Datum11.01.2026 04:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Rheinland-Pfalz verzögert sich die landesweite Einführung des islamischen Religionsunterrichts aufgrund eines Lehrkräftemangels. Obwohl ein Modellprojekt an 31 Schulen mit über 2.900 Schülern erfolgreich läuft, sind weitere qualifizierte Lehrkräfte nötig. Bildungsminister Sven Teuber betont die Notwendigkeit von Ausbildungsprogrammen an der Universität Koblenz. Der Unterricht, der ein neues benotetes Fach für rund 50.000 muslimische Schüler darstellen soll, verfolgt das Ziel, Offenheit und Toleranz zu fördern und wird von mehreren islamischen Verbänden unterstützt.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Bildung“. Lesen Sie jetzt „Lehrkräftemangel bremst islamischen Religionsunterricht aus“. Die landesweite Einführung eines islamischen Religionsunterrichts in Rheinland-Pfalz lässt auf sich warten. Das Land und die Islamverbände arbeiten konstruktiv zusammen an den Lehrplänen und Unterrichtsinhalten. Als Nadelöhr entpuppt sich jedoch die noch nicht ausreichend vorhandene Zahl von Lehrkräften, um das Fach flächendeckend anzubieten. "Der Bedarf ist da", sagte Bildungsminister Sven Teuber (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Das Modellprojekt für die Einführung des islamischen Religionsunterrichts laufe gut an. Das Angebot werde als bereichernd wahrgenommen. "Wir kommen jetzt auch dahin, dass wir viel stärker miteinander in den Austausch treten können." Wann es den Start für eine landesweite Einführung des islamischen Religionsunterrichts gibt, sei aber noch offen, berichtete Teuber. "Wir müssen auch die Lehrkräfte für den Unterricht haben." Es gebe eine Nachfrage nach Qualifizierung und der Hochschulausbildung an der Universität. "Wir sehen das Potenzial, dass es auch breiter in die Fläche gehen kann." Um genügend Lehrkräfte und damit auch gemeinsame Standards für den Unterricht zu haben, benötige es aber noch Zeit. In Rheinland-Pfalz läuft derzeit ein Modellprojekt mit islamischem Religionsunterricht an 31 Schulen mit mehr als 2.900 Schülerinnen und Schülern. Die eingesetzten Pädagoginnen und Pädagogen sind über Weiterbildungen qualifiziert worden. Voraussetzung ist, dass die Lehrkräfte muslimischen Glaubens sind. Beim Modellversuch wird der Unterricht von der ersten bis zur zehnten Klasse erteilt. Das soll zunächst auch bei dem landesweiten Unterricht der Fall sein. Die meisten teilnehmenden Kinder (2.350) sind im Grundschulbereich. Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Die am islamischen Religionsunterricht beteiligten Religionsgemeinschaften bildeten im Frühjahr 2025 eine Kommission, um gemeinsam mit dem Land über die Unterrichtsinhalte zu sprechen. In diese Beratungen würden auch die Praxiserfahrungen aus dem Modellversuch einfließen, sagte Teuber. Das Land und die vier Islamverbände - die islamische Religionsgemeinschaft Ditib Rheinland-Pfalz, die Schura Rheinland-Pfalz Landesverband der Muslime, der Landesverband islamischer Kulturzentren Rheinland-Pfalz (LVIKZ) und Ahmadiyya Muslim Jamaat - hatten sich Ende des Jahres 2024 nach langjährigen Verhandlungen über einen islamischen Religionsunterricht in Rheinland-Pfalz geeinigt. Derzeit überprüfen Ditib und Schura nach eigenen Angaben die bestehenden Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien für den islamischen Religionsunterricht. "Unser Ziel ist es, den bisherigen Unterricht möglichst ohne größere Veränderungen fortzuführen", teilte die Landesgeschäftsführerin der islamischen Religionsgemeinschaft Ditib, Canan Üstündağ, auf dpa-Anfrage mit. Genaueres über die Inhalte könne erst nach Abschluss der Überprüfung berichtet werden. Mit Blick auf die landesweite Umsetzung stelle der Lehrermangel die größte Herausforderung dar, berichtete auch die Landesgeschäftsführerin. Die geplante Einrichtung der Lehrerausbildung für den islamischen Religionsunterricht an der Universität Koblenz werde jedoch langfristig Abhilfe schaffen - auch wenn es bis zu den ersten Absolventinnen und Absolventen noch einige Jahre in Anspruch nehmen werde. Rund 50.000 muslimische Schülerinnen und Schüler gibt es in Rheinland-Pfalz. Mit dem islamischen Religionsunterricht soll es für diese Kinder und Jugendlichen künftig ein neues benotetes Fach in der Schule geben. Die Bildungsgewerkschaft GEW unterstützt die Pläne. Die Einführung sei überfällig, sagte der GEW-Landesvorsitzende Stefan Jakobs der dpa. Ein strukturiertes Unterrichtsfach mit einem eindeutigen Curriculum, das in einer fachdidaktischen Kommission entwickelt werde, sei deutlich besser, als wenn ungefiltert und ohne Einblick von öffentlicher Seite etwas in Moscheen und Koranschulen gelehrt werde. Dass die künftigen Lehrkräfte an der Universität Koblenz in der Verantwortung des Staates ausgebildet werden, stärke auch das Renommee des Hochschulstandorts, erklärte Jakobs. Der Unterricht im Modellprojekt ist bekenntnisorientiert und sunnitisch geprägt. Er folgt der Innenperspektive des klassischen Religionsunterrichts. Ziel ist unter anderem die Stärkung von Offenheit, Toleranz und Dialogfähigkeit auf Grundlage der eigenen Religion. In Rheinland-Pfalz leben insgesamt rund 200.000 Musliminnen und Muslime. Sie bilden neben den beiden christlichen Kirchen die drittgrößte religiöse Gemeinschaft. © dpa-infocom, dpa:260111-930-527028/1