Datum12.01.2026 15:49
Quellewww.zeit.de
TLDRIm Louvre und weiteren französischen Museen wird ein Zwei-Klassen-Ticketsystem eingeführt: Nicht-Europäer zahlen künftig 32 Euro statt 22 Euro, eine Preiserhöhung von 45%. Die Einnahmen sollen zur Renovierung des Louvre verwendet werden, die über eine Milliarde Euro kosten soll. Gewerkschaften kritisieren die Maßnahme und fordern den Verzicht auf die doppelte Bepreisung. Der längste Streik in der Geschichte des Museums hält an. In vielen anderen europäischen Museen gilt ein einheitlicher Preis unabhängig von der Herkunft.
InhaltMehrere französische Museen führen bei den Besucherpreisen ein Zwei-Klassen-System für Besucher ein. Im Louvre steigt der Ticketpreis für Nicht-Europäer um 45 Prozent. Nicht-Europäer müssen für den Eintritt im Pariser Louvre bald deutlich mehr bezahlen. Der Preis steigt auf 32 Euro und damit um 45 Prozent. Im Louvre und in fünf weiteren bedeutenden französischen Museen wird damit ein Zwei-Klassen-System für die Besucher eingeführt, das im internationalen Vergleich unüblich ist. Die französische Regierung plant, die daraus entstehenden Mehreinnahmen vor allem in die kostenintensive Renovierung des Louvre zu investieren. Besucher aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, also der EU sowie Norwegen, Island und Liechtenstein, betrifft die Erhöhung der Ticketpreise nicht. Ihr Eintrittspreis bleibt unverändert bei den bisher 22 Euro. Die Kosten für die Renovierung werden auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt. Durch die Erhöhung der Ticketpreise sollen pro Jahr zusätzliche 20 bis 30 Millionen Euro eingenommen werden. Außerdem wird mit einer Zunahme der Besucherzahl von derzeit rund neun auf knapp zwölf Millionen pro Jahr angenommen. Im Schloss Chambord, einem Renaissance-Bau im Loiretal, steigt der Eintrittspreis für Nicht-Europäer um 10 auf 31 Euro. Im Schloss Versailles müssen Besucher aus nicht-europäischen Staaten drei Euro mehr zahlen. Das Zwei-Klassen-Ticketsystem wird außerdem in den prunkvollen Pariser Bauten Conciergerie, Sainte-Chapelle und Opéra Garnier eingeführt. Weder in Europa noch in den USA gibt es eine vergleichbare Regelung in der Preispolitik großer Museen. Im British Museum in London ist der Eintritt für alle frei, in der Alten Nationalgalerie in Berlin, im Amsterdamer Rijksmuseum und im Prado in Madrid zahlen alle Besucher herkunftsunabhängig den gleichen Preis. Von dieser üblicherweise gleichbehandelnden Regelung gibt es weltweit nur wenige Ausnahmen. Im Metropolitan Museum of Art in New York ist Bewohnern des Bundesstaates New York etwa vorbehalten, selbst zu entscheiden, wie viel sie für ihren Eintritt bezahlen können und wollen. In Venedig können Einwohner der Stadt den Dogenpalast kostenlos besuchen. Bei der Akropolis in Athen und dem Kolosseum in Rom gilt für Europäer unter 25 Jahren freier Eintritt. Die Gewerkschaften der Louvre-Beschäftigten kritisieren die Zwei-Klassen-Preispolitik. Seit Mitte Dezember läuft der längste Streik in der Geschichte des Museums, am Montag blieb der Louvre zum zweiten Mal seit Streikbeginn am 15. Dezember komplett geschlossen. Im Forderungskatalog der Gewerkschaften steht auch "der Verzicht auf die doppelte Bepreisung, die unsere republikanische Geschichte und den zu Grunde liegenden Universalismus des Louvre-Museums mit Füßen tritt", wie es in einer Anfang Dezember von den Gewerkschaften vorgelegten Erklärung hieß. Die Gewerkschaft CFDT nannte das Preissystem "schockierend". Der seit Mitte Dezember laufende Ausstand ist der längste Streik in der Geschichte des Museums. Eigentlich sind Museen wie der Louvre laut Statut dazu verpflichtet, einer größtmöglichen Zahl an Menschen Zugang zu ihren Ausstellungen zu ermöglichen. Gleichzeitig sind sie angehalten, ihren Betrieb über die Einnahmen zu sichern. Ein Ausschuss des Internationalen Museumsrats Icom erklärte kurz nach der Louvre-Entscheidung für die Zwei-Klassen-Bepreisung, die Museen stünden "unter Druck", weil die beiden Vorgaben Zugang und Rentabilität "nicht immer einfach" vereinbar seien. Das Louvre war im Oktober vergangenen Jahres wegen eines Einbruchs, bei dem Diebe Juwelen aus Napoleons Schmucksammlung raubten, weltweit in den Schlagzeilen. Das Museum schätzte den entstandenen finanziellen Schaden zuletzt auf 88 Millionen Euro.