Iran: Schah-Sohn fordert Unterstützung von Donald Trump

Datum10.01.2026 10:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRIm Iran steigen die Todeszahlen, während die Massenproteste gegen die Regierung andauern. Kronprinz Reza Pahlavi, der im Exil lebt, fordert US-Präsident Donald Trump zur Unterstützung der Demonstranten auf. Trump äußert sich zurückhaltend, warnt jedoch die iranische Regierung vor einem Eingreifen der USA. Die Proteste, die durch eine Wirtschaftskrise ausgelöst wurden, weiten sich im gesamten Land aus. Irans Führung verurteilt die Proteste und signalisiert einen harten Umgang. Europäische Staatschefs fordern einen Gewaltverzicht seitens des Staates.

InhaltDie Zahl der Toten steigt, trotzdem halten die Massenproteste in Iran an. Aus seinem US-Exil ermutigt Kronprinz Reza Pahlavi die Demonstranten – und fordert Donald Trump zum Eingreifen auf. Der äußert sich zwiespältig. Reza Pahlavi, der im Exil lebende Kronprinz und Sohn des verstorbenen Schahs von Iran, hat US-Präsident Donald Trump zur Unterstützung der Proteste in seinem Heimatland aufgerufen. "Sie haben bewiesen, dass Sie ein Mann des Friedens und ein Mann Ihres Wortes sind", schrieb Pahlavi, der in der Nähe von Washington lebt, in den sozialen Medien. "Bitte seien Sie bereit, einzugreifen, um dem iranischen Volk zu helfen." Pahlavi rief auch zu weiteren Massendemonstrationen auf. In einem Beitrag vom Freitag forderte er Trump auf, sich mit seiner "Aufmerksamkeit, Unterstützung und Tatkraft" stärker in die Krise einzubringen. Trump wiederholte eine Warnung an die iranische Regierung, dass die USA eingreifen würden, falls wie in der Vergangenheit Menschen getötet werden: "Wir werden uns einmischen, wir werden sie sehr hart treffen, wo es wehtut." Damit sei allerdings kein Einsatz von US-amerikanischen Bodentruppen gemeint. Zurückhaltend zeigte Trump sich auch mit Blick auf ein mögliches Treffen mit Pahlavi. "Ich bin mir nicht sicher, ob das unbedingt das Richtige wäre", sagte er am Donnerstag gegenüber dem konservativen Radiomoderator Hugh Hewitt. "Ich denke, wir sollten alle erst einmal abwarten und sehen, wer sich herauskristallisiert." Am Freitagabend hatten erneut massenhaft Menschen in verschiedenen Großstädten des Landes gegen die Regierung protestiert. Zu Aufmärschen kam es unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad. Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen war vorerst unklar. Wegen der landesweiten Internetsperre drangen nur noch wenige Aufnahmen nach außen. In einem von Aktivisten veröffentlichten Video waren Menschenmassen im nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee. Auf den Aufnahmen sind Brände und chaotische Szenen auf den Straßen zu erkennen. "Tod dem Diktator", ruft die Menge in einem anderen Teil des Videos. Das Zentrum für Menschenrechte in Iran mit Sitz in New York zeigte sich besorgt angesichts staatlicher Gewalt. Man habe glaubwürdige Augenzeugenberichte aus Krankenhäusern, die in Gebieten von Teheran, Maschhad und Karadsch mit verletzten Demonstrierenden überfüllt seien, hieß es in einem Bericht. Ein Arzt aus Teheran sagte dem US-Magazin "Time", sechs Krankenhäuser in der iranischen Hauptstadt hätten zusammen mehr als 200 Todesfälle unter Demonstranten verzeichnet - die meisten seien durch scharfe Munition getötet worden. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Zahlen jedoch nicht. Aktivisten zufolge sind bei den landesweiten Protesten bisher 51 Demonstrierende getötet worden, allerdings fehlten dabei noch Zahlen aus mehreren Großstädten vom Donnerstag und aus der Nacht zu Samstag. Hunderte weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften verletzt worden sein, berichtete die Organisation Iran Human Rights mit Sitz in Oslo. Nach Darstellung des Bürgermeisters von Teheran, Aliresa Sakani, wurden bei Unruhen in der Hauptstadt mehr als 50 Banken und mehrere staatliche Einrichtungen angezündet. "Mehr als 30 Moscheen gingen in Flammen auf", sagte er in einem von der Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten Video. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei verurteilte die Proteste. In einer am Freitag veröffentlichten Rede sprach der 86-Jährige von "Unruhestiftern" und "dem Land schädlichen" Menschen. "Es gibt auch Leute, deren Arbeit Zerstörung ist", sagte er. Sie richteten Zerstörung an, "nur damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut", sagte das Staatsoberhaupt mit Blick auf Trump. Chamenei signalisierte einen harten Kurs gegen die Demonstranten. Ausgelöst wurden die Demonstrationen Ende Dezember durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet. Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten die iranische Staatsführung zum Gewaltverzicht auf. "Wir sind zutiefst besorgt über Berichte von Gewalt durch iranische Sicherheitskräfte und verurteilen die Tötung von Demonstranten auf das Schärfste", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer. Der 65-jährige Reza Pahlavi lebt seit fast 50 Jahren im Exil. Sein Vater, der Schah von Persien, war so verhasst, dass 1979 Millionen Menschen auf die Straße gingen und ihn zur Abdankung zwangen. Dennoch versucht Pahlavi nun, sich als Akteur in der Zukunft seines Landes zu positionieren. In Interviews der vergangenen Jahre hat er die Idee einer konstitutionellen Monarchie ins Spiel gebracht, möglicherweise mit einem gewählten statt einem erblichen Herrscher. Pahlavi sagte aber auch, dass die Entscheidung bei den Iranern liege. Trump und andere Staats- und Regierungschefs weltweit zögern dabei, Pahlavi zu unterstützen. Das dürfte auch an vielen warnenden Beispielen im Nahen Osten und anderswo liegen, wo westliche Regierungen ihr Vertrauen in Exilanten setzten, die sich längst von ihrer Heimat entfremdet hatten. Anfang dieser Woche soll eine US-Geheimdienstanalyse zu dem Schluss gekommen sein, dass die Proteste in Iran noch nicht groß genug seien, um die Führung des Obersten Führers Ali Khamenei infrage zu stellen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit den Informationen vertraute Quelle. Mittlerweile konzentrierten sich die Proteste jedoch nicht mehr nur auf Städte, in denen es schon immer Opposition gegen das Regime gab, sondern haben sich auf Orte wie Khameneis Geburtsstadt Maschhad ausgebreitet. Das sei eine "bedeutende Entwicklung", so der Insider.