Datum12.01.2026 07:45
Quellewww.spiegel.de
TLDRFriedrich Merz stattet Indien einen mehrtägigen Besuch ab, um die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu stärken. Er wird von Ministerpräsident Narendra Modi in dessen Heimatregion empfangen und besucht eine Gedenkstätte von Mahatma Gandhi. Hauptthemen der Gespräche werden der Ausbau wirtschaftlicher Kooperationen und die schwierige Beziehung zu Russland sein, da Indien enge Kontakte zu beiden Seiten pflegt. Modi könnte dabei eine Rolle in den diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukrainekriegs spielen.
InhaltFriedrich Merz ist zu seinem mehrtägigen Besuch in Indien eingetroffen. Der Kanzler will die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen mit dem Land stärken. Heikles Thema dürfte das Verhältnis zwischen Neu-Delhi und Moskau sein. Es ist eine besondere Ehre für den Kanzler: Zum Auftakt seines zweitägigen Besuchs in Indien ist Friedrich Merz von Ministerpräsident Narendra Modi in dessen Heimatregion empfangen worden. In der Millionenmetropole Ahmedabad besuchten die beiden zuerst eine frühe Wirkungsstätte des Nationalhelden Mahatma Gandhi. Dessen "unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Freiheit und die Würde jedes Menschen inspiriert uns bis heute", schrieb der Kanzler in das Gästebuch des Ashrams, einer Meditationsstätte, in der Gandhi von 1918 bis 1930 lebte. "Dieses Menschheitserbe verbindet Inder und Deutsche als Freunde in einer Welt, die Gandhis Lehre heute wohl nötiger hat denn je." Der Pazifist Gandhi hat Indien durch gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft zur Unabhängigkeit geführt. Modi und Merz fuhren anschließend im selben Wagen zum traditionellen Drachenfestival, das den Übergang vom Winter- zum Sommerhalbjahr markiert und bei dem Tausende Papierdrachen in die Luft steigen. Erst danach beginnen die politischen Gespräche. Die Straßen der Stadt mit ihren acht Millionen Einwohnern sind gesäumt von großformatigen Plakatwänden mit den Bildern von Merz und Modi als Willkommensgruß an den Kanzler. Dass Modi den Kanzler in seiner Heimat empfängt, wird als Zeichen der besonderen Wertschätzung gesehen. Merz ist aber nicht der erste ranghohe Gast dort. Seit seinem Amtsantritt 2014 hat Modi in der für ihn so besonderen Stadt US-Präsident Donald Trump, den chinesischen Präsidenten Xi Jinping, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und den früheren japanischen Regierungschef Shinzo Abe empfangen. Bei den Gesprächen zwischen Merz und Modi wird es um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen und die Rüstungskooperation gehen. Das vielleicht schwierigste Thema wird aber Russland sein. Indien pflegt enge Beziehungen sowohl zu westlichen Partnern als auch zu Russland. Erst im Dezember war der russische Präsident Wladimir Putin in Neu-Delhi und wurde dort von Modi schon am Flughafen mit einer innigen Umarmung begrüßt. Das Land bezieht einen Großteil seines Öls aus Russland, das wiederum die Einnahmen in den Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt. Die russische Invasion hat Indien anders als die meisten anderen Länder in der Uno-Vollversammlung nicht verurteilt. Andererseits könnte Modi mit seinem Draht zu Putin an den diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukrainekriegs mitwirken. Merz dürfte über all das mit Modi sprechen.