Glätte in Deutschland: Flüge abgesagt, Bahn drosselt Geschwindigkeit, Staus im Berufsverkehr

Datum12.01.2026 08:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Deutschland verursachen gefrierender Regen und Glätte erhebliche Verkehrsbehinderungen. Flüge, insbesondere am Flughafen Frankfurt, wurden gestrichen, während die Deutsche Bahn die Geschwindigkeit reduziert hat, was zu Verspätungen führt. Schulen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen bleiben geschlossen oder bieten nur Distanzunterricht an, um die Sicherheit der Schüler zu gewährleisten. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor einer "unwetterartigen Glatteis-Lage" und empfiehlt, Autofahrten zu vermeiden. Winterdienste sind im Großeinsatz, um die Straßen zu räumen.

InhaltNach dem Schnee kommt die Glätte: Vielerorts in Deutschland müssen sich die Menschen auf rutschige Straßen einstellen. Auch im Bahn- und Flugverkehr kommt es zu Behinderungen. Geschlossene Schulen und Verkehrsbehinderungen: In weiten Teilen Deutschlands soll es am Montag durch gefrierenden Regen gefährlich glatt werden. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, bringt Tief "Gunda" von Westen her Schnee und später Regen, der bei eisigen Temperaturen in der Luft oder auf dem Boden gefriert. Folge sei "eine überregional unwetterartige Glatteis-Lage", sagte DWD-Meteorologe Oliver Reuter. Über die großen Ballungsgebiete in Nordrhein-Westfalen zog die Warmfront bereits in der Nacht hinweg, als auf den Straßen noch fast nichts los war. In Köln, Düsseldorf und Duisburg gab es den stärksten Regen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gegen 3 Uhr. Anschließend zog der Regen weiter nach Osten. Starken Niederschlag gab es etwa in Frankfurt am Main, Stuttgart und Hannover. Überall traf der Regen auf gefrorene Böden. Die Winterdienste waren im Großeinsatz. Man habe in mehreren Schichten die ganze Nacht hindurch vorbeugend Salz gestreut, teilten die für den Winterdienst in Köln zuständigen Abfallwirtschaftsbetriebe mit. So sollte verhindert werden, dass sich auf den Hauptverkehrsstraßen der Domstadt Glatteis bildet. Der ADAC empfahl, auf unnötige Autofahrten zu verzichten. Gerade bei Blitzeis solle man das Auto lieber stehen lassen, warnte ein Sprecher. Im Berufsverkehr ging es auf mehreren Autobahnen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nur sehr langsam voran. Im Sauerland wurde die Polizei zu einigen Unfällen alarmiert. Am Flughafen in Frankfurt am Main wurden am Morgen wegen Glätte und Schnee zahlreiche Flüge gestrichen. Von den im Tagesverlauf geplanten 1052 Flügen seien 98 annulliert, sagte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport der Nachrichtenagentur dpa. Die Zahl könne im Tagesverlauf noch steigen. Der Flughafen starte mit einem "angespannten Winterbetrieb" in den Tag. Man rechne mit erheblichen Beeinträchtigungen. Der Winterdienst sei im Einsatz, auch das Rollfeld müsse geräumt werden. Auf den Parkpositionen der Flugzeuge seien 34 Fahrzeuge zur Enteisung der Maschinen im Einsatz. Die Passagiere würden dringend gebeten, rechtzeitig vor ihrer Reise ihren Flugstatus zu prüfen und für die Anreise entsprechend der Wetterlage mehr Zeit einzuplanen. Zudem sollten sie mindestens drei Stunden vor Abflug am Terminal am Frankfurter Flughafen sein, so die Sprecherin. Der Deutsche Wetterdienst hatte für den Tag eine Unwetterwarnung vor Glatteis für Teile Hessens und mehrere weitere Bundesländer herausgegeben. Die Deutsche Bahn rechnet angesichts der angekündigten Glatteis-Lage am Montag mit Einschränkungen im Betrieb und mit Verspätungen. Man habe "vorsorglich die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf einzelnen Schnellfahrstrecken reduziert", hieß es auf der Website der Bahn. Betroffen seien zunächst die Abschnitte zwischen Hannover und Frankfurt, Wolfsburg und Berlin sowie Köln und Frankfurt. Dadurch könne es zu Verspätungen und Anschlussverlusten kommen. Alle ICE-Züge zwischen Berlin und Frankfurt würden zudem nicht in Braunschweig und Hildesheim halten, so die Bahn. Insgesamt habe man einen guten Betriebsstart am Morgen erlebt, sagte eine Sprecherin. Im Norden könne es noch zu Teilausfällen im Regionalverkehr kommen. "Insgesamt gibt es bisher keine größeren Störungen durch Glätte und Eisregen." Punktuell komme es kurzzeitig zu Beeinträchtigungen, die die Bahn-Mitarbeiter bislang aber schnell erledigen konnten. Bei den Bahnunternehmen Metronom und Enno fallen am Morgen in Niedersachsen und Hamburg einige Züge aus, wie die Unternehmen auf ihren Internetseiten mitteilten. Der Chef des für die Infrastruktur zuständigen Bahn-Unternehmens DB InfraGo, Philipp Nagl, sagte am Sonntag er gehe nicht davon aus, dass es durch die Glätte erneut so große Probleme wie am Freitag und Samstag geben könnte. Die Bahn hatte wegen des Wintersturms "Elli" den Fernverkehr im Norden Deutschlands seit Freitag zeitweise komplett eingestellt. Am Sonntagmittag fuhren rund zwei Drittel im Fernverkehr der Deutschen Bahn in Norddeutschland wieder normal, wie Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte. Im bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen bleiben die Schulen am Montag wegen der Glatteis-Gefahr ebenso geschlossen wie in Niedersachsen und in Bremen. Der Präsenzunterricht fällt aus. Die Behörden in Niedersachsen verwiesen darauf, dass ein sicherer Schülertransport nicht gewährleistet werden könne. Ausnahmen gibt es auf den ostfriesischen Inseln. In NRW werde lediglich eine Notbetreuung angeboten, teilte die Landesregierung mit. Einen zusätzlichen Tag Ferien gibt es für die Schülerinnen und Schüler deshalb aber nicht: "Es ist kein schulfrei – die Schülerinnen und Schüler müssen schon arbeiten", sagte Schulministerin Dorothee Feller (CDU) im WDR. Die Klassen seien lediglich in den Distanzunterricht geschickt worden, damit sich niemand auf dem womöglich gefährlichen Schulweg verletze. Lehrer könnten ihren Unterricht entweder per Video anbieten oder den Kindern und Jugendlichen Arbeitsmaterial zuschicken. Auch in Bremen bekommen die Schülerinnen und Schüler wegen der Blitzeis-Gefahr Distanzunterricht. In Niedersachsen entscheiden die Schulen überwiegend selbst, ob es Distanzunterricht gibt, berichtet der NDR  .