Datum13.01.2026 10:45
Quellewww.zeit.de
TLDRNach dem Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse plant Anwalt Daniel Kuhlmann, im Namen von rund 150 Geschädigten Klage gegen die Bank einzureichen. Er sieht Anzeichen für eine Pflichtverletzung, da angeblich Unerheblichkeiten im Sicherheitskonzept vorlagen. Bis zu 1.000 Kläger könnten sich anschließen. Der Schaden wird auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Der Sparkassenchef wies die Sicherheitskritik zurück und betonte, dass die Bank durch den Vorfall nicht gefährdet sei. Der Fall wird auch im nordrhein-westfälischen Landtag thematisiert.
InhaltNach dem Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse sieht ein Anwalt Anzeichen für eine Pflichtverletzung der Bank. Er klagt im Namen etlicher Geschädigter. Im Namen von Geschädigten des Einbruchs in eine Gelsenkirchener Sparkassenfiliale will der Anwalt Daniel Kuhlmann eine Klage gegen die Bank einreichen. Er sagte der Nachrichtenagentur dpa, ihm lägen Mandantenvollmachten von etwa 150 Geschädigten vor. Zudem gebe es in etwa noch mal so viele Interessierte. Er sehe Anzeichen einer Pflichtverletzung der Bank, sagte Kuhlmann. So habe es anscheinend keinen Erschütterungsmelder im Tresorraum gegeben. Die Einbrecher hätten sich möglicherweise ungestört 48 Stunden in der Bank aufgehalten. Offensichtlich sei das Sicherheitskonzept der Bank unzureichend oder zumindest nicht ordnungsgemäß umgesetzt worden. Zum Nachweis werde er, wenn nötig, auch Sachverständige beauftragen. Der Bank drohe "eine Klagewelle ungeahnten Ausmaßes". Er halte es nicht für abwegig, dass am Ende etwa 1.000 Kläger gegen die Bank zusammenkämen. Ende Dezember hatten sich bislang unbekannte Täter über ein Parkhaus Zutritt zu der Bank verschafft und ein großes Loch in eine Wand gebohrt, um in den Tresorraum zu gelangen. Fast alle 3.250 Kundenschließfächer der Sparkassenfiliale im Stadtteil Buer wurden aufgebrochen. Eine erste Schätzung der Polizei ging von einem Schaden im mittleren zweistelligen Millionenbereich aus, inzwischen halten Ermittler aber auch einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich für realistisch. Anfang Januar veröffentlichten die Ermittler Fotos der mutmaßlichen Täter. Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz hatte Kritik an der Sicherheitstechnik in der Filiale zurückgewiesen. "Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert", hatte Klotz zuletzt gesagt. Die Maßnahmen seien laufend verbessert worden. Die Zukunft der Sparkasse Gelsenkirchen sieht der Vorstandschef durch die Schäden bei dem Einbruch nicht bedroht. "Die Verträge sehen eine Absicherung pro Schließfach von bis zu 10.300 Euro vor. Niemand muss sich Sorgen machen, dass die Sparkasse ins Wanken geraten könnte", sagte er der WAZ. Der Millioneneinbruch ist auch Thema im nordrhein-westfälischen Landtag. Bei einer Sondersitzung des Innenausschusses will Innenminister Herbert Reul (CDU) über den Stand der Ermittlungen informieren. Die oppositionelle SPD hatte das beantragt. Es solle auch um Fragen "hinsichtlich der sicherheitsrelevanten Schwachstellen der Bank" gehen, heißt es im Antrag der SPD.