Leute: Anna Loos will ans Brandenburger Theater - als Intendantin

Datum12.01.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRAnna Loos, Schauspielerin und ZDF-Ermittlerin, bewirbt sich um die Intendanz des Brandenburger Theaters, das sie als Kind besuchte. Sie möchte ein festes Schauspiel-Ensemble aufbauen und das Theater als kulturellen Leuchtturm revitalisieren, da sie eine Verschlechterung der Situation festgestellt hat. Trotz finanzieller Engpässe sieht sie Chancen für eine Verbesserung. Loos plant, ihre künstlerischen Projekte weiterhin mit der Theaterarbeit zu vereinbaren. Das Kulturministerium unterstützt das Theater finanziell mit etwa 5,5 Millionen Euro für 2026.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Leute“. Lesen Sie jetzt „Anna Loos will ans Brandenburger Theater - als Intendantin“. Kino, Fernsehen, Musikkarriere - jetzt hat die Schauspielerin Anna Loos neue Ambitionen. Sie will in ihrer Heimatstadt Brandenburg an der Havel Leiterin des Theaters werden, das sie als Kind selbst besuchte. "Ich habe mich Ende des vergangenen Jahres offiziell als zukünftige Intendantin beworben", sagt die 55-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Wann über die Neubesetzung am Theater entschieden wird, sagte die Stadt bislang auch auf Anfrage nicht. Loos will nach eigenen Worten an dem kommunalen Theater in Zukunft ein festes Schauspiel-Ensemble aufbauen. Das Engagement ist auch persönlich motiviert: "Ohne dieses Haus wäre ich vermutlich keine Künstlerin geworden."  Loos wurde 1970 in der heute 75.000 Einwohner großen Stadt an der Havel geboren. Dort wuchs sie auf, floh aber als 17-Jährige aus der DDR. Auch weil Familienmitglieder und Freunde dort leben, hat sie nach wie vor eine enge Verbindung zur Stadt. Die 55-Jährige, die im ZDF die Ermittlerin "Helen Dorn" spielt, lebt in Berlin und ist mit dem Schauspieler Jan Josef Liefers verheiratet.  Sie wolle Verantwortung für die Zukunft des Theaters übernehmen und es wieder zu einem kulturellen Leuchtturm der Stadt machen, sagt Loos. Die Stadt berät über eine neue künstlerische Leitung. Der frühere Intendant hatte das Haus im Sommer 2025 verlassen.  Dem Haus, das aus verschiedenen Töpfen rund zehn Millionen Euro im Jahr zur Verfügung hat, sind die Bamberger Symphoniker fest zugeordnet. Im Schauspielbetrieb werden wenige Eigenproduktionen auf die Bühne gebracht. Wie es konkret weitergehen soll, dazu hält sich die Stadt bedeckt. Das Kulturministerium äußerte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht. Auslöser für das Engagement von Loos war ihr zufolge ein Konzert mit den Brandenburger Symphonikern im Sommer 2025. "Zum ersten Mal seit vielen Jahren war ich mehrere Tage im Theater, habe dort geprobt, mich umgeschaut und Gespräche geführt", erzähle sie. "Dabei wurde sehr deutlich, wie stark dieses Haus in den letzten Jahrzehnten Federn lassen musste und abgebaut hat." Faktisch verfüge das ehemalige Vierspartenhaus, in dem sie als "Kind der DDR" Tristesse entfliehen konnte, nur noch über ein Orchester.  Aus ihrer Sicht habe sich die Situation des Theaters "kontinuierlich verschlechtert", sagt Loos. "Es werden zu wenige Tickets verkauft, es wird zu wenig Programm angeboten, das Theater verliert zunehmend sein Publikum, und die Lichter sind häufiger aus als an." Diese Entwicklung sei alarmierend und müsse dringend korrigiert werden, meint sie. Loos will ein "Sprechtheater mit eigener Handschrift" aufbauen. "Perspektivisch gehört dazu für mich auch ein festes Schauspielensemble." Denn ein Theater sei kein netter Luxus, sondern hole Menschen gerade in polarisierenden Zeiten "raus aus ihren Blasen". Es brauche diese Orte der Auseinandersetzung, in Theater wie in Konzerthallen, sagt sie. Hat sie angesichts klammer Kassen bei Land und Kommunen finanzielle Bedenken? "Die finanziellen Spielräume sind eng, das ist mir bewusst. Aber Stillstand kostet ebenfalls Geld und am Ende sogar mehr", meint Loos, die nach ihren Angaben ein Konzept für einen Neubeginn des Theaters erarbeitet hat.  Sie will Auslastung, Ticketverkauf und auch die "Legitimation öffentlicher Mittel" stärken. Das Land Brandenburg als wichtigster Geldgeber sieht nach Angaben des Kulturministeriums eine Förderung in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro für 2026 vor.  Loos ist überzeugt, dass sich eine Theater-Leitung mit Dreharbeiten vereinbaren lasse. "Unsere familiäre Situation erlaubt das. Unsere Kinder sind so gut wie erwachsen, mein Mann, Jan Josef, unterstützt mich sehr bei diesem persönlichen Anliegen."  Sie realisiere schon seit Jahren ausschließlich ausgewählte Projekte. "Dennoch muss ich genau prüfen, wie zeitintensiv diese Aufgabe tatsächlich ist, und würde meine Planung entsprechend ausrichten", sagt sie. "Ein großer Vorteil ist dabei mein sehr gutes Netzwerk, mit dem ich in diese Position gehen würde." © dpa-infocom, dpa:260112-930-531009/1