Meinung: News des Tages: Wetter, Schnee, Mercosur-Abkommen, Syrien

Datum09.01.2026 18:11

Quellewww.spiegel.de

TLDRSchnee und Eis stören den Alltag in Deutschland, mit Verkehrsausfällen und abgesagten Schul- und Sportveranstaltungen. Gleichzeitig hat die EU ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten nähergebracht, das weitreichende wirtschaftliche Zusammenarbeit verspricht. In Syrien wurde eine begrenzte Waffenruhe in Aleppo ausgerufen, um eine erneute militärische Eskalation zu verhindern. Die Not der Menschen in Syrien bleibt jedoch ein ungelöstes Problem. Zudem kündigte Johnny Knoxville die Rückkehr von "Jackass" als Kinofilm an.

InhaltSchnee und Eis legen viele Teile des Landes lahm. Die EU macht den Weg für das Mercosur-Abkommen mit Ländern Südamerikas frei. Und Syriens Übergangsregierung verkündet eine Waffenruhe in Aleppo. Das ist die Lage am Freitagabend. Die drei Fragezeichen heute: In Heinrich Heines berühmtem Langgedicht "Deutschland – Ein Wintermärchen" heißt es: "Man schläft sehr gut und träumt auch gut / In unseren Federbetten. / Hier fühlt die deutsche Seele sich frei / Von allen Erdenketten." Den heutigen Schneechaostag in Deutschland hätten vermutlich viele Menschen lieber im Federbett verbracht. Die Bahn stellte zeitweise den Verkehr in Norddeutschland ein, in vielen Schulen fiel der Unterricht aus, in Hamburg wurde das Bundesligaspiel zwischen dem FC St. Pauli und RB Leipzig abgesagt. All das und viele andere Wintersturm-News kann man im SPIEGEL-Snowblog nachlesen. Meteorologinnen und Meteorologen sind von der Kälte im Land kaum beeindruckt, berichten heute meine Kolleginnen Kristin Haug und Alina Schadwinkel. Temperaturen wie derzeit seien, so ein Wetterfachmann, "zwar nicht in jedem Jahr üblich, aber auch keine enormen Ausreißer". (Lesen Sie hier mehr dazu  .) Der deutsche Autokonzern VW sagte in seinen Werken in Emden und Wolfsburg wegen des Wintersturms Schichten ab, in Städten wie Halle wurden Notquartiere für Menschen ohne Obdach eingerichtet; und wie wohl zu erwarten kam es im ganzen Land zu Autounfällen wegen Schnee und Glätte. Meine Kollegin Miriam Khan aus dem Newsressort hat aber auch Erfreuliches zu melden: Am Wochenende soll Sturmtief "Elli" sich langsam auflösen und am Sonntag vielerorts "Bilderbuchwetter" herrschen. "Am Samstag ist für viele Regionen in Deutschland noch mal Schnee angekündigt, vor allem in den Mittelgebirgen und im Allgäu schneit es teils heftig, mehr als 30 Zentimeter Neuschnee sind drin, heißt es vom Deutschen Wetterdienst. Auch in tieferen Lagen können zehn Zentimeter zusammenkommen." Der erfreulich unkitschige Staatsmann Charles de Gaulle soll einst gesagt haben: "Zwischen Staaten gibt es keine Freundschaft, sondern nur Allianzen." Heute hat nach 26 Jahren der Verhandlungen die EU den Weg freigemacht für den Abschluss einer besonderen Allianz – des EU-Freihandelsabkommens mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Bei einer Sitzung von Vertretern der 27 EU-Länder stimmten in Brüssel ausreichend viele Teilnehmer der zuletzt von Italien verzögerten Unterzeichnung des Deals zu (hier mehr dazu). "Jetzt kann das Abkommen nur noch am Europaparlament scheitern, das ebenfalls darüber abstimmen soll", berichten meine Kollegen Gernot Matzke, Benedikt Müller-Arnold und Gerald Traufetter. "Nach einer mehrheitlichen Zustimmung dort könnte der Handelsteil des Abkommens im Laufe dieses oder des nächsten Jahres in Kraft treten." Die EU und die Mercosur-Staaten schaffen eine der größten Freihandelszonen der Welt, sie umfasst mehr als 700 Millionen Menschen und eine