Datum11.01.2026 12:22
Quellewww.zeit.de
TLDRCDU und SPD haben den Wahlkampf für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern eröffnet. CDU-Chef Daniel Peters strebt einen Politikwechsel an, während SPD-Chefin Manuela Schwesig Stabilität und Verlässlichkeit verspricht. Beide Parteien lehnen die AfD ab. Peters wurde mit 97,3 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt, während Schwesig ihre Partei auf einen intensiven Wahlkampf einstimmte. Umfragen zeigen die AfD mit 38 Prozent vorne, gefolgt von der SPD (19 Prozent) und der CDU (13 Prozent).
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wahlkampf“. Lesen Sie jetzt „SPD und CDU eröffnen Wahlkampf-Jahr in MV“. CDU-Chef Daniel Peters strebt einen Politikwechsel in MV an, SPD-Chefin Manuela Schwesig verspricht Stabilität und Verlässlichkeit. Einig sind sich beide in der Ablehnung der AfD. Bei Parteitreffen zum Auftakt des Landtagswahljahres in Rostock (CDU) und Güstrow (SPD) schlugen die Landesvorsitzenden der beiden großen Parteien der Mitte inhaltliche Pflöcke ein und riefen ihre jeweiligen Leute zu Geschlossenheit und Selbstbewusstsein auf. Peters wurde beim CDU-Parteitag mit 97,3 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt. Vor den rund 150 Delegierten machte er seinen Anspruch klar: "Ich will Ministerpräsident werden." Erklärtes Ziel der Christdemokraten ist es, stärker als die SPD zu werden. Schwesig schwor ihre Partei bei einem Treffen mit den SPD-Direktkandidaten und deren Teams auf den härtesten Wahlkampf in der Geschichte der Landes-SPD ein. "Ich bitte euch, lasst euch nicht verunsichern, auch nicht von den Umfragen", sagte die Ministerpräsidentin, die das Land nach der Landtagswahl am 20. September weiter führen möchte. Bei der bisher letzten veröffentlichten Wahlumfrage aus dem September lag die AfD mit 38 Prozent weit vorn. Die SPD folgte mit deutlichem Abstand mit 19 Prozent, die CDU lag bei 13 Prozent. Die Linke kam bei der Sonntagsfrage auf 12 Prozent, das BSW auf 7 und die Grünen auf 5 Prozent. Schwesig erinnerte an das Jahr 2021, als der jetzige Landtag gewählt wurde. Im Mai 2021, noch in der Corona-Pandemie mit schweren, auch unpopulären Entscheidungen, habe die SPD bei 23 Prozent gelegen, sagte sie. Die wenigsten hätten damals geglaubt, dass die Sozialdemokraten bei der Wahl im Herbst 39 Prozent erreichen und stärkste Kraft werden würden. "Doch wir sind uns treu geblieben, wir waren bei unseren Themen und wir haben vor allem gekämpft", rief die Parteichefin den Kandidaten und ihren Teams zu. "Und wir haben die Menschen am Ende überzeugt." Sie sei sehr zuversichtlich, dass dies auch dieses Jahr gelingen könne – auch wenn sich die Lage noch einmal erschwert habe. Schwesig kündigte mit Blick auf den Hauptgegner AfD an, dass sich die SPD im bevorstehenden Wahlkampf öffnen wolle "für eine gemeinsame demokratische Bewegung aller Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, unabhängig davon, ob sie per se SPD wählen". Sie hoffe auf diese Bewegung, die sich dafür einsetzen solle, dass nach der Landtagswahl im Nordosten demokratische Verhältnisse herrschten. "Denn gerade wir hier in Mecklenburg-Vorpommern wissen ganz genau, wie weit man mit Diktaturen kommt und wie weit man in einer Demokratie kommt", so Schwesig. Komme die AfD an die Macht, werde das Land unfreier und unsozialer. "Und dagegen kämpfen wir." Auch CDU-Chef Peters bekräftigte in Rostock seine Ablehnung der AfD. "Mit solchen Leuten kann man kein Land regieren", sagte er. Die AfD verunglimpfe alles Fremde. Die Funktionäre lebten im Umgang mit Rechtsradikalen und Extremisten und könnten keine Partner für die CDU sein. Die CDU stehe als einzige Partei für die politische Mitte und nach der Wahl weder für eine Koalition mit der "Chaos-AfD" noch mit der Linken zur Verfügung, die sich weiter radikalisiere, sagte der 44-Jährige. Peters stellte in Rostock einen Neun-Punkte-Plan mit zentralen Themen für den Landtagswahlkampf vor. Das seien Mindestanforderungen, die die CDU verbindlich umsetzen werde, sagte er. Zu den Kernpunkten zählt unter anderem eine Unterstützung junger Familien beim Kauf selbstgenutzter Wohnimmobilien von 15.000 Euro pro Kind über einen Zeitraum von zehn Jahren. Zudem soll eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen eingerichtet werden, in der alle wichtigen Behördengänge gebündelt erledigt werden können. Weiter sollen Gendersternchen in der öffentlichen Verwaltung abgeschafft, soziale Medien für Kinder und Jugendliche erst ab 13 Jahren verfügbar sein und private Handys an Schulen bis zur 10. Klasse verbannt werden. Auch müsse dafür gesorgt werden, dass junge Menschen früh gefördert würden, denn viele Kinder starteten mit Sprachdefiziten in die Schule. Das sei unfair für die Kinder und die Lehrkräfte, so Peters. Notwendig sei deshalb ein verpflichtender Entwicklungstest mit viereinhalb Jahren mit verbindlicher Sprachförderung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte in einer Video-Grußbotschaft, die CDU habe gezeigt, dass sie Wahlen gewinnen könne - wenn sie geschlossen und entschlossen zusammenspiele, ob in Europa, im Bund, in den Bundesländern, oder in Kommunen. Und es mache einen Unterschied, wenn die CDU regiere, ob in Berlin oder in Schwerin. Merz wird auch im MV-Wahlkampf erwartet. Der Termin 6. Juni steht bereits fest. Dann sollen bei einem Landesparteitag die programmatischen Punkte des Wahlprogramms final festgezurrt werden. Bei der Landesdelegiertenversammlung in Rostock war auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales, Philipp Amthor, anwesend. Auf die Listenplätze zwei bis zehn wählten die Delegierten auf Vorschlag des Landesvorstandes folgende Politiker: Katy Hoffmeister, Franz-Robert Liskow, Sebastian Ehlers, Ann Christin von Allwörden, Harry Glawe, Marc Reinhardt, Jeanette von Busse, Torsten Renz und Wolfgang Waldmüller. Thomas Diener zog seine Kandidatur für Listenplatz 14 zurück. Eine Kampfabstimmung gab es um Platz 12, bei der sich Thomas Grote (56) aus dem Kreisverband Nordwestmecklenburg gegen Kenny Grafenhorst (37) aus Rostock durchsetzte. Bei der letzten Landtagswahl reichte das Wahlergebnis der CDU für 13 Abgeordnete im Schweriner Landtag. © dpa-infocom, dpa:260111-930-528543/1