Ski alpin: Lindsey Vonn siegt in Zauchensee und kommt immer besser in Form

Datum10.01.2026 15:36

Quellewww.spiegel.de

TLDRLindsey Vonn gewann die Abfahrt in Zauchensee und zeigte, dass sie in Topform ist, einen Monat vor den Olympischen Spielen. Trotz angekündigter Vorsicht fuhr sie mit fast fehlerfreier Leistung und sicherte sich ihren zweiten Saisonsieg. Die Deutsche Emma Aicher erreichte den sechsten Platz. Vonn profitierte von der Zusammenarbeit mit Trainer Aksel Lund Svindal, der ihre Technik optimiert. Eine Verletzung der Österreicherin Magdalena Egger überschattete das Rennen. Am Sonntag folgt ein Super-G, in dem Vonn erneut als Favoritin gilt.

InhaltSie hatte angekündigt, nicht Vollgas zu fahren – und raste dann zum Abfahrtssieg in Zauchensee: Bei der Show der US-Amerikanerin Lindsey Vonn zeigte auch die Deutsche Emma Aicher ihre Klasse. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Die Spielchen beginnen: Niemand verbindet herausragendes Skifahren und eine perfekte Show so sehr wie Lindsey Vonn. Die vielleicht schillerndste Skifahrerin der Geschichte kehrte in der Vorsaison in den Weltcup zurück, damals war ihr die lange Zeit ohne Wettkampf nach ihrem Rücktritt noch anzumerken. Mittlerweile ist sie in Topform – und beginnt einen Monat vor den Olympischen Spielen schon mit den Pokerspielchen. "Ich warte auf Februar. Ich habe trainiert, ich bin schnell, aber ich bin nicht am Limit", sagte sie vor der Abfahrt im österreichischen Zauchensee. Das wichtigste für sie sei es, sturzfrei zu bleiben. Das Ergebnis: Fährt Vonn also mit Handbremse? Nicht so ganz. Mit Startnummer 6 zeigte sie eine nahezu fehlerfreie Fahrt, ging in Führung und wurde auch nicht mehr verdrängt. Hinter Vonn landete die Norwegerin Kajsa Vickhoff Lie auf Rang zwei vor Vonns Teamkollegin Jacqueline Wiles. Die beste Deutsche war Emma Aicher auf Rang sechs, Kira Weidle-Winkelman wurde Zwölfte, Fabiana Dorigo beendete das Rennen auf Platz 48. Für Vonn war es der zweite Saisonsieg, dreimal stand sie zudem auf dem Podest. Bleibt sie fit, reist sie die 41-Jährige als Favoritin zu den Olympischen Spielen im Februar in Cortina. Der Trainer und der Superstar: Dass Vonn in dieser Saison wieder um Siege kämpft, liegt auch an einer offenbar sehr fruchtbaren Zusammenarbeit. Im Sommer holte Vonn den ehemaligen Weltklasse-Abfahrer Aksel Lund Svindal in ihr Team, der Norweger weiß nicht nur, wie man Rennen gewinnt, sondern gilt auch als gewiefter Tüftler. Vonn und er reizen das Material bestmöglich aus, haben Nuancen verändert, etwa an der Abstimmung des Skischuhs. Noch mehr drin: Und auch sonst scheinen die beiden zu harmonieren. Während Vonn noch auf dem Platz der Führenden saß, ging Svindal durch den Zielraum und beantwortete Fragen. Hat Vonn also wirklich nicht alles riskiert? "Heute hat sie alles aus dieser Strecke herausgeholt, was möglich war", sagte Svindal. Aber: "Sie hat definitiv noch Reserven. Sie kann mit noch mehr Intensität angreifen." Vonn selbst – nach eigenen Angaben in der Vorwoche noch leicht erkältet – war ebenfalls zufrieden. "Ich habe einen Plan gehabt, und den habe ich befolgt", sagte sie. "Ich bin sauber gefahren, hatte die richtige Einstellung." Vonn musste viele Fragen beantworten, seit ihrer Rückkehr ist das Medieninteresse deutlich gestiegen. Und sie nahm sich Zeit, gab sich geduldig und auskunftsfreudig, auf ihrer Micky-Mouse-Mütze sammelte sich der Neuschnee, so lang stand sie im Freien. Bis sie dann weg musste zur Siegerpräsentation. Kurze Nacht: Der Schnee war ein Thema für sich: Im Dezember und auch Anfang Januar fiel so gut wie kein Neuschnee, nun ist der Winter ausgebrochen. Für die Organisatoren bedeutet das Schwerstarbeit. Am Abend schon waren Helferinnen und Helfer auf der Strecke und rutschten mit ihren Ski den Neuschnee aus der Piste, mehr als 300 waren im Einsatz, vor allem Freiwillige der örtlichen Vereine. Nach einer kurzen Nacht gab es um 4:30 Uhr Frühstück für die Helferinnen und Helfer, dann wurde wieder gerutscht. Nur durch diesen Einsatz wurde ein Rennen möglich, damit hatten vor wenigen Tagen noch nicht alle gerechnet. Etabliert: Mit der unruhigen Strecke kam Emma Aicher wieder mal gut zurecht. Die 22 Jahre alte Deutsche gilt als Gefühlsskifahrerin, eine, die sich von äußeren Bedingungen nicht aus der Ruhe bringen lässt. Sie gewann in dieser Saison schon eine Abfahrt (vor Lindsey Vonn) und ist die einzige Athletin im Feld, die in Abfahrt, Super-G und Slalom um das Podest mitkämpfen kann. In Zauchensee ließ sie aber im oberen Teil etwas Zeit liegen. "Da war es sehr langsam", sagte sie. Wer nur kurz die Ideallinie verlassen hat, kam in den tiefen, bremsenden Schnee, auch Aicher passierte das mal kurz. Unten gehörte sie dann zu den schnellsten, für einen Platz auf dem Podest reichte es aber knapp nicht. Böser Sturz: Beim Sieg von Vonn in St. Moritz im Dezember war die Österreicherin Magdalena Egger überraschend Zweite geworden. Die 24-Jährige gilt als Hoffnung im Team, als großes Talent, das immer besser in Schwung kommt im Erwachsenenbereich. Am Samstag endete ihre Fahrt im Fangzaun, nachdem sie in einer Linkskurve die Kontrolle verloren hatte. Sie wurde per Helikopter geborgen, offenbar hat sie sich am Knie verletzt. Wie schlimm, war zunächst noch nicht klar. So geht es weiter: In der Nacht soll es noch mal schneien, am Sonntag schließen die schnellsten Skifahrerinnen der Welt ihr Wochenende dann mit einem Super-G ab. Zu den Favoritinnen gehört natürlich wieder Vonn. Aber auch Emma Aicher sollte man auf dem Zettel haben. Nach dem ersten Saisonsieg von Vonn im Dezember drehte Aicher auf und verwies die Legende einen Tag später auf Rang zwei.