Datum11.01.2026 17:02
Quellewww.zeit.de
TLDRIrans Präsident Massud Peseschkian hat versprochen, den Sorgen der Protestierenden zuzuhören, warnt jedoch vor "Randalierern" und "Terroristen". Die Proteste dauern an, trotz Gewalt und Internetsperren, die die Kommunikation erschweren. Aktivisten berichten von mehreren Hundert Toten in 185 Städten. Reza Pahlavi ruft die Demonstrierenden zur Vorsicht auf, während Iran mit Vergeltungsschlägen gegen Israel und US-Stützpunkte droht. US-Präsident Trump offeriert Unterstützung für die Demonstranten. Israel zeigt sich besorgt über die Situation und unterstützt den Protest.
InhaltDie Regierung sollte auf die Sorgen der protestierenden Menschen eingehen, sagt Irans Staatsoberhaupt Massud Peseschkian. Zugleich sprach er abfällig über "Randalierer". Irans Präsident Massud Peseschkian hat angesichts der seit zwei Wochen andauernden Proteste beteuert, er wolle den Demonstranten zuhören. Er warnte in einem Interview des Staatsfernsehens aber vor weiteren Unruhen. "Die Menschen haben Sorgen. Wir sollten uns mit ihnen zusammensetzen und, wenn es unsere Pflicht ist, ihre Sorgen ausräumen", sagte Peseschkian. "Aber die höhere Pflicht besteht darin, nicht zuzulassen, dass eine Gruppe von Randalierern kommt und die gesamte Gesellschaft zerstört." Die Jugend des Landes dürfe sich nicht durch "Terroristen" täuschen lassen. Die iranische Bevölkerung rief Peseschkian dazu auf, "Vertrauen in unseren Willen zur Durchsetzung der Gerechtigkeit" haben. Die iranische Führung blockiert das Internet den vierten Tag in Folge. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks teilte auf X mit, die Internetsperre dauere nun seit mehr als 60 Stunden an. Es handele sich um Zensur und stelle eine direkte Bedrohung für die Sicherheit und das Wohlergehen der Iraner dar. Durch die Internetsperren und Telefonblockade will die iranische Führung in der Regel die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Außerdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste unterdrückt werden. Die Maßnahme schürt zudem die Sorge, dass die Führung in Teheran wie schon bei vergangenen Protesten das Blackout nutzen könnte, um die Demonstrationen brutal niederzuschlagen. Die Massenproteste im Iran halten trotz der wachsenden Zahl von Getöteten und exzessiver Drohungen des Sicherheitsapparats an. Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 185 Städte ausgeweitet. Menschenrechtsorganisationen zufolge gab es mittlerweile schon Hunderte Tote. Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, äußerte sich in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung gemäßigter als zuvor. "Ich bitte Sie alle, sich mit Ihren Freunden und Familienangehörigen in Gruppen auf die Hauptstraßen der Städte zu begeben", sagte Pahlavi laut einer englischen Übersetzung seiner Rede, die auf X veröffentlicht wurde. "Trennen Sie sich unterwegs nicht voneinander oder von der Menschenmenge, und nehmen Sie keine Seitenstraßen, die Ihr Leben gefährden könnten." Die Führung des Iran drohte mit Vergeltungsschlägen gegen Israel und US-Stützpunkte im Falle eines amerikanischen Angriffs. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warnte die Vereinigten Staaten vor einer "Fehlkalkulation". Jede Attacke der USA werde zu Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte als "legitime Ziele" führen. Israel ist angesichts einer möglichen US-Intervention im Iran in höchster Alarmbereitschaft. US-Präsident Donald Trump drohte jüngst wiederholt mit einer Intervention und warnte die Führung in Teheran davor, Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Am Samstag erklärte er, die USA seien "bereit zu helfen". Auch Israel beobachtet genau, wie sich die Proteste im Iran entwickeln. "Das israelische Volk und die ganze Welt sind voller Bewunderung für den enormen Heldenmut der iranischen Bürger", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er verurteilte die Tötung von Zivilisten und äußerte die Hoffnung, die Beziehungen zwischen Israel und Iran wieder aufbauen zu können, sobald das Land "vom Joch der Tyrannei befreit" sei. Über aktuelle Entwicklungen informieren wir im Liveblog