Datum11.01.2026 12:59
Quellewww.zeit.de
TLDRIm Iran dauern die Proteste gegen die autokratische Führung nun seit zwei Wochen an, mit mindestens 192 Toten und über 2.600 Festnahmen, laut Menschenrechtsorganisationen. Ursprünglich durch Inflation ausgelöst, richten sich die Proteste auch gegen das Regime. Berichte aus überfüllten Krankenhäusern zeugen von schweren Verletzungen durch Polizeigewalt, während die iranische Führung das Internet abgeschaltet hat, um die Situation zu kontrollieren. Der Parlamentsführer bezeichnete die Proteste als von den USA inszenierten terroristischen Krieg.
InhaltÜber zwei Wochen dauern die Proteste gegen die Führung im Iran nun an. Laut Menschenrechtlern stieg die Zahl der getöteten Demonstrierenden auf mindestens 192. Bei den Protesten gegen die autokratische Führung im Iran sind Menschenrechtlern zufolge mittlerweile mindestens 192 Menschen getötet worden. Die in Norwegen ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) teilte mit, habe sie diese Zahl bestätigen können. Seit rund zwei Wochen kommt es im Iran zu landesweiten Protesten. Sie hatten sich in der Hauptstadt Teheran zunächst an der steigenden Inflation entzündet, dann aber rasch ausgeweitet und richten sich nun auch gegen die autokratische Führung des iranischen Regimes. Die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency (HRANA) sprach zuletzt von mindestens 116 getöteten Demonstrierenden. Mehr als 2.600 weitere seien festgenommen worden, berichtete die Organisation, die sich bei ihrer Berichterstattung auf ein Netzwerk von Aktivisten innerhalb des Irans stützt. Einem Bericht des britischen Senders BBC zufolge sind die Krankenhäuser im Iran aufgrund des gewaltsamen Vorgehens der iranischen Führung gegen die Demonstranten mit toten und verletzten Protestierenden überfüllt. Zwei medizinische Mitarbeiter berichteten demnach von Patienten mit Schusswunden sowohl von scharfer Munition als auch von Schrotkugeln. Ein Sanitäter sprach von direkten Schüssen auf Köpfe und Herzen der Protestierenden. Eine Krankenhausmitarbeiterin in Teheran beschrieb dem Bericht zufolge "sehr schreckliche Szenen". Es habe so viele Verletzte gegeben, dass das Personal keine Zeit gehabt habe, um Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen. Für die Anzahl der Toten sei in der Leichenhalle nicht genug Platz gewesen, weshalb man sie zunächst übereinander und später im Gebetsraum übereinander habe stapeln müssen, berichtete die Mitarbeiterin. Bei vielen der Getöteten habe es sich um junge Menschen zwischen 20 und 25 Jahren gehandelt. Da die iranische Führung seit nun mehr als 60 Stunden das Internet im Iran abgeschaltet und Telefonverbindungen unterbrochen hat, ist ein Einblick in die Lage vor Ort es aus dem Ausland zunehmend schwierig. Das iranische Staatsfernsehen berichtete stattdessen über Opfer unter den Sicherheitskräften und betonte die Kontrolle des Staates über das Land. Der iranische Parlamentsführer Mohammad Bagher Ghalibaf bezeichnete die Massendemonstrationen gegen die iranische Führung bei einer im iranischen Staatsfernsehen übertragenen Rede zuletzt als einen von den USA inszenierten terroristischen Krieg gegen das Land. Teilnehmer an "Terrorakten" würden mit Gewalt verfolgt und die bei den Unruhen Festgenommenen bestraft, kündigte Ghalibaf weiter an. Alle aktuellen Entwicklungen der Proteste lesen Sie in unserem Liveblog.