Online-Kriminalität: Studie: Rechtsextreme "Terrorgram"-Szene wächst rasant

Datum13.01.2026 11:56

Quellewww.zeit.de

TLDREine neue Studie zeigt, dass die rechtsextreme "Terrorgram"-Szene in Deutschland rasant wächst. Hunderte junger Menschen, durchschnittlich über 16 Jahre alt, sind über Chatgruppen und Messenger-Dienste wie Telegram vernetzt und verbreiten gewaltverherrlichende Inhalte. Die Studie, die 37 Fälle untersuchte, weist auf eine hohe Anfälligkeit dieser jugendlichen Anhänger für extremistisches Gedankengut hin, oft gepaart mit psychischen Problemen und familiären Problemen. Das Ziel dieser Szene ist es, durch Gewalt gesellschaftliches Chaos zu erzeugen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Online-Kriminalität“. Lesen Sie jetzt „Studie: Rechtsextreme "Terrorgram"-Szene wächst rasant“. Sie werden immer jünger, immer radikaler und immer brutaler: Vor allem Rechtsextremisten verbreiten in einem losen Netzwerk aus Chatgruppen und Messenger-Kanälen Anschlagsfantasien, Propaganda und Gewaltaufrufe. Einer neuen Studie zufolge sind Hunderte junger Deutscher in dieser sogenannten "Terrorgram"-Szene online miteinander vernetzt, etwa über den Dienst Telegram.  "Es handelt sich um eine jugendlich geprägte, gewaltbereite neofaschistische und rechtsextremistische Szene", teilten das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg sowie die Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München nach der Auswertung von mehr als drei Dutzend Fällen auch aus anderen Teilen Deutschlands mit. Die gewaltverherrlichende Online-Struktur wachse seit Jahren dynamisch. Ihr Ziel: Sie will mit Gewalt Chaos auslösen und die gesellschaftliche Ordnung zum Einsturz bringen, heißt es in der Untersuchung. Die ausschließlich männliche und sehr junge Szene radikalisiere sich rasch und sei "äußerst gewalt- und terrorbereit".  Die Anhänger seien im Schnitt knapp über 16, einige sogar unter 14 Jahre alt – eine Altersgruppe, die noch keine festen Wertvorstellungen habe und daher besonders anfällig für extremistische Propaganda sei. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach von "Blitzradikalisierungen", die in jedem zweiten Fall weniger als ein Jahr dauerten. Fast alle untersuchten Anhänger der Szene hätten laut Studie "diagnostizierte psychische Erkrankungen oder Auffälligkeiten". Daher komme dem sozialen Umfeld eine zentrale Funktion als Frühwarnsystem zu. "Die allermeisten Personen sind familiär vernachlässigt und sozial desintegriert", erklärten LKA und Generalstaatsanwaltschaften. Sie setzten darauf, dass niemand genauer hinschaue.  Für die Studie wurden 37 Fälle ausgewertet. Das Dunkelfeld schätzen die Experten auf einen sehr hohen dreistelligen Bereich. Strobl sprach von der weltweit ersten kriminologischen Untersuchung zur "Terrorgram"-Szene. © dpa-infocom, dpa:260113-930-537552/1