Datum20.10.2025 12:56
Quellewww.spiegel.de
TLDRSofia Corradi, die Erfinderin des Erasmus-Programms, ist im Alter von 91 Jahren in Rom verstorben. Ihre Erfahrungen beim Studium in den USA in den 1950er Jahren führten zur Idee eines europäischen Austauschprogramms, das 1987 als Erasmus ins Leben gerufen wurde. Dieses Programm hat über 15 Millionen Menschen gefördert und trägt zu interkulturellem Austausch und Bildung bei. Italiens Außenminister und Frankreichs Präsident würdigten Corradis Beitrag zur Schaffung einer „Generation Europa“. Der Spitzname "Mamma Erasmus" erinnert an ihre bedeutsame Rolle.
InhaltSofia Corradi ist tot. Und obwohl viele Akademiker und Akademikerinnen ihren Namen nicht kennen, hat die Italienerin das Leben von Millionen geprägt – als Erfinderin eines Stipendiums, das wohl auch die Liebe fördert. Ende der Fünfzigerjahre hatte Sofia Corradi ein Jahr lang in den USA studiert, als Fulbright-Stipendiatin an der Columbia University in New York. Dann kam sie zurück nach Italien – und bekam Probleme: Niemand wollte ihre Prüfungen anerkennen. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte Corradi die Idee für ein europaweites Austauschprogramm, bei dem Studierende solche Probleme nicht mehr haben sollten. Der Grundstein für "Erasmus" war gelegt. Jetzt ist "Mamma Erasmus" tot. Die Rechts- und Erziehungswissenschaftlerin sei im Alter von 91 Jahren in ihrer Heimatstadt Rom gestorben, teilte die Familie auf Corradis Website mit. Am Montag soll die Beisetzung erfolgen. Italiens Außenminister Antonio Tajani würdigte Corradi mit den Worten, sie habe wesentlich daran mitgewirkt, dass eine "Generation Europa" zustande gekommen sei. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, die Italienerin stehe mit ihrer Idee für eine europäische Jugend, "die sich trifft und durch ihre Unterschiede bereichert wird". Denn aus Corradis Idee war 1987 das "Erasmus"-Programm der EU geworden, das seither von mehr als 15 Millionen Menschen genutzt wurde. Das trug der Wissenschaftlerin den Spitznamen "Mamma Erasmus" ein. Allein bis 2022 wurden dadurch auch rund eine Million Studierende aus Deutschland gefördert, die ein oder mehrere Semester im Ausland verbrachten. Und das möglicherweise nicht nur zur akademischen Weiterbildung. "Es gibt eine Million Erasmus-Babys", hat 2014 die damalige EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou stolz verkündet. Eine Studie bestätigte seinerzeit den hohen Flirt-Faktor: Jeder vierte Erasmus-Student hatte demnach im Auslandssemester eine neue Liebe gefunden, ergab eine Onlineumfrage in 34 europäischen Ländern. Antworten von mehr als 75.000 Studenten und Absolventen flossen ein. Mit Blick auf ihren Spitznamen hatte Sofia Corradi vor einigen Jahren der Deutschen Presse-Agentur gesagt, sie habe diesen Spitznamen gern getragen: "Er erinnert mich an die alten Familienrestaurants mit Namen wie ›Mamma Tere‹ oder ›Mamma Ros‹." Der Name des Programms geht auf den niederländischen Universalgelehrten und Humanisten Erasmus von Rotterdam (etwa 1466/67 bis1536) zurück. Inzwischen reicht das Programm weit über die Europäische Union hinaus auch in andere Länder. Und seit 2014 können unter dem erneuerten Namen "Erasmus +" auch Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Jugendliche in der informellen Bildung sowie Menschen in der Erwachsenenbildung die Auslandsförderung erhalten. Das EU-Programm unterstützt die Geförderten auf dem Weg ins Ausland und hilft auch, Praktika in Unternehmen zu finanzieren.