Datum12.01.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRStefan Kuntz, ehemaliger Sportvorstand beim HSV, sieht sich schweren Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegenüber, nachdem zwei Mitarbeiterinnen Beschwerden erhoben haben. Kuntz weist die Vorwürfe entschieden zurück und kündigt an, sich mit anwaltlicher Hilfe zu wehren. Der HSV-Aufsichtsrat hat eine Anwaltskanzlei beauftragt, um die Vorwürfe ernsthaft zu prüfen. Zudem fanden am Wochenende zwei Konzerte von Thees Uhlmann in der Elbphilharmonie statt, die großen Zuspruch fanden.
InhaltDie Elbvertiefung am Montag – auch mit dem Prozessauftakt im Fall "White Tiger", einer Warnung vor Glatteis und Thees Uhlmann in der Elbphilharmonie Stefan Kuntz ist ein warmherziger Gesprächspartner. Vor einem halben Jahr saß ich für ein Interview im Büro des damaligen HSV-Sportvorstands. Der Verein war gerade aufgestiegen, und das war auch sein Verdienst. Kuntz lachte viel, erzählte Anekdoten aus der Kabine, wie das Trainerteam und er es geschafft hatten, den Spielern die Angst vor dem Versagen zu nehmen. Und mehrmals zitierte er kluge Sätze seiner Ehefrau, die ihn immer unterstütze. Zum Jahreswechsel schied Stefan Kuntz plötzlich beim HSV aus. Das habe "persönliche, familiäre Gründe" (Z+). Viel mehr erfuhr die Öffentlichkeit nicht. Nun aber berichtet die "Bild"-Zeitung, schon Anfang Dezember seien intern schwere Vorwürfe gegen Stefan Kuntz aufgekommen. Zwei Mitarbeiterinnen des HSV sollen sich demnach von Kuntz sexuell belästigt gefühlt haben. Auch von noch weiteren möglichen Betroffenen ist in dem Bericht die Rede. Auf eine Anfrage meines Kollegen Daniel Jovanov reagierte Stefan Kuntz am gestrigen Sonntag nicht, veröffentlichte aber am Abend eine Mitteilung bei Instagram: Darin heißt es, die Vorwürfe würden ihn hart treffen. "Klar ist: Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück!", schreibt Kuntz. Er werde sich im Sinne seiner Familie und mit anwaltlicher Hilfe gegen die "FALSCHEN Vorwürfe und Vorverurteilungen" wehren. Der Aufsichtsrat des HSV, der die Vorwürfe prüft, will sich nicht zu dem Vorgang äußern. Vor einigen Wochen recherchierte ich intensiv in der Fanszene des HSV (Z+), und immer wieder hörte ich dort: Wichtig sei einzig die Liebe zum Spiel. Sich nur darauf zu konzentrieren, wird beim HSV jetzt nicht mehr möglich sein, und darf es auch nicht. Vorwürfe sexueller Belästigung sind keine Lappalie, nicht für mögliche Betroffene, nicht für die Beschuldigten. Wie zu hören ist, hat der Aufsichtsrat eine Anwaltskanzlei beauftragt, die den HSV-Mitarbeiterinnen in einem geschützten Rahmen zuhört und offenbar auch Stefan Kuntz befragen soll. In der Vergangenheit war der HSV-Aufsichtsrat bekannt dafür, sich in Machtspielen zu verlieren. Jetzt will das Gremium alle Vorwürfe, ob zutreffend oder nicht, unbedingt ernst nehmen und aufklären. Es wäre das einzig Richtige. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Ihr Christoph Heinemann Der Deutsche Wetterdienst warnt vor gefährlichem Glatteis am heutigen Montag. Nach Sturmtief Elli bringt eine neue Front erst Schnee und dann Regen nach Hamburg, der auf dem gefrorenen Boden zu einer Gefahr werden kann. Die Extremwetterlage am Freitag war glimpflicher verlaufen als befürchtet (Z+). Der Schulunterricht in Hamburg findet heute wieder regulär statt. Das teilte die Schulbehörde am Sonntag mit. "Aktuell liegen keine Warnhinweise vor, die eine andere Entscheidung rechtfertigen würden", hieß es. Einzig die Sporthallen seien mindestens bis Montagabend nicht nutzbar, da sie aus Sicherheitsgründen gesperrt sind. Die Erhöhung der Gebühren für den Rettungsdienst sorgt für Streit zwischen der Feuerwehr und dem Verband der Ersatzkassen (vdek). Die bei den Kassen abzurechnende Summe für den Einsatz eines Rettungswagens stieg zum Jahresbeginn um neun Prozent auf 750,37 Euro. Die vdek-Leiterin Kathrin Herbst spricht von "überhöhten Preisen" zulasten der Versicherten, die Feuerwehr weist diese Kritik zurück. Die Gebühren deckten die tatsächlichen Kosten. • In Othmarschen hat der Brand eines Stromverteilers in einer Wohneinrichtung für junge Menschen am Sonntagmorgen für einen Stromausfall in der Umgebung gesorgt. 