Sturmtief soll bis zu 50 Zentimeter Neuschnee bringen

Datum10.01.2026 08:08

Quellewww.spiegel.de

TLDRSturmtief "Elli" bringt starken Schnee nach Deutschland, insbesondere in den Süden, wo bis zu 50 Zentimeter Neuschnee erwartet werden. In Baden-Württemberg gibt es Unwetterwarnungen und die Deutsche Bahn warnt vor Verspätungen und Ausfällen. Während der Norden sich von den Auswirkungen erholt, bleibt die Wetterlage im Süden problematisch. Meteorologen raten dazu, unnötige Reisen zu vermeiden und Wälder in betroffenen Regionen zu meiden. Der Januar zeigt ungewöhnliche Kälte, was nicht im Widerspruch zum Klimawandel steht.

InhaltDer Winter hat Spuren in Bremen, Hamburg und Niedersachsen hinterlassen. Dort soll sich die Lage nun entspannen – doch es gibt eine Unwetterwarnung für Teile Süddeutschlands: "Wer nicht weg muss, sollte zu Hause bleiben." Sturmtief "Elli" hat den Verkehr und Alltag in Deutschland vielerorts ausgebremst. Der Norden Deutschlands war besonders betroffen und hat noch mit den Auswirkungen von Schnee und Schneeverwehungen zu kämpfen; der Winterdienst ist weiterhin gut beschäftigt.  Während sich die Wetterlage im Norden nun entspannen soll, ist Schnee von der Mitte bis in den Süden Deutschlands vorhergesagt. In Teilen Baden-Württembergs etwa gilt am Wochenende Unwettergefahr. Laut Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) liegt die Schneefallgrenze in der Südhälfte bei 300 bis 500 Metern. Bis in die Morgenstunden sind ein bis fünf Zentimeter Neuschnee hinzugekommen. Neben dem Schwarzwald sei vor allem auch auf der Ostalb mit markanten Neuschneezuwächsen zu rechnen. Im Flachland seien am Samstag zunächst Schneematsch und Schneeregen zu erwarten, sagte die DWD-Meteorologin Helga Scheef vor dem Wochenende. Dann sei überfrierende Nässe Thema. Die Höchstwerte liegen laut DWD im Bergland um minus 1 Grad, sonst häufig zwischen 0 und 4 Grad, im Rheingraben bis 5 Grad. In Hochlagen rechnete der Wetterdienst unter anderem mit schweren Sturmböen. Dort drohten Schneeverwehungen, teils mit unwetterartigen Auswirkungen. Im Bergland soll der Wind voraussichtlich erst gegen Abend hin langsam nachlassen. Im Schwarzwald und Oberallgäu wird der Winter am Samstag für beeindruckende Schneemengen sorgen: Angesagt sind kräftige Schneefälle mit Neuschneehöhen von 10 bis 30 Zentimetern, in den Staulagen türmt sich der Schnee sogar bis zu 50 Zentimeter bis in die Nacht zum Sonntag. Für diese Regionen gilt eine Unwetterwarnung. Die Deutsche Bahn (DB) warnte für den Südwesten vor Verspätungen und Zugausfällen. Sie kündigte im Internet an, dass voraussichtlich bis Samstag mit witterungsbedingten Einschränkungen zu rechnen sei. Unter anderem sollen mehrere Züge im Regionalverkehr mit reduzierter Geschwindigkeit fahren. "Wenn möglich verschieben Sie nicht zwingend notwendige Reisen auf einen anderen Zeitraum", appellierte die DB. Im Norden wiederum möchte die Deutsche Bahn den Fernverkehr wieder aufnehmen – er ruht wegen "Elli" seit Freitag. Erste Züge im Fernverkehr sollen ab 10 Uhr wieder fahren. Es sollen etwa wieder Fernverkehrszüge auf den Strecken Hamburg–Berlin und Hamburg-Frankfurt rollen. In den betroffenen Regionen im Norden hatten laut Bahn insbesondere Schneeverwehungen für erhebliche Beeinträchtigungen gesorgt. (Lesen Sie hier, warum die Bahn ein Winterproblem hat.) Die Bahn bittet alle Reisenden, sich vor Fahrtantritt in der App DB Navigator und auf der Internetseite der Bahn über die aktuelle Verkehrslage zu informieren. Die Nordbahn will am frühen Samstagmorgen zunächst alle Strecken prüfen, bevor der Betrieb aufgenommen werden soll. Die Vorgehensweise vom Vortag habe sich bewährt, teilte die Eisenbahngesellschaft mit. Daraufhin soll entschieden werden, wie die Züge am Sonnabend verkehren werden. In Bremen sollen Bahnen und Busse am Samstag wieder regulär fahren. Ziel sei es, den Betrieb in Bremen-Stadt und Bremen-Nord vollständig zu normalisieren, teilte die Bremer Straßenbahn AG mit. Einschränkungen könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden. Helga Scheef, Meteorologin Der Fährverkehr zu den ostfriesischen Inseln bleibt am Wochenende teilweise eingeschränkt. Die Reederei Norden-Frisia kündigte an, dass am Samstagmorgen jeweils die ersten vier Fährabfahrten von Norddeich nach Norderney sowie von der Insel ans Festland ausfallen. Danach soll der Betrieb dort wieder anlaufen. Die Fähre am Samstagmittag von Norddeich nach Juist soll fahren. Die Abfahrten für Sonntag und Montag seien aber wetterbedingt gefährdet, hieß es von der Reederei. Auch von und nach Wangerooge, Langeoog und Spiekeroog sollen am Samstag und Sonntag wieder Fähren fahren. "Wenn man nicht weg muss, sollte man zu Hause bleiben. Oder zumindest vorsichtig fahren", sagte die DWD-Meteorologin Helga Scheef. Auch Waldbesuche sind am Wochenende keine gute Idee: Forstminister Peter Hauk (CDU) verwies auf die möglichen Sturmböen im Bergland und Orkanböen im Hochschwarzwald: "Daher sollten die Wälder in diesen Regionen vorerst gemieden und auf einen Waldbesuch verzichtet werden, da glatte Waldwege oder herabfallende Äste und umbrechende Bäume zum Sicherheitsrisiko werden können." In Hannover bleiben der Große Garten und der Berggarten bis einschließlich Sonntag geschlossen. Auch die Schauhäuser dürfen nicht betreten werden. Andere Flächen der Herrenhäuser Gärten können auf eigene Gefahr betreten werden. Zudem blieben Friedhöfe unter anderem in Hannover und Lüneburg geschlossen. Grund ist die Gefahr herabfallender Äste durch hohe Schneelasten. Die "berühmt-berüchtigte Polarfront" sorgt dafür, dass es derzeit so kalt ist, erklärt Andreas Walter, Klimaexperte beim DWD. "Die ersten Januartage waren deutlich kälter als das, was wir im klimatologischen Mittel erwarten würden. Das ist also keine subjektive Wahrnehmung, sondern entspricht auch den Messungen", sagt Andreas Walter, Klimaexperte beim DWD. (Lesen Sie hier, inwiefern dieser Winter bisher (außer)gewöhnlich ist. ) Dem Klimawandel widerspricht die extreme Kälte aber nicht. "So ein kalter Monat wie der bisherige Januar widerspricht überhaupt nicht dem Fakt des Klimawandels", betont Walter. "Die Erwärmung geht nicht immer monoton nur nach oben – es wird auch immer wieder Ausschläge nach unten und nach oben geben." Dieser Januar sei bisher ein Ausschlag nach unten, auch wenn zum Gesamtmonat noch keine Aussagen möglich seien.