Datum11.01.2026 22:09
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Krieg zwischen Russland und der Ukraine dauert mittlerweile 1418 Tage, vergleichbar mit dem sowjetischen Kampf gegen Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Ukrainischer Präsident Selenskyj betont die stagnierenden russischen Truppen im Donbass und kritisiert die hohen Verluste Russlands von mindestens 1000 Toten täglich. Er bezeichnet die russischen Angriffe auf zivile Ziele als gezielten Terror. Diese historische Parallele unterstreicht die Ineffizienz der russischen Strategie und die verheerenden Auswirkungen auf die ukrainische Bevölkerung.
InhaltDer russische Präsident Putin versucht den Angriff auf die Ukraine mitunter mit Verweisen auf die Geschichte zu rechtfertigen. Doch ein aktueller historischer Vergleich dürfte ihm gar nicht gefallen. Innerhalb weniger Tage wollte Russland zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine die Hauptstadt Kyjiw einnehmen – mittlerweile dauern die Kämpfe bereits 1418 Tage an. Damit ist der Krieg nun genauso lang wie Moskaus Kampf gegen Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Auf diese Statistik verwies neben dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die oppositionelle russische Webseite "Meduza". Sowjet-Diktator Josef Stalin hatte nach dem deutschen Überfall 1941 den "Großen Vaterländischen Krieg" ausgerufen. Die Sowjetarmee habe 1418 Tage gebraucht, errechnete die Webseite, um nach den ersten Rückschlägen gegen die Wehrmacht bis nach Berlin vorzustoßen und die Kapitulation Deutschlands zusammen mit den Alliierten zu erzwingen. Dagegen stecke die russische Armee nach 1418 Tagen Krieg in der Ukraine "seit Jahren in denselben Dörfern und Städten des Donbass fest". Russland hatte vor fast vier Jahren die benachbarte Ukraine überfallen und erwartet, die Hauptstadt Kyjiw innerhalb von wenigen Tagen zu erobern. Die Statistik fand in russischen Staatsmedien keine Erwähnung. Moskau wollte den Erfolg von damals wiederholen, sagte Selenskyj in einer Videoansprache. "Sie haben die Misshandlung von Menschen wiederholt, den Faschismus wiederholt, fast alles wiederholt, was im 20. Jahrhundert das Schlimmste war", betonte er. "Dennoch versuchen die Russen, denselben Donbass zu erobern wie vor fast vier Jahren, sie wollen erneut lügen, dass sie Kupjansk eingenommen haben." "Das sagt viel über das System aus, das (Kremlchef Wladimir) Putin aufgebaut hat, und einfach über ihn persönlich", sagte Selenskyj. Die russischen Verluste betragen nach seinen Worten derzeit mindestens 1000 Tote pro Tag. "Und damit bezahlt Russland faktisch dafür, dass der Krieg nicht endet, das ist Wahnsinn." Und dieser "russische Wahnsinn" könne nur mit vereinten Kräften gestoppt werden. Selenskyj sprach auch vom gezieltem Terror gegen die ukrainische Bevölkerung. Das russische Militär habe innerhalb der vergangenen Woche rund 1100 Drohnen, 890 gelenkte Fliegerbomben und 50 Raketen und Marschflugkörper, darunter die Mittelstreckenrakete Oreschnik, gegen die Ukraine eingesetzt, schrieb er in sozialen Netzwerken. "Auf Ziele, die keine militärische Bedeutung haben: Energieanlagen und Wohnhäuser." Seine Worte illustrierte er mit Videoausschnitten von Drohnenschäden ziviler Objekte in Kyjiw und Umland sowie in den Regionen Charkiw, Cherson, Dnipropetrowsk, Donezk, Odessa, Saporischschja und Tschernihiw. Bilder aus dem westukrainischen Lwiw, wo die Oreschnik-Rakete eingeschlagen ist, waren nicht zu sehen.