jährliche Wirtschaftsleistung von fast 21 Billionen Dollar. Das Zusammenwachsen ist auch deshalb historisch, weil es zwischen ehemaligen Kolonialmächten und den aus deren Kolonien hervorgegangenen Ländern geschlossen wird. "Es ist ein Zeichen gegen den Handelskrieger Trump", sagt mein Kollege Gerald Traufetter, SPIEGEL-Korrespondent in Rio de Janeiro. "Die EU und die Mercosur-Staaten setzen auf regelbasierten Freihandel. Ein Abkommen zum Wohl beider Vertragsparteien und ein wichtiges Zeichen an die Länder Lateinamerikas, die sich kulturell und wirtschaftlich weiter an Europa orientieren und nicht in die Hände Chinas begeben müssen. Die geoökonomische Weltordnung braucht mehr solcher Schritte, um die amerikanischen Allmachtsfantasien zu stoppen." Das Leben und die Not der Menschen in Syrien scheinen viele Menschen in Deutschland kaum noch zu interessieren, seit dort eine Übergangsregierung herrscht. Ein in Hamburg lebender syrischer Gastwirt hat mir kürzlich erzählt, dass seine Schwester, eine im Norden des Landes wohnende Christin, seit mehr als einem Jahr ihr Haus nicht mehr verlassen hat, aus Angst um ihr Leben. In der vergangenen Nacht hat die syrische Übergangsregierung für die gleichfalls im Norden gelegene Stadt Aleppo nach heftigen Gefechten ihrer Truppen mit kurdischen Kämpfern eine begrenzte Waffenruhe ausgerufen (mehr dazu hier). Die Waffenruhe solle eine "erneute militärische Eskalation" verhindern, erklärte Syriens Verteidigungsministerium. Bei den jüngsten Kämpfen wurden mehrere Stadtviertel mit schwerer Artillerie beschossen. Schulen, Wohnhäuser und Krankenhäuser wurden bombardiert. Die USA begrüßten die Waffenruhe und dankten allen Beteiligten für ihre "Zurückhaltung". "Mit dem Waffenstillstand dürften die Kämpfe vorerst enden", sagt mein Kollege Maximilian Popp. "Doch das grundsätzliche Problem bleibt ungelöst: Die Regierung unter Übergangspräsident Sharaa hat es bislang nicht vermocht, Minderheiten in Syrien ausreichend zu schützen." Warum Widerstand gegen Trumps ICE so gefährlich ist: Die US-Einwanderungsbehörde ICE agiert immer brutaler und enthemmter. In Minnesota, wo am Mittwoch eine Frau erschossen wurde, formiert sich Protest. Doch genau den könnte die Trump-Regierung für sich nutzen . Knallkopf – und stolz drauf: Johnny Knoxville, 54, Stuntman und Schauspieler, hat die Rückkehr des in den Nullerjahren für eklige Mutproben berühmten Formats "Jackass" angekündigt – als Kinofilm. Zu bestaunen gab es in der vor allem von jungen Leuten gefeierten Show einst beispielsweise Bergabfahrten mit dem Dreirad, nun hat der Darsteller auf Instagram kundgetan: "Wir starten das Jahr mit einem echten Knall! Wir wollten euch wissen lassen, dass Jackass diesen Sommer zurück ist!" Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Könnten Sie sich mit dem Gesang und den Songtexten von Hildegard Knef beschäftigen. Mein Kollege Arno Frank lobt eine neue Anthologie mit den poetischen Werken der Sängerin, die 1968 den heute klassischen Song "Für mich soll’s rote Rosen regnen" herausbrachte, der zum Klassiker wurde. Das Buch "Ich möchte am Montag mal Sonntag haben" versammelt ausgewählte Songtexte und stellt, so Arno, "die nackten Verse auf die Bühne – wo sie als Gedichte glänzen". Das Rosen-Lied etwa entpuppe sich beim Wiederlesen als feministisches Manifest, das ironische "Von nun an ging’s bergab" als weltweises Resümee ihrer Karriere. "Natürlich hört man die verrauchte Stimme der Knef, wenn man ihre leichtfüßige Lyrik liest." (Lesen Sie hier mehr .) Einen schönen Abend. Herzlich Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort