Wälder in Rheinland-Pfalz: Was braucht der Wald im Klimawandel?

Datum12.01.2026 14:53

Quellewww.zeit.de

TLDRRheinland-Pfalz setzt auf vielfältige Maßnahmen zum Erhalt seiner Wälder im Zuge des Klimawandels, wie die Förderung von Mischwäldern und die Renaturierung von Gewässern. Trotz einer Verbesserung des Baumbestands in den letzten Jahren sind noch 81,4 Prozent der Bäume geschädigt. Das Forschungsprogramm Klimawald 2100 soll Waldbesitzenden helfen, klimagestresste Wälder zu managen. Wetterextreme und der Wassermangel bedrohen die Baumarten, insbesondere die Buche, was zusätzliche Herausforderungen für die Waldbewirtschaftung mit sich bringt.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wälder in Rheinland-Pfalz“. Lesen Sie jetzt „Was braucht der Wald im Klimawandel?“. Mehr Mischwälder, Maßnahmen für den Erhalt von Wasser im Wald oder die Renaturierung von Gewässern: Rheinland-Pfalz setzt auf Vielfältiges, um die Wälder zu erhalten und zu stärken. Der Klimawandel stelle die Widerstands- und Regenerationsfähigkeit der Bäume im Forst aber auf eine harte Probe, erklärte Klimaschutzministerin Katrin Eder (Grüne) in Mainz bei der Präsentation des Forschungsprogramms Klimawald 2100. Das Waldmanagement müsse von der Regulation des Wasserkreislaufs bis zur nachhaltigen Holzproduktion den Anforderungen eines sich ändernden Klimas gerecht werden. Mit 43 Prozent Waldanteil ist Rheinland-Pfalz das waldreichste Bundesland. Mit rund 54.000 Beschäftigten arbeiten im Cluster Holz mehr Menschen in Rheinland-Pfalz als in der chemischen Industrie. Der Zustand des Waldes in Rheinland-Pfalz hat sich seit etwa sieben Jahren wieder verbessert. Nach den Ergebnissen des jüngsten Waldzustandsberichts sind 18,6 Prozent der Bäume ohne sichtbare Schadmerkmale. Das entspricht einem Plus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das bedeutet aber auch, dass immer noch insgesamt 81,4 Prozent der Bäume in den rheinland-pfälzischen Wäldern geschädigt sind. Vor einem Jahr lag der Wert bei 87,5 Prozent. Ursachen dafür seien neben dem Klimawandel mit mehr Trockenheit, Luftschadstoffe und Schädlingsbefall. Wald ist nicht gleich Wald. Während die Wälder in der Pfalz auf Buntsandsteinböden wachsen, die zwar viel Wasser aufnehmen, aber nur begrenzt Wasser halten können, sind die Böden im Hunsrück lehmig. Wasser kann nur langsam versickern. Es gibt Wälder in tieferen und oft flachen Gebieten und solche in höheren Lagen mit steilen Hängen. Die Waldbewirtschaftung muss daher differieren. Die Landesregierung hatte im Jahr 2022 die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) beauftragt, das Forschungsprogramm Klimawald 2100 durchzuführen. Als Ziel wurde ausgegeben, Waldbesitzenden Orientierung für das Management von klimagestressten Wäldern zu geben. Anders als bei anderen Forschungsprojekten sind dafür Versuchsflächen angelegt worden, auf denen auch über die Projektlaufzeit hinaus weitere Forschung betrieben wird. Beim Blick auf Klimaszenarien in der Zukunft gab es die Prognose, dass die Erderhitzung bis zum Jahr 2100 auf zwei Grad begrenzt bleibt. Daran anknüpfend wurde der Name des Forschungsprojektes gewählt. Die Forschenden mit FAWF-Leiter Ulrich Matthes untersuchten dabei vier Themenschwerpunkte: den Wasserrückhalt, den Umgang mit Buchen, die Artenvielfalt auf Störungsflächen sowie die Kommunikation über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald. Da sich die Verfügbarkeit und der Abfluss von Wasser im Wald auch auf die Artenvielfalt und die Vitalität unserer Hauptbaumart, der Buche, auswirken, ist das Thema Wasser zentral. Die Buche ist häufigste Baumart in den rheinland-pfälzischen Wäldern. Der Anteil liegt bei rund 23 Prozent. Danach folgen die Baumarten Eiche und Fichte. Die rheinland-pfälzischen Forstleute setzen auf Mischwälder. Diese sind resilienter, da viele Baumkrankheiten und -schädlinge auf eine Baumart spezialisiert sind. Ist eine Baumart betroffen, bleibt der Wald aufgrund der anderen Baumarten als solcher erhalten. Die unterschiedlich tiefen Wurzeln der Baumarten sorgen zudem für eine gute Bodenlockerung und damit auch für eine verbesserte Wasseraufnahme. Der Anteil der Mischwälder liegt mittlerweile bei 85 Prozent. Wetterextreme mit Starkregen nehmen zu, die Sommer werden trockener. Der Boden ist etwa in der Modellregion Soonwald oft schwer und das Wasser versickert langsam. Die Menge an Bodenwasser geht zurück, weil viel Wasser bei starken Niederschlägen, genauso wie bei ausgetrocknetem und damit kaum mehr aufnahmefähigem Boden, oberflächlich abfließt. Diese Entwicklung kann nach den Forschungsergebnissen zu mehr Hochwasser und zu weniger Trinkwassergewinnung führen. Für den Wald bedeutet es mehr Trockenstress und damit mehr Anfälligkeit für Baumkrankheiten und Schädlinge sowie verlangsamtes Wachstum. Die Umweltschutzministerin spricht sich für natürliche Maßnahmen wie die Renaturierung von Gewässern sowie den Erhalt und neue Auenlandschaften aus. Dazu sollten bauliche Instrumente wie etwa Rigolen kommen: Das sind befahrbare, aber wasserdurchlässige Wege, das Anlegen von Mulden, der Verschluss alter Entwässerungsgräben und das Ziehen von Gräben, die parallel zum Hang verlaufen, um die Fließgeschwindigkeit des Wassers bei Starkregen zu brechen. Wegen der teils kontroversen Debatten über den Klimawandel gibt es eine Verunsicherung unter den Forstleuten in Rheinland-Pfalz. Die Forstleute würden damit konfrontiert, dass ihr Erfahrungswissen und die Wahrnehmung als Waldexpertinnen und -experte von Teilen der Öffentlichkeit in Zweifel gestellt werden, berichten die Expertinnen und Experten des Forschungsprogramms. Anfeindungen wie bei Polizei oder Rettungsdiensten gebe es nicht, vereinzelt aber Fälle von Sachbeschädigung oder persönlicher Kritik an Revierleitungen. © dpa-infocom, dpa:260112-930-533367/1