Syrien: Armee verkündet Kontrolle über Aleppo – Kurden dementieren

Datum10.01.2026 13:35

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Aleppo kämpfen die syrische Armee und kurdische Truppen um die Kontrolle der Stadt. Die Armee behauptet, die Kontrolle über Scheich Maksud gewonnen zu haben, während Kurden diese Angaben zurückweisen und andauernde Kämpfe bestätigen. Mehr als 30.000 Menschen flohen aus den umkämpften Gebieten. Trotz einer ausgerufenen Waffenruhe lehnten die Kurden eine Waffenstillstand ab. Der Konflikt spitzt sich weiter zu, während internationale Akteure, wie die Türkei und Israel, ebenfalls involviert sind. Die Situation für Minderheiten in Syrien bleibt besorgniserregend.

InhaltAls vor gut einem Jahr das Regime in Syrien stürzte, gab es im Land große Hoffnung auf Frieden. In Aleppo ist davon mittlerweile nicht mehr viel übrig. Schon seit Tagen kämpfen kurdische Truppen und die syrische Armee um die Kontrolle über Aleppo. Nun verkündet die Armee, die syrische Stadt unter ihre Kontrolle gebracht zu haben. Reporter der Nachrichtenagentur AFP hörten jedoch auch am Samstagmorgen weiterhin Schüsse im umkämpften Stadtteil Scheich Maksud. Kurdische Kämpfer wiesen die Armeeangaben zurück und erklärten, in dem Viertel gebe es weiterhin Straßenkämpfe. Beide Seiten liefern sich seit Dienstag Gefechte in Aleppo und geben sich gegenseitig die Schuld an der Gewalteskalation, bei der mehr als 20 Menschen getötet wurden. Nach Angaben der Vereinten Nationen flohen bisher etwa 30.000 Menschen aus den umkämpften Vierteln. In der Nacht zu Freitag hatte das Verteidigungsministerium eine Waffenruhe ausgerufen, die Kurden-Kämpfer hatten ein Niederlegen der Waffen jedoch abgelehnt. Am Samstagmorgen verkündete die Armee dann den erfolgreichen Abschluss eines Sicherheitseinsatzes in Scheich Maksud. Kurdische Kämpfer wiesen dies als "falsch und irreführend" zurück. Sie warfen "Regierungsmilizien" vor, durch Artilleriefeuer gezielt Angst und Schrecken in dem Stadtteil zu verbreiten. Die Kämpfe in der zweitgrößten Stadt des Landes hatten begonnen, nachdem Bemühungen zur Eingliederung der de facto autonomen Kurden-Verwaltung und ihrer Armee in die neue syrische Übergangsregierung im Sande verlaufen waren. Seit dem Sturz des Langzeit-Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 wird das im Nordwesten Syriens gelegene Aleppo weitgehend von der neuen Übergangsregierung kontrolliert. Nur die Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafijeh stehen bislang noch unter der Kontrolle kurdischer Einheiten. Gemäß einem im März geschlossenen Abkommen sollten die zivilen und militärischen Institutionen der Kurden eigentlich bis zum Jahresende 2025 in die syrische Zentralregierung und Armee integriert werden. Zudem hatten die kurdischen Kämpfer zugestimmt, sich aus den beiden Stadtvierteln in Aleppo zurückzuziehen. Beides wurde jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten nicht umgesetzt. In dem Konflikt zwischen den Kurden und der syrischen Regierung mischen auch internationale Akteure mit. Die Türkei, die eine 900 Kilometer lange Grenze mit Syrien teilt, führt immer wieder Angriffe aus, um kurdische Kämpfer von der Grenze zurückzudrängen. Syriens Nachbarland Israel wiederum hatte den Einsatz der syrischen Armee gegen die Kurden verurteilt. Seit Assads Sturz hat die Sorge um die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in Syrien zugenommen. Der Regierung in Damaskus mit dem früheren Dschihadisten Ahmed al-Scharaa an der Spitze wird vorgeworfen, Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Kurden nicht ausreichend zu schützen.