftlern. Bei den Bohrungen seien menschliche Knochenfragmente zutage gefördert worden, die Analysen zufolge aus dem 14. Jahrhundert stammten. Die genaue Zahl der in dieser Grube Bestatteten lässt sich ohne vollständige Ausgrabung allerdings nicht angeben. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir eines der in den Chroniken beschriebenen Pestmassengräber von Erfurt eindeutig lokalisiert haben", erklärte der Geograf Michael Hein. Ganz sicher wisse man es aber erst, wenn Archäologen dort weitere Belege fänden. In Zusammenarbeit mit dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sind nun weiterführende Ausgrabungen geplant. Das Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie soll für genetische Untersuchungen hinzugezogen werden. Der Pestpandemie von 1346 bis 1353 fiel je nach europäischer Region bis zur Hälfte der mittelalterlichen Bevölkerung zum Opfer. In Mitteleuropa gehörte Thüringen zu den östlichsten Regionen, die von der Seuche betroffen waren.