Datum20.10.2025 00:27
Quellewww.spiegel.de
TLDRAndrea Sawatzki spricht offen über ihre traumatische Kindheit, in der sie als Elfjährige ihren an Demenz erkrankten Vater pflegen musste. Der Journalist Günther Sawatzki zeigte aggressive Verhaltensweisen, was bei ihr Angst und Hass hervorrief. Ihr Vater starb 1978, was ihr gleichzeitig ein Gefühl des Glücks bescherte. Die Schauspielerin verarbeitet ihre Erfahrungen in ihren Romanen "Brunnenstraße" und "Biarritz". Heute hat sie zwei Söhne und lebt in Berlin, mit denen sie ihre Kindheitserlebnisse besser bewältigen konnte.
InhaltLange sollte es niemand erfahren, doch heute spricht die Schauspielerin Andrea Sawatzki immer offener darüber: wie es ist, schon als Kind den an Demenz erkrankten Vater zu pflegen. Die Schauspielerin Andrea Sawatzki, 62, spricht immer offener über ihre traumatische Kindheit – ein Kapitel ihres Lebens, das sie nach eigenen Angaben jahrzehntelang verdrängt hatte. Ihr Vater, der Journalist Günther Sawatzki, erkrankte früh an Alzheimer. Die spätere "Tatort"-Kommissarin war erst elf Jahre alt, als sie die Rolle der Pflegerin übernehmen musste, wie sie in einem Interview mit der "Zeit" berichtet. Während ihre Mutter als Nachtschwester arbeitete, kümmerte sich das Mädchen meist allein um den demenzkranken Mann, der teils aggressiv und unberechenbar sein konnte. "In den Jahren, als ich ihn pflegen musste, war da irgendwann nur noch Angst und Widerwille. Und auch Hass", erinnert sich Sawatzki in der "Zeit". In dem Interview beschreibt die Schauspielerin zahlreiche Gewaltausbrüche des Vaters. Als dieser 1978 starb, habe sie ein unbeschreibliches Glücksgefühl überkommen: "Wenn das Hass war, was ich empfand, dann habe ich meinen Vater unermesslich gehasst. Ohne die Krankheit hätte ich ihn sicher genauso sehr lieben können." Später habe sie viele Jahre Angst davor gehabt, Mutter zu werden. "Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht lieben kann", sagt sie der "Zeit". "Es war wohl auch die Angst, wieder eingeschlossen zu werden in so eine Wohnung." Ohne ihre Kinder wäre sie nicht imstande gewesen, diese Phase ihres Lebens zu verarbeiten, so Sawatzki. Ihre Kindheit hat sie in den Romanen "Brunnenstraße" (2022) und "Biarritz" (2025) verarbeitet. Mit dem Schauspieler Christian Berkel, 67, hat sie zwei erwachsene Söhne und lebt in Berlin.