Schwanau: Blumenkübel-Streit - Unternehmer Martin Herrenknecht nennt Beamte »Sesselfurzer«

Datum20.10.2025 11:11

Quellewww.spiegel.de

TLDRUnternehmer Martin Herrenknecht entfernt eigenmächtig Blumenkübel in Schwanau, die zur Verkehrsberuhigung aufgestellt wurden. Er argumentiert, dass diese die Sicherheit seiner Mitarbeiter gefährden. Die Gemeinde ist alarmiert und betont die Notwendigkeit von "Recht und Ordnung". Herrenknecht zeigt sich renitent und droht mit weiterer Entfernung neuer Kübel. Der Streit thematisiert öffentliche Ordnung, persönliche Freiheit und unternehmerische Position. Die Staatsanwaltschaft sieht bislang keine strafbaren Handlungen, da die Kübel nicht dauerhaft entzogen wurden.

InhaltDer Unternehmer Martin Herrenknecht will weiter verkehrsberuhigende Blumenkübel fortschaffen, die den Weg zu seiner Firma versperren. Die Gemeinde Schwanau ist düpiert und will "Recht und Ordnung" wiederherstellen. Im Blumenkübel-Streit von Schwanau geht es um die ganz großen Themen: öffentliche Ordnung und persönliche Freiheit, Demokratieverständnis und unternehmerische Selbstherrlichkeit. Seit der örtliche Unternehmer Martin Herrenknecht eigenmächtig mehrere von der Gemeinde zur Verkehrsberuhigung aufgestellte Pflanzenbehälter von der Straße entfernt hatte, ist der kleine Ort südlich von Offenburg in Aufregung. Rund 20 Blumenkübel hatte die Gemeinde vor rund zwei Monaten auf Durchgangsstraßen aufgestellt, die zum Werksgelände der Herrenknecht AG führen. Ein Teil der Behälter, die vor und hinter Parkbuchten aufgestellt worden waren, steht inzwischen allerdings bei Herrenknecht. Der Familienkonzern bestätigte, dass der Gründer mehrere Pflanzenbehälter entfernen ließ. Der Grund: Martin Herrenknecht ist der Meinung, dass die Blumenkübel seine Mitarbeiter auf dem Weg zur Arbeit gefährdeten. Und er gibt sich renitent: Sollte die Gemeinde auch in Zukunft auf der Installation der Behälter bestehen, würden diese erneut entfernt werden, ließ er wissen. "Die Kübel sind für mich ein rotes Tuch", sagte Herrenknecht der "Badischen Zeitung"  . "Wenn die jetzt neue Kübel da hinstellen, dann sind die am nächsten Tag alle beim Landratsamt", fuhr er fort. "Die wird der Herrenknecht wieder abbauen, damit die Sesselfurzer endlich mal merken, worum es geht in Deutschland." Das zuständige Landratsamt hatte Ende der vergangenen Woche in Offenburg mitgeteilt, die Behörde habe mit der Gemeinde ein "Möblieren" der Straße als Mittel gesehen, um den Verkehr zu beruhigen. "Solche Gestaltungselemente tragen dazu bei, das Straßenbild im Sinne der angeordneten Verkehrsregelung klar zu strukturieren und das Geschwindigkeitsniveau zu senken", sagte ein Sprecher. Das sei weiter die Auffassung der Behörde. Ob und wann wieder eine Möblierung erfolge, sei Sache der Gemeinde. Bürgermeister Marco Gutmann (parteilos) betonte laut "Badischer Zeitung", er sei zwar bereit, eine Lösung zu finden, es gebe auch bereits Ideen. "Wenn das aber nicht funktioniert, bin ich in der Pflicht, Recht und Ordnung herzustellen." Das Unternehmen Herrenknecht stellt große Tunnelbohrmaschinen her und beschäftigt etwa 5000 Menschen. Der Umsatz der Herrenknecht AG für das Jahr 2024 lag bei 1,288 Milliarden Euro. Der Stammsitz ist in Schwanau-Allmannsweier. Martin Herrenknecht ist in Südbaden wirtschaftlich und politisch bestens vernetzt. In Schwanau unterstützt er Sportvereine, in Allmannsweier stiftete er laut "Badischer Zeitung" eine Pfarrstelle. Im September zeichnete ihn die Evangelische Landeskirche in Baden für sein kirchliches und gesellschaftliches Engagement aus. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft gibt es bislang keine ausreichenden Hinweise darauf, dass Herrenknecht oder sein Unternehmen einen strafbaren Diebstahl begangen haben. Entscheidend dafür ist unter anderem, dass die Kübel nicht dauerhaft der Gemeinde vorenthalten werden sollten und der Aufenthaltsort der Pflanzbehälter jederzeit bekannt war.