140 Haushalte und ein nahe gelegenes Pflegeheim waren betroffen • In der Nacht zum Sonntag hat ein bislang unbekannter Täter Reizgas in einer Bar auf St. Pauli versprüht. Fünf Barbesucher wurden durch die Tat verletzt, drei von ihnen wurden in ein Krankenhaus gebracht Zum Prozessbeginn gegen den mutmaßlichen Cyberkriminellen "White Tiger" geht dessen Anwältin in die Offensive. Den Vertreter eines Opfers macht das sprachlos und wütend. Lesen Sie hier einen Auszug aus der Reportage von ZEIT:Hamburg-Redakteur Christoph Heinemann. Am Tag vor dem Prozessbeginn wurde Shahriar J. angegriffen. Zusammen mit zwei anderen Gefangenen saß der Angeklagte in einem Warteraum des Untersuchungsgefängnisses am Hamburger Holstenglacis. Das sei ein Versehen, eigentlich solle der 21-Jährige strikt isoliert werden, so bestätigt es die Hamburger Justizbehörde. "Gib mal deine Uhr", sagte offenbar bald einer der Männer. Kurz darauf schlugen beide Mitgefangenen auf Shahriar J. ein. Was genau geschah, müsse noch ermittelt werden, heißt es in der Justizbehörde. Die Angreifer wussten möglicherweise, wer Shahriar J. ist, was ihm vorgeworfen wird, so stellt es zumindest seine Verteidigerin Christiane Yüksel dar. Erst nach Minuten sei ein Vollzugsbeamter dazwischengegangen. Die Männer hätten nach Angaben ihres Mandanten noch gerufen: "White Tiger! White Tiger!" White Tiger – so soll sich Shahriar J., ein etwa 1,85 Meter großer, hagerer junger Mann, im Internet genannt haben. Nach einem Raubtier, das Jagd auf seine Beute macht, bevor es sie erlegt. 204 grausame Taten an Minderjährigen werden Shahriar J. zur Last gelegt, darunter ein Mord und fünffacher versuchter Mord. Er soll gezielt Kinder und Jugendliche im Internet angesprochen, ihr Vertrauen gewonnen und ihnen Liebe vorgespielt haben. Dann, so sieht es die Staatsanwaltschaft, hat er seine Opfer mit Nacktbildern erpresst und sie schließlich gezwungen, sich selbst zu verletzen. Ein 13 Jahre alter Junge im US-Bundesstaat Washington, der bereits psychisch labil war, nahm sich im Januar 2022 das Leben. Mehrere andere Mädchen und Jungen, die White Tiger und andere Mitglieder des pädokriminellen Netzwerkes 764 mutmaßlich über Monate gequält hatten, überlebten ihr Martyrium nur knapp. Am Freitagvormittag nun, zwei Stunden vor Prozessbeginn, steht die Verteidigerin Christiane Yüksel auf Treppenstufen im Foyer des Hamburgischen Oberlandesgerichts vor Fernsehkameras. Yüksel sagt, die anderen Gefangenen hätten Shahriar J. schlimm zugerichtet, seine linke Gesichtshälfte sei geschwollen, er klage über Schwindel und Kopfschmerzen, sei "ziemlich schockiert". Mit welcher Begründung die Verteidigerin um Mitgefühl für Shahriar J. bittet, wie der Anwalt eines Opfers darauf reagiert und warum auch schwere Ermittlungspannen in dem Fall im Raum stehen, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de. "Elbphilharmonie! Großer Saal! Die Tickets waren in kurzer Zeit vergeben, zahllose Fans gingen leer aus, Zustände wie bei Taylor Swift." Thees Uhlmann, Gründer der Gitarrenband Tomte, beendete seine Solotour am Wochenende in Hamburg vor ganz großer Kulisse. Über den beiden Konzerten hing die Frage: Verabschiedet er sich auch von der Musik? ZEIT:Hamburg-Redakteur Oskar Piegsa war dabei. In der Sammlung Falckenberg in Harburg werden rund 130 Werke von Daniel Spoerri aus der Zeit zwischen 1961 und 2023 gezeigt: "Daniel Spoerri. Ich liebe Widersprüche". Verschiedene Werkgruppen, auch selten gezeigte wie "Brotteigobjekte", sind zu sehen. Berühmt wurde Spoerri durch die "Fallenbilder", in denen er Reste des Alltags wie Spuren eines Festmahls, als Assemblagen verklebte. Damit begründete er die "Eat-Art". In der Ausstellung treten seine Kunstobjekte in Beziehung zu anderen Exponaten aus der Sammlung, zum Beispiel von Hanne Darboven, Jonathan Meese, Ray Johnson, Dieter Roth. "Daniel Spoerri. Ich liebe Widersprüche", bis 26.4.; Sammlung Falckenberg, Phoenix Fabrikhallen, Wilstorfer Straße 71. Ein Besuch ist im Rahmen einer Führung möglich oder, ohne Anmeldung, sonntags 12–17 Uhr Donnerstagvormittag im tief verschneiten Stadtpark. "Schöner als Sommer", kommt mir in den Sinn. Zwei Frauen, die mir begegnen, teile ich meine Empfindung lachend mit. "Und sanfter", sagt die eine. "Und leiser", sagt die andere. Erlebt von Horst-Dieter Martinkus Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.