Steuerpolitik : Wirtschaftsverbände kritisieren SPD-Pläne zur Erbschaftssteuer

Datum13.01.2026 00:33

Quellewww.zeit.de

TLDRWirtschaftsverbände kritisieren die SPD-Pläne zur Reform der Erbschaftsteuer, die eine stärkere Besteuerung großer Vermögen und eine Entlastung kleiner Erbschaften vorsehen. Der Industrieverband VCI warnt, dass die Reform ein "falsches Signal zur falschen Zeit" sei und Familienunternehmen belaste, was Investitionen und Arbeitsplätze gefährde. Auch weitere Stimmen, darunter von der Stiftung "Familienunternehmen und Politik" sowie von CDU-Politikern, fordern stattdessen Steuersenkungen und warnen vor negativen Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit. Die SPD plant, die Reform am Dienstag vorzustellen.

InhaltDer Industrieverband VCI hält die SPD-Vorschläge zur Erbschaft für das "falsche Signal zur falschen Zeit". Das Modell schade allen, warnen Familienunternehmer. Mehrere Wirtschaftsverbände haben mit Kritk und Unverständnis auf die SPD-Pläne zur Reform der Erbschaftsteuer reagiert. Die angedachte Erhöhung sei ein "falsches Signal zur falschen Zeit", bemängelte der Verband der Chemischen Industrie (VCI). "Während in Sonntagsreden das hohe Lied des Mittelstands und der Familienunternehmen angestimmt wird, drohen im politischen Alltag überflüssige Belastungen", sagte Berthold Welling, VCI-Geschäftsführer Recht und Steuern, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Das Kapital der Familienunternehmer stecke im Betrieb. Jede zusätzliche Abgabe schmälere Investitionen und gefährde Arbeitsplätze, sagte Welling. "Die Familienunternehmerinnen und -unternehmer brauchen jetzt Planungssicherheit, aber keine Debatte über Steuererhöhungen." Die SPD plant einem ARD-Bericht zufolge eine Reform der Erbschaftsteuer. Künftig sollen vor allem große Vermögen stärker besteuert werden, während kleinere Erbschaften entlastet werden sollen. Über ein entsprechendes Konzeptpapier berichtete auch die Bild-Zeitung. Einerseits will die SPD demnach den Freibetrag bei Erbschaften erhöhen. Abgeschafft werden soll die Zehn-Jahres-Regel, nach der alle zehn Jahre in Höhe des bisherigen Freibetrags verschenkt oder vererbt werden konnte. Die SPD will ihre Reformpläne an diesem Dienstag der Öffentlichkeit vorstellen. Auch die Stiftung "Familienunternehmen und Politik" griff die Sozialdemokraten den Medien gegenüber an. "Das Modell der SPD wird am Ende uns alle schädigen und wir alle werden uns auf einem geringeren Wohlstandslevel wiederfinden", sagte Vorstand Rainer Kirchdörfer dem RND. Kirchdörfer sprach von "drastischen Steuererhöhungen", die mittlere und große Familienunternehmen beträfen. "Wenn das so kommt, würden mitten in der längsten Rezession Unternehmen noch weniger wettbewerbsfähig und private Investitionen müssten zurückgefahren werden", sagte er dem RND. Die Möglichkeit der Steuerstundung helfe den Betrieben nicht weiter, "da sich deren Bonität und deren Finanzierungsmöglichkeiten wegen der anfallenden Steuern rapide verschlechterten". Der SPD warf der Stiftungsvorstand vor, mit ihrem "Steuererhöhungskonzept aus der Mottenkiste" die Strukturkrise zu verstärken und viele Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu schwächen. Das gehe "zu Lasten von Betrieben und Arbeitnehmern." Auch Unionsfraktionsvize Mathias Middelberg hatte die Pläne des Koalitionspartners bereits kritisiert. "Das SPD-Konzept würde vor allem den familiengeführten Mittelstand massiv zusätzlich belasten", sagte der CDU-Politiker. Nach vier Jahren wirtschaftlichem Stillstand seien nicht Steuererhöhungen, sondern Steuersenkungen dringend notwendig.