Grönland: Chefs aller Parlamentsparteien »wollen keine Amerikaner sein«

Datum10.01.2026 13:48

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Chefs aller Parlamentsparteien in Grönland haben entschieden, Donald Trumps Gebietsansprüche auf die Insel gemeinsam zurückzuweisen. In einer Erklärung betonen sie, dass die Zukunft Grönlands von den Grönländern selbst bestimmt werden soll, ohne Einmischung anderer Länder. Dies geschieht vor dem Hintergrund von Trumps Drohungen, Grönland gewaltsam zu übernehmen, um nationale Sicherheitsinteressen der USA zu wahren. Die dänische Regierung lehnt ebenfalls Trumps Ansprüche ab und warnt vor möglichen NATO-Folgen. Ein Treffen des grönländischen Parlaments wird vorgezogen.

InhaltDonald Trump greift nach Grönland. Doch alle Parteien der Insel weisen die US-Gebietsansprüche nun gemeinsam zurück. Eine Parlamentssitzung soll vorgezogen werden. Während US-Präsident Donald Trump erneut mit der Einnahme Grönlands droht, lehnen die dortigen Parteien seinen Gebietsanspruch in demonstrativer Einigkeit ab. "Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung   der Vorsitzenden der fünf Parteien im grönländischen Parlament. "Die Zukunft Grönlands muss von den Grönländern bestimmt werden", forderten die Politiker. "Kein anderes Land darf sich einmischen. Wir müssen selbst über die Zukunft unseres Landes entscheiden, ohne Druck zugunsten einer voreiligen Entscheidung, ohne Aufschub und ohne Einmischung anderer Länder." Trump hatte am Freitag erneut mit dem Einsatz von Gewalt zur Übernahme Grönlands von Dänemark gedroht. Als Begründung für die Begehrlichkeiten hatte Trump die nationale Sicherheit der USA angegeben und behauptet, rund um Grönland seien zahllose russische und chinesische Schiffe unterwegs. "Wir werden nicht zulassen, dass Russland oder China Grönland besetzen", bekräftigte der US-Präsident. "Das werden sie tun, wenn wir es nicht tun. Also werden wir etwas mit Grönland unternehmen, entweder auf die angenehme Art oder auf die schwierigere Art." Russland und China haben ihre militärischen Aktivitäten in der Region in den vergangenen Jahren verstärkt, aber keines der beiden Länder hat Anspruch auf Grönland erhoben. Die Insel ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland. Die Vorsitzenden der Parteien im grönländischen Parlament Inatsisartut verlangten in ihrer gemeinsamen Erklärung, dass die USA "ihre Geringschätzung gegenüber unserem Land einstellen". Es müsse ein intensiver Dialog "mit unseren Verbündeten und den Ländern, mit denen wir zusammenarbeiten", sichergestellt werden, hieß es in dem Schreiben weiter. Eine Sitzung des Inatsisartut werde vorverlegt, um eine faire und umfassende politische Debatte zu gewährleisten und die Rechte der Bevölkerung zu sichern, erklärten die Parteichefs. Der Termin für die Sitzung steht noch nicht fest. Das grönländische Parlament tagte zuletzt im November und hatte laut ursprünglich die nächste Sitzung für den 3. Februar angesetzt. Grönland mit seinen knapp 57.000 Einwohnern ist weitgehend autonom, gehört aber offiziell zum Königreich Dänemark. Die dänische Regierung weist Trumps Anspruch entschieden zurück. Regierungschefin Mette Frederiksen warnte vor einem Ende des Verteidigungsbündnisses Nato, sollten die USA Grönland angreifen. Mehrere Nato-Staaten werben angesichts der jüngsten Äußerungen der US-Regierung zu Grönland für einen Ausbau der Bündnispräsenz in der Arktis. Nach Angaben von Diplomaten sieht ein Vorschlag vor, einen Überwachungseinsatz mit dem Namen "Arctic Sentry" (deutsch etwa: Wächter der Arktis) zu starten. Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann. Über den Vorschlag wurde den Angaben zufolge unter anderem bei einer Sitzung der ständigen Vertreter der Bündnisstaaten in Brüssel gesprochen. Darüber hatte zunächst unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet . Der britische Premier Keir Starmer ließ am Freitag mitteilen, er habe sich in einem Telefonat mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron für eine verstärkte Nato-Präsenz im hohen Norden ausgesprochen. Das Bündnis müsse dort stärker auftreten, um Gegner wie Russland abzuschrecken, sagte Starmer laut einer Sprecherin.