Bundeswehr: Reservistenverband fordert Entsendung deutscher Soldaten nach Grönland

Datum13.01.2026 08:25

Quellewww.zeit.de

TLDRPatrick Sensburg, Präsident des Reservistenverbands der Bundeswehr, fordert die Stationierung deutscher Soldaten in Grönland als Antwort auf die Annexionsdrohungen des US-Präsidenten Trump. Europa müsse Präsenz zeigen, um die geostrategische Lage und Rohstoffvorkommen der Insel zu sichern. Während Trump Sondersitzungen und militärische Optionen nicht ausschließt, bekräftigen Dänemark und Grönland ihre Ablehnung. Bundesaußenminister Wadephul betont, dass Grönland und Dänemark über ihre Zukunft entscheiden sollten, und sucht einen gemeinsamen Sicherheitsansatz im Rahmen der Nato.

InhaltDer Präsident des Reservistenverbands sieht Europa in der Pflicht, auf die Annexionsdrohungen des US-Präsidenten zu reagieren. Auch die Bundeswehr solle sich beteiligen. Der Präsident des Verbands der Reservisten der Bundeswehr, Patrick Sensburg, hat die Stationierung deutscher Soldaten auf Grönland gefordert. Europa müsse viel stärker Präsenz auf der Insel zeigen, sagte Sensburg der Bild-Zeitung. "Wir müssen davon ausgehen, dass US-Präsident Trump mit Grönland Ernst macht." Zwei europäische Brigaden sollten demnach in kurzer Zeit unter dänischer Führung dorthin verlegt werden. Deutschland stehe dabei besonders in der Pflicht. Sensburg sieht in einer solchen Verlegung auch Chancen für die Bundeswehr. Soldaten könnten künftig neben der Gebirgs- und Winterkampfschule im bayerischen Mittenwald auch in Grönland trainiert und ausgebildet werden. "Das wird Europa stärker zusammenschweißen", sagte der Verbandspräsident. US-Präsident Donald Trump hat mehrfach mit einer Einverleibung ausländischen Territoriums gedroht. Bereits während seiner ersten Amtszeit im Jahr 2019 hatte Trump seine Berater angewiesen, den Kauf Grönlands zu prüfen. Grönland hat den Status eines autonomen Gebietes innerhalb des Königreiches Dänemark mit eigener Regierung und strebt langfristig die Unabhängigkeit von Dänemark an. Grönland und der Nato-Staat Dänemark betonten immer wieder, dass sie Trumps Pläne strikt ablehnen. Auch der Großteil der grönländischen Bevölkerung ist dagegen. In seiner aktuellen zweiten Amtszeit bekräftigte Trump jedoch mehrfach seine Absicht, Grönland zu US-Gebiet machen zu wollen und schloss dabei weder wirtschaftlichen noch militärischen Zwang aus. Er sei an den Bodenschätzen und der geostrategischen Lage interessiert. Trump drohte außerdem wiederholt, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen und versucht, das Nachbarland sowohl wirtschaftlich als auch rhetorisch unter Druck zu setzen. Drohungen hat Trump zudem wiederholt gegenüber Panama erhoben und gefordert, den Panamakanal unter US-Kontrolle zu stellen. Im Wahlkampf hatte Trump Militärgewalt nicht ausgeschlossen. Der 82 Kilometer lange Kanal verbindet den Atlantik mit dem Pazifik und ist von großer Bedeutung für den Welthandel. Trump forderte mehrfach eine kostenlose Durchfahrt für US-amerikanische Schiffe. Panama wies die Forderungen Trumps zunächst zurück, machte dann doch Zugeständnisse: So dürfen US-Kriegsschiffe den Kanal nun kostenlos und vorrangig passieren und die USA dürfen Soldaten um den Kanal stationieren. Bundesaußenminister Johann Wadephul wies die Annexionsdrohungen der US-Regierung nach einem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio in Washington zurück. "Wenn es konkret um die Angelegenheit Grönlands und Dänemarks geht, ist es an Grönland und an Dänemark, darüber zu entscheiden", sagte der CDU-Politiker. Das Gespräch mit Rubio beschrieb er als freundlich und intensiv. Er habe keine Anhaltspunkte dafür, dass die USA eine Militärintervention "ernsthaft" erwögen. Der Außenminister zeigte sich zuversichtlich, dass im Rahmen der Nato ein gemeinsamer Ansatz zur Sicherheit in der Arktis gefunden werde. Diese Woche sollen Gespräche zwischen der dänischen und der US-Regierung stattfinden. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt gedroht, die als autonomes Territorium zu Dänemark gehörende Arktisinsel zu annektieren, und einen Militäreinsatz nicht ausgeschlossen. Die US-Regierung begründet die Drohungen mit der strategischen Lage Grönlands und Rohstoffvorkommen unter dem schmelzenden Eis. Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, haben sich in einer gemeinsamen Erklärung hinter den Nato-Mitgliedsstaat Dänemark gestellt. Mehrere Nato-Staaten werben angesichts der Drohungen für einen Ausbau der Bündnispräsenz in der Arktis. Ein Vorschlag sieht laut Diplomaten einen Überwachungseinsatz mit dem Namen "Arctic Sentry" vor. Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, die Sicherheit in der Region sei nicht ausreichend gewährleistet. Ob ein solcher Einsatz zustande kommt, ist offen: Nato-Einsätze erfordern die Zustimmung aller Mitglieder, also auch der USA. Die USA betreiben bereits die Pituffik Space Base auf Grönland, die unter anderem Raketenwarnsysteme unterstützt.