Iran-Proteste: DonaldTrump kündigt 25-Prozent-Zölle für Irans Handelspartner an

Datum12.01.2026 23:40

Quellewww.spiegel.de

TLDRUS-Präsident Donald Trump kündigte an, 25-Prozent-Zölle auf den Handel mit Iran für Länder wie China, Russland und die Türkei einzuführen, um Druck auf Teheran wegen der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten auszuüben. Trump betonte, dass die Gewalt gegen Demonstranten die US-Reaktion rechtfertige und erwägt militärische Maßnahmen. Während Iran anmerkte, für Diplomatie offen zu sein, meldete die Menschenrechtsorganisation IHR von mindestens 648 Toten in den Protesten, die ursprünglich wirtschaftliche Gründe hatten.

InhaltMit neuen Strafzöllen will US-Präsident Donald Trump den Druck auf Teheran wegen der gewaltsamen Niederschlagung von Massenprotesten erhöhen. Betroffen davon wären unter anderem China, Russland und die Türkei. Für alle Länder, die Geschäfte mit Iran machen, sollen US-Zölle von 25 Prozent gelten. Das kündigte Präsident Donald Trump auf der Onlineplattform Truth Social an. Hintergrund sei demnach das gewaltsame Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte gegen die Massenproteste in dem Land. "Mit sofortiger Wirkung wird jedes Land, das Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran tätigt, einen Zollsatz von 25 Prozent auf alle Geschäfte mit den Vereinigten Staaten von Amerika zahlen", schreibt Trump. Betroffen seien unter anderem Länder wie China, Brasilien, die Türkei und Russland, die weiterhin Handel mit Iran treiben. Eine Stellungnahme ​Irans lag ‌zunächst ⁠nicht vor. Trump will früheren Medienberichten zufolge am Dienstag mit seinen Beratern das weitere Vorgehen erörtern. Es ist nicht das erste Mal, dass der US-Präsident zu solchen "indirekten" Zöllen greift. Trump hatte im Ukrainekrieg bereits Zölle von bis zu 50 Prozent auf Waren aus Indien im Zusammenhang mit Käufen von russischem Erdöl durch das Land verhängt. Zusätzliche Zölle gegen China könnten unterdessen den Handelskonflikt zwischen Peking und Washington nach relativer Ruhe wieder aufbauschen. Der US-Präsident drohte zugleich erneut mit militärischen Maßnahmen gegen die Islamische Republik, sollte diese weiterhin tödliche Gewalt gegen Demonstranten einsetzen. Diese Schwelle werde nach seiner Einschätzung inzwischen überschritten. Er und sein Sicherheitsteam prüften daher "sehr starke Optionen". Zugleich sagte Trump, Iran habe Washington Gespräche angeboten. Seine Regierung stehe in Kontakt mit Teheran, um ein Treffen vorzubereiten. "Ich denke, sie sind es leid, von den Vereinigten Staaten unter Druck gesetzt zu werden. Iran will verhandeln", sagte Trump. Teheran äußerte sich zunächst nicht direkt zu den Angaben. Außenminister Abbas Araghchi erklärte jedoch vor ausländischen Diplomaten, die Lage im Land sei "unter voller Kontrolle". Er machte Israel und die USA für die Gewalt verantwortlich und warf Washington vor, die Proteste als Vorwand für ein Eingreifen zu nutzen. Zugleich sagte er, Iran sei "offen für Diplomatie". Ein Sprecher des Außenministeriums bestätigte, dass ein Kommunikationskanal zu den USA offen bleibe, betonte jedoch, Gespräche dürften nicht einseitig geführt werden. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) wurden seit Beginn der Proteste in Iran vor zwei Wochen mindestens 648 Demonstranten getötet, andere Schätzungen gehen demnach sogar von mehr als 6000 Toten aus. Aus Teheran berichten Augenzeugen von einem Klima der Angst. Die Demonstrationen hatten Ende Dezember mit Protesten gegen die wirtschaftliche Lage begonnen und entwickelten sich zu landesweiten Kundgebungen gegen die Führung des Landes. Unterdessen kursieren im Internet Videos, die offenbar Dutzende Leichen in einer Leichenhalle am Rand der iranischen Hauptstadt zeigen. Personen mit Kenntnis der Einrichtung sowie die in den USA ansässige Organisation "Human Rights Activists News Agency" erklärten am Montag, es handele sich um das forensische Medizinzentrum Kahrizak. Auf den Aufnahmen sind Menschen zu sehen, die an Dutzenden in Säcken liegenden Leichen in einem großen Raum vorbeigehen und versuchen, diese zu identifizieren. In einigen Fällen liegen Leichen auch draußen auf blauen Planen. In Teilen des Videos ist zudem ein großer Lastwagen zu erkennen.