Datum12.01.2026 21:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm russischen Belgorod nach Angriffen auf Energieanlagen herrscht eine "katastrophale" Lage mit Ausfällen bei Strom, Heizung und Wasser. Gouverneur Gladkow berichtet von 556.000 betroffenen Menschen und warnte vor weiteren Einschränkungen. Die lokale Wirtschaft leidet stark, mehrere Einkaufszentren und über 60 Industrieunternehmen haben ihre Betriebe eingeschränkt. Behörden rufen zur Beschaffung von Stromgeneratoren auf und planen Notunterkünfte für vulnerable Gruppen. Die Angriffe sind Teil des anhaltenden Konflikts zwischen Russland und der Ukraine.
InhaltIn der Nacht zum 9. Januar kam es zu Angiffen auf Energieanlagen sowohl auf ukrainischer als auch auf russischer Seite. In der russischen Region Belgorod spricht man von einer "katastrophalen" Lage und andauernden Einschränkungen. Die westrussische Region Belgorod leidet weiterhin unter den Folgen von Angriffen auf ihre Energieinfrastruktur. Bereits den vierten Tag in Folge kommt es zu Ausfällen bei Strom, Heizung und Wasserversorgung. Nach offiziellen Angaben führten Spannungsabfälle am Montag zur Schließung mehrerer Einkaufszentren und zu Einschränkungen in Industriebetrieben. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow sprach von einer "katastrophalen" Lage. Das unabhängige exilrussische Investigativportal "Agentstvo" berichtete. Nach Beschwerden in den Kommentaren unter den Social-Media-Posts des Gouverneurs gelang es den Behörden offenbar, Strom und Wasser in den meisten betroffenen Haushalten wiederherzustellen. "Agentstvo" berichtete jedoch weiterhin über zahlreiche Ausfälle unter anderem in der Stadt Stroitel. Besonders die lokale Wirtschaft ist von der Energiekrise betroffen. Mehrere große Einkaufszentren schränkten ihren Betrieb ein oder schlossen vollständig. Nach Berichten lokaler Medien ordneten die Behörden zudem für mehr als 60 Industrieunternehmen Stromkontingente an; die Betriebe dürfen Elektrizität demnach nur noch nachts nutzen. Gladkow warnte vor einer weiteren Verschärfung der Lage. Aufgrund des hohen Energiebedarfs von Industrie und Bevölkerung sowie der Schäden an der Infrastruktur müsse mit weiteren Einschränkungen bei Strom, Wärme- und Wasserversorgung gerechnet werden. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, eigene Stromgeneratoren zu beschaffen. Für besonders gefährdete Gruppen wie bettlägerige Patienten oder Kleinkinder sollen im Bedarfsfall Notunterkünfte bereitgestellt werden. Die Krise geht auf Angriffe in der Nacht zum 9. Januar zurück, bei denen mehrere Energieanlagen in der Region getroffen wurden. In der Folge waren 556.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten, teilte Gladkow bei Telegram mit. "Ohne Wärmeversorgung ist fast die gleiche Anzahl, in erster Linie betrifft das 1.920 Mehrfamilienhäuser. Fast 200.000 Menschen sind ohne Wasser und Abwasser", sagte er in dem Video. Die Behörden hatten eine rasche Wiederherstellung angekündigt, konnten diese jedoch bislang nicht vollständig umsetzen. Russland selbst beschießt seit Kriegsbeginn systematisch das Hinterland der Ukraine und zerstört Energieanlagen. So hat Moskau in derselben Nacht zum zweiten Mal seit Kriegsbeginn auch eine Mittelstreckenrakete gegen den Nachbarn eingesetzt. Aber auch die Ukraine setzt in ihrer Verteidigung zunehmend auf Attacken gegen Objekte weit hinter der russischen Grenze. Vorwiegend zielt sie dabei auf Objekte der Öl- und Gasindustrie, um die Treibstoffversorgung des russischen Militärs zu erschweren. Dabei setzt sie normalerweise auf weitreichende Drohnen. Der Einsatz von Raketen ist selten.