Datum10.01.2026 16:53
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Thüringen wurden im vergangenen Jahr 56 amtlich bestätigte Angriffe von Wölfen auf Nutztiere verzeichnet, ein signifikanter Anstieg im Vergleich zu 20 Fällen im Vorjahr. Die Zahl der dauerhaft lebenden Wölfe im Bundesland liegt bei mindestens 25, mit sechs offiziellen Wolfsterritorien. Eine Gesetzesvorlage zur Regelung des Wolfsbestands wird diskutiert, erntet jedoch Kritik vom Naturschutzbund, der vor negativen Folgen eines möglichen Abschusses warnt. Wölfe gelten bisher als streng geschützt und dürfen nur in Ausnahmefällen gejagt werden.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wildtiere“. Lesen Sie jetzt „Der Wolf war's: 56 Angriffe auf Nutztiere amtlich bestätigt“. Wölfe haben in Thüringen im vergangenen Jahr in bislang 56 amtlich bestätigten Fällen Schafe und andere Nutztiere getötet. Das geht aus einer Übersichtstabelle des Umweltministeriums hervor. Im Jahr davor waren es der entsprechenden Risstabelle zufolge rund 20 Fälle gewesen. Die Tiere griffen nicht nur Schafe und Ziegen, sondern in manchen Fällen etwa auch in Gattern gehaltene Mufflons und Damhirsche an. Thüringen zahlt Schäfern und anderen Nutztierhaltern unter bestimmten Voraussetzungen Schadenersatz, wenn Wölfe Weidetiere töten. Die Zahlen der amtlich bestätigten Wolfsangriffe auf Nutztiere schwanken von Jahr zu Jahr: 2023 waren es der Tabellenübersicht nach knapp 15 gewesen, 2022 rund 35. Auch die Zahl der dauerhaft im Bundesland Wölfe ändert sich regelmäßig. Inzwischen leben nach Expertenschätzungen zufolge mindestens 25 Wölfe fest in Thüringen. Im Dezember teilte das Umweltministerium mit, dass es mit einem neuen Gebiet in Ostthüringen inzwischen insgesamt sechs offizielle Wolfsterritorien gibt. Wölfe gelten bislang als streng geschützt und dürfen nur in absoluten Ausnahmefällen gejagt werden. Allerdings hatte die Bundesregierung im Dezember einen Gesetzesentwurf vorgelegt, mit dem der Wolf in das Bundesjagdgesetz aufgenommen werden soll. Der Entwurf sieht vor, dass die Bundesländer künftig ein regionales Bestandsmanagement umsetzen können. In Regionen mit hohen Wolfsbeständen, in denen ein günstiger Erhaltungszustand der Art festgestellt wurde, soll die Zahl der Tiere über Abschüsse reguliert werden können. Dieser Gesetzesentwurf muss allerdings erst noch im Bundestag beraten und dann dort verabschiedet werden. Der Naturschutzbund (Nabu) Thüringen kritisiert das Vorhaben scharf. Sie sehen etwa eine Gefahr darin, durch einen wahllosen Abschuss von Wölfen die Rudelstrukturen der Tiere zu zerstören. Dies könne wiederum zu mehr Angriffen auf Weidetiere führen. "Dabei müssten sich gerade Jäger und Waldbesitzer über die Rückkehr von Wölfen und Luchsen freuen, denn die Tiere können effektiv helfen, den Wildbestand zu steuern und damit den Wildverbiss bei Bäumen zu reduzieren", erklärte jüngst etwa Silvester Tamás, der Wolfsexperte des Nabu Thüringen. Wildverbiss bedeutet, dass Rehe, Hirsche und andere Wildtiere an Pflanzen, Trieben und Knospen, fressen und so etwa das Waldwachstum beeinträchtigen können. © dpa-infocom, dpa:260110-930-526192/1