Nicolás Maduro: Venezuelas abgesetzter Staatschef sendet laut Sohn Lebenszeichen aus US-Gefängnis

Datum11.01.2026 03:19

Quellewww.spiegel.de

TLDRNicolás Maduro, der abgesetzte venezolanische Präsident, sitzt seit einer Woche in einem US-Gefängnis. Sein Sohn verbreitete eine Botschaft, in der Maduro sagt: "Uns geht es gut. Wir sind Kämpfer." Er wurde während eines US-Militäreinsatzes festgenommen und erwartet einen Prozess wegen "Drogenterrorismus." Während Proteste seiner Anhänger in Venezuela nur schwach besucht waren, suchte die Regierung nach diplomatischen Beziehungen zu den USA. US-Präsident Trump plant eine langfristige Präsenz in Venezuela, um das venezolanische Öl zu kontrollieren.

InhaltSeit einer Woche sitzt Nicolás Maduro in New York in Haft. Nun verbreitet sein Sohn eine Botschaft des geschassten venezolanischen Präsidenten. Die ist kurz und bündig. Der bei einem US-Militäreinsatz entmachtete und in den USA inhaftierte venezolanische Staatschef Nicolás Maduro hat sich nach Angaben seiner Familie aus dem Gefängnis zu Wort gemeldet. "Uns geht es gut. Wir sind Kämpfer", zitierte Nicolás Maduro Guerra seinen Vater in einem Video, das am Samstag (Ortszeit) von Venezuelas Regierungspartei PSUV veröffentlicht wurde. "Seid nicht traurig", sagte Maduro demnach seinen Anwälten im Gefängnis in New York. Maduro und seine Frau Cilia Flores waren vor gut einer Woche bei einem US-Militäreinsatz in Caracas gefangen genommen und in die USA gebracht worden. Dem langjährigen linksnationalistischen Präsidenten soll dort wegen "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden. Anhänger Maduros forderten am Samstag die Freilassung des gestürzten Präsidenten. Allerdings versammelten sich bei den Protesten im Westen der Hauptstadt Caracas nur rund 1000 Menschen, einige Hundert Protestteilnehmer kamen zudem im nahe gelegen Petare zusammen – weitaus weniger als bei früheren von Maduro-Unterstützern organisierten Demonstrationen. Hochrangige Regierungsvertreter traten bei den Demonstrationen dagegen nicht auf. Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez nahm stattdessen an einer Landwirtschaftsmesse teil, wo sie in einer Fernsehansprache zusicherte, sie werde "keine Minute ruhen, bis wir unseren Präsidenten wiederhaben". Auch Innenminister Diosdado Cabello und Verteidigungsminister Vladimir Padrino López fehlten bei den Protesten. Venezuelas Außenminister Yván Gil hatte am Samstag unter Bezugnahme auf die USA mitgeteilt, die Regierung in Caracas habe einen Prozess eingeleitet, "um die diplomatischen Beziehungen der beiden Länder wiederherzustellen. Das US-Außenministerium forderte unterdessen seine Bürger in Venezuela auf, das Land "unverzüglich" zu verlassen. Es verwies dabei am Samstag auf die Gefahr durch bewaffnete Milizen, die an Straßensperren Fahrzeuge nach US-Bürgern durchsuchten. "Die Sicherheitslage in Venezuela bleibt weiterhin unbeständig", erklärte das Ministerium in einer Sicherheitswarnung. Viele Demokraten werfen US-Präsident Donald Trump vor, Venezuela nur wegen seiner Ölreserven angegriffen zu haben. Die Festnahme von Maduro wegen angeblicher Drogendelikte sei nur ein Vorwand gewesen. Nach dem Angriff scheint sich Trump auf eine längere Präsenz in dem südamerikanischen Land einzurichten. Die US-Aufsicht wolle er so schnell nicht abgeben, sagte er in einem Interview ⁠mit ‍der "New York Times"  . "Nur die Zeit ‌wird es zeigen", antwortete er über die Dauer der US-Präsenz. Auf die Frage, ob es sich um drei Monate, sechs Monate, ​ein Jahr oder länger handeln ‌werde, sagt ⁠Trump: "Ich würde sagen, viel länger." Die USA hatten angekündigt, den venezolanischen Ölverkauf "auf unbestimmte Zeit" in ihre Hand zu nehmen. Gleich nach der Festnahme von Maduro hatte Trump für das Land Milliardeninvestitionen vonseiten der amerikanischen Ölkonzerne versprochen. Venezuela sitzt schließlich laut der amerikanischen Energiebehörde EIA mit 303 Milliarden Barrel auf dem größten Rohölvorkommen der Welt. Nach Einschätzungen von Experten wären Investitionen in Höhe von bis zu 100 Milliarden US-Dollar nötig, um die venezolanische Ölindustrie wieder auf den Stand der Technik zu bringen und die Produktion anzukurbeln. Mehrere große US-Ölkonzerne zeigten sich trotz Drucks aus dem Weißen Haus zuletzt skeptisch, ob sie angesichts der maroden Infrastruktur und der heiklen Sicherheitslage derartige Summen beisteuern wollen. Der US-Präsident hat die großen Ölkonzerne ins Weiße Haus geladen. Er verspricht Sicherheitsgarantien, damit sie in Venezuela aktiv werden. Doch deren Interesse bleibt lauwarm – lesen Sie hier mehr in der Analyse.