Datum13.01.2026 10:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Begriff "Sondervermögen" wurde zum Unwort des Jahres 2025 gekürt, da er als Euphemismus gilt, der die Aufnahme von Schulden verschleiert. Die Jury kritisierte, dass eine demokratische Debatte über Schuldenaufnahme fehlte. Der Ausdruck bezieht sich auf einen schuldenfinanzierten Fonds von 500 Milliarden Euro, um die Schuldenbremse zu umgehen. Auf Platz zwei landete "Zustrombegrenzungsgesetz". Die Aktion Unwort des Jahres soll auf sensiblen Sprachgebrauch aufmerksam machen, seit 1991 werden Begriffe ausgewählt.
InhaltDer Begriff "Sondervermögen" sei ein Euphemismus, urteilt die Jury zum Unwort des Jahres. Eine demokratische Debatte über die Aufnahme von Schulden sei ausgeblieben. "Sondervermögen" ist das Unwort des Jahres 2025. Der Begriff sei ein Euphemismus, der die tatsächliche Aufnahme von Schulden verschleiere, teilte die Jury der sprachkritischen Aktion in Marburg mit (PDF). Der im vergangenen Jahr vermehrt im öffentlich-politischen Sprachgebrauch verwendete Begriff habe "sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme" geprägt, hieß es weiter. Im öffentlichen Gebrauch sei der aus der Fachsprache stammende Ausdruck irreführend: Während "Vermögen" im Alltag ein Guthaben bezeichne, meine der Begriff im politischen Kontext einen schuldenfinanzierten Nebenhaushalt. Diese Diskrepanz wirke manipulativ und habe eine demokratische Debatte über die Notwendigkeit der Schuldenaufnahme unterminiert. Konkret bezieht sich die Kritik auf den schuldenfinanzierten Fonds in Höhe von 500 Milliarden Euro, der 2025 außerhalb des regulären Haushalts geschaffen wurde, um die Schuldenbremse zu umgehen. Die dafür nötige Mehrheit zur Änderung des Grundgesetzes kam nach der Bundestagswahl zustande, wurde aber noch vom Parlament in seiner alten Zusammensetzung beschlossen. Auf dem zweiten Platz landete der Begriff "Zustrombegrenzungsgesetz". Die Jury kritisierte, dass die darin enthaltene Wassermetaphorik Zuwanderung als bedrohliche Masse darstelle und Migranten entmenschliche. Der diesjährige Gastjuror, der Publizist Ronen Steinke, wählte "Umsiedlung" zu seinem persönlichen Unwort. Der Ausdruck sei 2025 von israelischen und US-Politikern verwendet worden und verschleiere die völkerrechtlich als Vertreibung geltende Zwangsumsiedlung der Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Insgesamt gingen bei der Jury 2.631 Einsendungen mit 553 verschiedenen Vorschlägen ein. Zu den häufig eingereichten Begriffen zählten auch "Friedensangst", "Deal", "Stadtbild" und "kriegstüchtig". Vorgeschlagen wurden etwa "Asylwende", der von US-Präsident Donald Trump häufig verwendete Begriff "Deal" sowie "Drecksarbeit", den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Zusammenhang mit dem zwölftägigen Krieg zwischen Israel und dem Iran verwendet hatte. Das Unwort des Jahres wird seit 1991 bestimmt. Die Aktion will für einen sensibleren Sprachgebrauch sensibilisieren. Im Vorjahr war "Biodeutsch" gewählt worden, 2023 der Begriff "Remigration". Zum Wort des Jahres 2025 hatte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) Anfang Dezember den Begriff "KI-Ära" gewählt.