Grönland: Nato-Staaten diskutieren über Einsatz in der Arktis

Datum09.01.2026 19:54

Quellewww.spiegel.de

TLDRNato-Staaten diskutieren über eine verstärkte militärische Präsenz in der Arktis, um auf US-Pläne zur Annexion Grönlands zu reagieren. Ein geplanter Überwachungseinsatz namens "Arctic Sentry" soll die Sicherheitslage verbessern und Washingtons Argument eines Vakuums in der Region entziehen. Britischer Premier Starmer sowie andere Nato-Mitglieder sprechen sich für ein stärkeres Engagement aus, um Russland abzuschrecken. Die Diskussion ist heikel, da sie die Glaubwürdigkeit und Geschlossenheit der Allianz betrifft und Washingtons Rolle unklar bleibt.

InhaltWie reagiert die Nato auf US-Träume von einer Annexion Grönlands? Ein Überwachungseinsatz könnte für mehr Sicherheit sorgen und Donald Trump ein wichtiges Argument entziehen. Mehrere Mitgliedstaaten der Nato drängen auf eine stärkere militärische Präsenz in der Arktis. Hintergrund sind jüngste Äußerungen der US-Regierung zu Grönland. Diplomaten zufolge wird ein Überwachungseinsatz mit dem Namen "Arctic Sentry" geprüft, zu Deutsch: "Wächter der Arktis". Dieser soll die Sicherheitslage in der strategisch wichtigen Region verbessern und Washington das Argument entziehen, dort bestehe ein Vakuum. Über den Vorschlag wurde unter anderem bei einem Treffen der ständigen Vertreter der Bündnisstaaten in Brüssel gesprochen. In einem Telefonat mit Kanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron warb der britische Premier Keir Starmer für ein stärkeres Engagement des Bündnisses im hohen Norden. Ziel sei es, Russland abzuschrecken und Stabilität zu sichern. Der britische Premierminister Keir Starmer ließ am Freitag mitteilen, er habe sich in einem Telefonat mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron für eine verstärkte Nato-Präsenz im hohen Norden ausgesprochen. Das Bündnis müsse in der Region stärker auftreten, um Gegner wie Russland abzuschrecken, so Starmer. Ob die Initiative Erfolg haben wird, ist offen. Missionen der Nato erfordern Einstimmigkeit – und insbesondere die Rolle der USA gilt als unklar. Denn das Interesse Washingtons an Grönland könnte weniger sicherheitspolitisch als wirtschaftlich motiviert sein. Die Insel verfügt über bedeutende Rohstoffvorkommen. US-Präsident Donald Trump hat zuletzt erneut erklärt, die Kontrolle über Grönland sei für die USA von strategischer Bedeutung. Dabei schloss er auch wirtschaftlichen oder militärischen Druck nicht aus. Das sorgt in Europa für Irritationen, denn Grönland gehört offiziell zu Dänemark, das wiederum Nato-Mitglied ist. Pläne für eine stärkere Nato-Präsenz in der Arktis sind nicht neu. Bereits verabschiedete Verteidigungspläne für das Jahr 2023 sehen eine Ausweitung der Abschreckungsfähigkeit im Norden vor. Die USA betreiben mit der Pituffik Space Base bereits eine Basis auf Grönland, auch Dänemark ist mit eigenen Kräften präsent. Für die Nato ist die Debatte heikel: Sie berührt die Glaubwürdigkeit des Bündnisses und seine innere Geschlossenheit. Gleichzeitig hängt die militärische Abschreckung der Allianz maßgeblich von den USA ab.