Datum10.01.2026 05:30
Quellewww.zeit.de
TLDRIn deutschen Nationalparks werden seit 2022 Tierkadaver ausgelegt, um mehr über die Tierwelt und deren Ökosysteme zu erfahren. Die Forscher fanden heraus, dass Kadaver großer Tiere wie Rehe und Wildschweine eine wichtige Nahrungsquelle für mindestens 31 Tierarten darstellen, darunter auch Luchse und Wölfe. Der Rückgang und die Rückkehr großer Raubtiere sind entscheidend für die Artenvielfalt. Das bundesweite Projekt wird 2023 ausgewertet, um Empfehlungen für den Umgang mit Kadavern zur Förderung der Aaskäferartenvielfalt zu entwickeln.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wissenschaft“. Lesen Sie jetzt „Wer frisst hier totes Tier? Erkenntnisse aus Aas-Projekt“. Seit Jahren werden in deutschen Nationalparks Tierkadaver ausgelegt. Auch in Niedersachsen, also am Wattenmeer und im Harz, wird das seit 2022 gemacht. Forscher wollen so mehr über die Tierwelt lernen. Was haben sie inzwischen gelernt? Die Ergebnisse zeigten bereits, dass Kadaver großer Tiere eine wichtige Nahrungsquelle für viele Tierarten seien. "Sie unterstreichen damit auch die Bedeutung der Rückkehr großer Raubtiere wie Luchs und Wolf für das Ökosystem", hieß es in einer Mitteilung des Nationalparks Harz, der sich bis nach Sachsen-Anhalt erstreckt. Raubtiere würden schließlich für tote Tiere sorgen. Die zurückgelassene Beute sei Lebensgrundlage für viele Arten von Bakterien über Käfer bis zu Vögeln und Raubtieren. In dem Schutzgebiet im Mittelgebirge wurden einige Tiere wie bestimmte Käferarten erstmalig entdeckt. Auch andere in der Region seltene Tiere wurden gesichtet, etwa Anfang Juli ein Seeadler, der an einem toten Reh in der Nähe des Brockens fraß. Insgesamt wurden mindestens 31 verschiedene Tierarten, darunter auch bekanntere Harz-Bewohner wie Luchse, Wölfe, Raben und Füchse, an den Kadavern registriert. Auffällig seien auch viele Rothirsch-Sichtungen, die im Fell toter Hirsche nach Mineralsalzen suchen, sagte Projektkoordinator Christian von Hoermann vom Nationalpark Bayerischer Wald. Im Harz wurden neben Rehen, Rothirsche und Wildschweine als Kadaver ausgelegt, die meist bei Verkehrsunfällen getötet wurden. Die dort positionierten Kameras machten mehr als 250.000 Foto- und Videoaufnahmen. In diesem Jahr soll das bundesweite Projekt umfassend ausgewertet werden. Für einige Regionen wie den Nationalpark Hainich in Thüringen gibt es auch erste Empfehlungen: Dachskadaver oder Kadaver von Allesfressern sollten nach Wildunfällen nicht weggeräumt werden, um die Artenvielfalt von Aaskäfern zu schützen, berichtete Christian von Hoermann, vom Nationalpark Bayerischer Wald, der das 2022 gestartete Projekt koordiniert. Im Nationalpark Wattenmeer an der Nordsee stellten die Forscher fest, dass tote Robben oder auch Rehe seien für die Artenvielfalt besonders wichtig, sagte Biologe Benedikt Wiggering bei einem Expertengespräch im niederländischen Groningen. Interessant: Bei Autounfällen getötete Rehe seien etwa vor allem für weit verbreitete Aasfresserarten besonders wichtig. Weiter hätten die Wissenschaftler große Unterschiede zwischen Aasfressern auf dem Festland sowie auf den Inseln registriert. © dpa-infocom, dpa:260110-930-524471/1